Die beiden "Urgesteine" des Bamberger Klinikums, Brigitte Hollstein und Joachim Thiel, haben ihre Bamberger Karriere im alten Krankenhaus in der Sandstraße begonnen und sind seit mehreren Jahrzehnten in der Weltkulturerbestadt tätig.

"Als ich 1978 von der Würzburger Uniklinik ins alte Krankenhaus in der Sandstraße kam, wollte ich keine drei Tage bleiben", erinnert sich die Pflegedirektorin. Denn schließlich sei sie von einer hochmodernen Einrichtung in ein in die Jahre gekommenes Krankenhaus gewechselt. Die Säle seien damals mit 15 bis 19 Patienten belegt und Verbesserungsvorschläge nur schwer durchsetzbar gewesen.

Als dann sechs Jahre später der Umzug an den Bruderwald bevorstand, koordinierte die examinierte Krankenschwester diesen Kraftakt als Umzugsbeauftragte. "Und hier ist mir der einzige Fehler in Erinnerung, als ich versehentlich die Urinflaschen auch in der Frauenklinik verteilen ließ."

Mit dem Umzug wurde die gebürtige Baden-Württembergerin Pflegedienstleiterin und somit Mitglied der Pflegedirektion. In jener Zeit führte sie unter anderem das Bereichspflegesystem ein, bei dem eine Pflegekraft eine bestimmte Anzahl von Patienten versorgt. Ferner setzte sie die Pflege-Übergabe am Patientenbett um oder sorgte dafür, dass es für Frauen in der Geburtshilfe ein Frühstücksbuffet gab.

Hollstein bildete sich weiter und wurde 2005 zur Pflegedirektorin ernannt. "Nach der Neustrukturierung der Sozialstiftung, neben dem Klinikum kamen noch die beiden Kliniken am Michaelsberg und das Klinikum am Heinrichsdamm hinzu, führte ich die letzten acht Jahre 1300 Mitarbeiter und ich denke, gemeinsam mit meinen Pflegekollegen, Ärzten und der Verwaltung haben wir viel erreicht", resümiert sie.

Professor Thiel kehrte nach seiner Promovierung zum Doktor der Humanmedizin (1971), seiner Facharztausbildung zum Radiologen (1981) und seiner Habilitation (1987) ins Bamberger Klinikum zurück, wo er bereits als junger Assistenzarzt tätig war. Hier übernahm er als Chefarzt Ende der 80er-Jahre das Institut für Strahlentherapie, das er im Laufe der Zeit auf universitären Standard brachte. So besitzt beispielsweise das Bamberger Klinikum als einziges kommunales Krankenhaus in Deutschland ein Tomotherapie-Gerät, das die exakte Lage eines Tumors erkennt und punktgenau bestrahlen kann, ohne umliegendes Gewebe zu schädigen.

Viele Herausforderungen

Im Jahre 2005 wurde Thiel zudem von seinen Chefarztkollegen zum Ärztlichen Direktor gewählt. "Damit wurde ich auch Stellvertreter von Herrn Frauenknecht und war somit in die Gesamtverantwortung des Hauses deutlich mit eingebunden", erläutert Thiel. Er wirkte als Ärztlicher Direktor in der Leitungskonferenz an allen Entscheidungen operationaler, struktureller und strategischer Art mit. Er vertrat aber ebenso seine chefärztlichen Kollegen und war maßgeblich an der Entwicklung der Sozialstiftung beteiligt.

Zu seinen wesentlichen Herausforderungen zählt Thiel die Weiterentwicklung der Kliniken sowie der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). "Wir sind sehr stürmisch in den ambulanten Markt eingestiegen und haben uns dabei teilweise auch blutige Nasen geholt", erinnert sich der Strahlenexperte. Hier galt es, viele Ängste und Widerstände der niedergelassenen Ärzte zu überwinden. Was jetzt noch als Herausforderung im Raum stehe, die er leider nicht mehr umsetzen könne, sei die Frage der Fusion des Klinikums mit den beiden Krankenhäusern Scheßlitz und Burgebrach.

Beide freuen sich nun auf ihren Ruhestand. Obwohl die 59-jährige Brigitte Hollstein Neues nicht ausschließen möchte, will sie sich auf alle Fälle mindestens ein Jahr eine komplette Auszeit nehmen und während dieser Zeit möglichst viel Rad und Ski fahren, reisen und kulturellen Einrichtungen besuchen. Auch der 65-jährige Joachim Thiel möchte künftig Dinge unternehmen, die während seiner Dienstzeit zu kurz kamen. So will er sich beispielsweise verstärkt dem Radfahren widmen. Oder auch mal ein Buch fernab der Fachliteratur zur Hand nehmen.