Die Stadtwerke sprechen von einer "neuen Zeitrechnung" - im wahrsten Sinne des Wortes: In der ersten Stunde wird das Parken in den vier innerstädtischen Anlagen an der Schützenstraße, am Georgendamm, am Luitpoldeck und Margaretendamm künftig kostenlos möglich sein. Die Gratis-Testphase mit 1200 Stellflächen beginnt pünktlich zum Weihnachtsgeschäft am 1. Dezember und dauert 13 Monate.
"Beweist sich das Konzept als Erfolg, soll es die Gratisstunde in den vier Innenstadt-Parkanlagen dauerhaft geben", berichtet der Stadwerke-Sprecher Jan Giersberg von der Entscheidung des Aufsichtsrates.
Damit das Angebot für Kurzparker finanziell keine Lücken in die Stadtwerke-Bilanz reißt, werden die Gebühren nach der ersten freien Stunde angehoben. Ab Dezember zahlen die Autofahrer in der zweiten Stunde drei Euro - statt wie bisher 1,50 Euro. Die dritte und vierte Stunde kostet je zwei Euro, jede weitere Stunde einen Euro. Bisher kostete die dritte Stunde 1,50 und die vierte einen Euro. Am Tag werden künftig maximal zwölf statt wie bisher zehn Euro fällig. "Die Parkhäuser sind keine Gewinnbringer. Wir hätten sonst erhebliche Einbußen, daher diese Erhöhungen", erklärt Pressesprecher Giersberg und weist auf die Parkwertkarte hin, die im Parkhaus Zentrum Süd an der Schützenstraße und in der Tiefgarage Zentrum Nord am Georgendamm zusätzlich Rabatte von bis zu 16 Prozent bietet. Bei der Neugestaltung der Gebühren habe man sich an vergleichbaren Städten orientiert.
Für die Betreiber ist das Gratisangebot Kern eines einjährigen Feldversuchs, um mehr attraktive Kurzzeitparkplätze anzubieten und den innerstädtischen "Parksuchverkehr" zu verringern. "Ein Großteil des innerstädtischen Verkehrs wird dadurch verursacht, dass die Menschen einen nahen und günstigen Parkplatz suchen. Das ist den Bewohnern und auch den Geschäftsleuten in der Bamberger Innenstadt ein Dorn im Auge", erklärt Pressesprecher Giersberg.
Der Aufsichtsrat der Stadtwerke verspricht sich von dem Nulltarif auch, die Innenstadt noch attraktiver zu machen. "Die Fußgängerzone, die Lange Straße, das neue Quartier an den Stadtmauern und auch das Bürgerrathaus am Zentralen Omnibus-Bahnhof sind von hier aus mit wenigen Schritten erreichbar.


Lob und Kritik

Nicht alle finden die Neuerung gut: "Es ist ein weiterer Anreiz mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren", kritisiert Fahrradaktivist Christian Hader die Entscheidung. "Das widerspricht allen Zielen, die sich die Stadt beim Thema Verkehr gesetzt hat."
Positiv sieht es das Stadtmarketing: "Bamberg folgt dem Beispiel anderer Städte. Das Stadtmarketing begrüßt diese Entscheidung sehr, weil sie den Wirtschaftsraum Bamberg attraktiv macht, den Parksuchverkehr reduziert und die zentralen Parkmöglichkeiten der Stadtwerke noch attraktiver macht", sagt Klaus Stieringer, Geschäftsführer des Bamberger Stadtmarketings. Weil allein in der Tiefgarage an der Schützenstraße fast 500 kostenlose Kurzzeitparkplätze entstehen, ist für Stieringer mit dem neuen Tarifkonzept "ein Handlungsspielraum geschaffen, die Lange Straße weiter aufzuwerten".
Gerade in der Langen Straße schaffe man eine Entlastung, so die Stadtwerke: Wegen der Baumaßnahmen stehen dort die 14 Kurzzeitparkplätze seit Monaten nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Die Tiefgaragen bieten nun eine Alternative.
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) sieht deutliche Vorteile: "Wir wollen die Einkaufsstadt stärken und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität in der Langen Straße verbessern." Außerdem müssten Busse, Radfahrer, Autos, Fußgänger und individuell anreisende Hotelgäste unter einen Hut gebracht werden. "Wenn Parkplätze wegfallen, dürfen wir die Einzelhändler nicht im Regen stehen lassen. Deswegen unser Angebot in zentraler Lage eine Stunde kostenlos parken zu dürfen."
"Es geht auch darum, schnelle Erledigungen in der Innenstadt entspannt tätigen zu können", sagt Giersberg. Auch für die Besucher des neuen Bürgerrathauses, das im kommenden Frühjahr am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) im ehemaligen Kreiswehrersatzamt eröffnet, stünden damit genügend Kurzzeitparkplätze zur Verfügung.
Ändern die Autofahrer ihr Parkverhalten? Werden die umherkreisenden Autos auf Parkplatzsuche im Stadtbild wirklich weniger? 13 Monate lang wird das neue Konzept getestet und danach analysiert. "Wir probieren es jetzt mal aus. Ob wir ein Defizit machen, wird sich dann zeigen", sagt Aufsichtsratsmitglied Peter Neller (CSU).