"Bamberg spricht für sich." Optimistisch sieht Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) der Standortvergabe für das neu zu schaffende bayerische Heimatministerium entgegen. Nach gewonnener Landtagswahl zeigt sich CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer entschlossen, sein Versprechen, ein "Heimatministerium" einzurichten, zu halten.

Seehofer hatte angekündigt, das neue Ministerium nicht in München, sondern in Nordbayern anzusiedeln. Nun ist in Franken ein regelrechtes "Bewerbungsfieber" um das Heimatministerium ausgebrochen.

Mehr "von oben nach unten"

Horst Seehofer hatte am 7.Juli - am "Tag der Franken" - die Idee eines Heimatministeriums und die damit verbundene Standortfrage in die Öffentlichkeit getragen. Mit dem neuen Ministerium soll eine Art Bürokratie-Umbau und somit eine Vereinfachung des Verwaltungsapparates stattfinden.

Der oder die zukünftige Heimatminister(in) soll sich darum kümmern, mehr öffentliche Aufgaben "von oben nach unten" zu verlagern. Die Kommunen sollen auf diese Weise mehr Befugnisse erhalten.

"Heimat in Bayern ist geprägt von Lebensgefühl, Geschichte, Kultur und Tradition. Heimat in Bayern findet ihren sichtbaren Ausdruck in einer lebendigen und offenen Gemeinschaft." Mit diesen Worten richten sich Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Kulturbürgermeister Werner Hipelius in einem Schreiben an Ministerpräsident Seehofer: "Der Standort eines künftigen Heimatministeriums sollte an einem Ort gewählt werden, der diese Werte hervorragend verbindet: In der Welterbestadt Bamberg."

In jüngster Zeit hätte für die Bayerische Staatsregierung mehrfach die Möglichkeit bestanden, Bamberg mit einer überregionalen staatlichen Einrichtung zu berücksichtigen. Aber weder bei der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten, noch beim Museum der Bayerischen Geschichte war dies der Fall. "Jetzt besteht eine gute Chance, Bamberg mit einer staatlichen Behörde auszustatten", sagt Andreas Starke. Zumal Bamberg bei der Auswahl von Behörden-standorten in der Vergangenheit nicht gerade verwöhnt worden sei.

Im Gegenteil: Es fand eine Vielzahl von Verlagerungen statt, die Bamberg benachteiligt habe. So wurden beispielsweise das Bundessortenamt, das Kreiswehrersatzamt, das Zollamt oder das Wasserwirtschaftsamt aus Bamberg entfernt.

In den Augen von Starke wären mögliche positive Folgen: neue Arbeitsplätze, steigende Wirtschaftskraft und mehr politische Einflussmöglichkeit.

"Das Heimatministerium in Bamberg wäre in jedem Fall eine Bereicherung. Wir halten Bamberg für den perfekten Standort", sagt Andreas Starke.

Tradition und gute Infrastruktur

Mit neun Argumenten - quer Beet - bewerben Starke und Hipelius Bamberg als Standort für das neue Querschnittsministerium. Schulstadt, Bierstadt, Universitätsstadt, Welterbestadt - und in Zukunft auch Stadt mit einem Ministerium?

"Bamberg ist reich an Kultur, hat Tradition, liegt verkehrsgünstig im Herzen Frankens, hat ein hohes Entwicklungspotential", heißt es in dem frei formulierten Bewerbungspapier. Offizielle Auswahlkriterien für den Standort des neuen Ministeriums sind aber keine bekannt. Städte wie Marktredwitz, Bayreuth, Hof, Coburg und viele weitere, alle mit einem gewissen Maß an strukturellen Defiziten, haben ebenfalls beim Ministerpräsidenten ihr Interesse bekundet.

Werner Hipelius erinnert daran, "dass Bamberg vor 1000 Jahren schon einmal der Nabel der Welt" war. Regieren lässt es sich in Augen des Bürgermeisters auch deshalb so gut im Fränkischen Rom, weil man hier zudem das Leben genießen könne. Aus der Bayerischen Staatskanzlei München erfährt man derzeit keine Details zum geplanten Heimatministerium.

Neues Kabinett ist entscheidend

Horst Seehofer ist nach der Landtagswahl vorerst noch mit der Kabinettsbildung beschäftigt und "wir werden uns beherrschen, dem Ministerpräsidenten lautstarke Ratschläge zu erteilen", erklärt Hipelius.

Die Bamberger CSU-Abgeordnete und Staatssekretärin Melanie Huml gilt als potentielle Anwärterin für einen Ministerposten in Seehofers neuem Kabinett. Auch Heribert Trunk, Präsident der IHK Oberfranken, wird als zukünftiger Heimatminister ins Spiel gebracht. Beide wollen sich nicht an Spekulationen beteiligen, Trunk hätte aber schon Ideen, zum Beispiel zum Ausbau des Breitbandnetzes oder zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.

Es steht fest, dass es ein Heimatministerium geben wird. Mit welchen Zuständigkeiten ist aber noch unklar. "Wir können die Stadt Bamberg nur in Erinnerung bringen", sagt Werner Hipelius. Für die nächsten Wochen ist erst einmal Geduld gefordert.