Als erstes wird das Wasser knapp. Nicht erst in einer fernen Zukunft und in fernen Ländern, sondern schon in zehn bis 20 Jahren in Oberfranken. "Wenn sich der Trend fortsetzt, kommt es hier zu einem Wasserdefizit", stellt Johannes Lüers, Klimaforscher an der Uni Bayreuth fest. "Dann wird die Trinkwasserversorgung kritisch." Der Trend, das sind vor allem warme, sehr trockene Frühjahrsmonate, wie auch in diesem März und April wieder.

"Das ist ganz typisch für das Maintal", stellt Lüers anhand der Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten fest. Schon jetzt hätten einige Brunnen Probleme mit niedrigen Wasserständen. Der Trend, das ist der Klimawandel.
In der Diskussion über die Energiewende ist inzwischen fast nur noch von Strompreisen und Versorgungssicherheit, von Stromtrassen und Mindestabständen für Windräder die Rede. Das eigentliche Hauptthema ist dagegen in den Hintergrund gerutscht. Dabei betrifft es alle ganz existenziell. Vielleicht ist den Menschen das Ganze zu global. Das, was im Klimaschutzbericht der Vereinten Nationen steht, gilt eben weltweit. Weltweit heißt aber: auch vor der eigenen Haustüre.

Europa trifft es anders als Afrika und Franken anders als Friesland. Selbst innerhalb Frankens wird er sich unterschiedlich bemerkbar machen. Im Frankenwald und Fichtelgebirge etwa anders als im Main- und Regnitztal um Bamberg, auf den Jurahöhen anders als im Steigerwald. Der Klimawandel ist bereits da - und er ist messbar. Auch im Raum Bamberg. Seit Jahren beschäftigt sich Lüers mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Oberfranken.

"Was längerfristige Prognosen angeht - also den Zeitraum von etwa 50 Jahren -, sind wir noch auf die großen Klimamodelle angewiesen", räumt Lüers ein. Die ließen sich etwa auf Süd- oder Norddeutschland regional herunterbrechen. Was kleinräumige Prognosen betrifft, könne man aber anhand der Messdaten einzelner Stationen bereits sehr gute Vorhersagen für die nächsten zehn bis 20 Jahre treffen. "Natürlich keine Wettervorhersagen", betont Lüers, "sondern solche über das Klima." Relativ einfach sei das bei der Temperaturprognose, schwierig dagegen bei den Niederschlägen. "Wo örtlich Schauer niedergehen, lässt sich nicht vorhersagen".


Häufiger Starkregen

Letzteres erklärt auch den scheinbaren Widerspruch zwischen den Warnungen vor zunehmender Trockenheit auf der einen und steigender Hochwasserrisiken auf der anderen Seite. Mit 15 Prozent Klimaaufschlag planen etwa die Wasserwirtschaftsämter auch beim Deichausbau in Oberfranken. "Wir rechnen mit einer Häufung von Starkregenereignissen", sagt etwa Hans Joachim Rost, der beim WWA Kronach für den Hochwasserschutz in und um Bamberg zuständig ist. Das Problem ist also nicht, dass es in Zukunft weniger regnen wird. Nur der Boden kann das Wasser dann nicht mehr so gut speichern.

Auch in der Tatsache, dass Erwärmung und Trockenheit nicht kontinuierlich voranschreiten, sieht Klimaforscher Lüers kein Indiz, dass sich der Wandel bereits vollzieht und weitergehen wird. "Das geschieht in Wellen. Der Klimawandel ist wie ein Puls", beschreibt es Lüers. "Mal ist es kühler, dann gibt es wieder einen rasenden Anstieg. Aber die Tendenz ist ungebrochen." So habe es etwa in vor fünf, sechs Jahren einen kleinen Stillstand gegeben, in den letzten beiden Jahren sei aber wieder ein "enormer Trend nach oben" zu verzeichnen gewesen - vor allem bei der Trockenheit im Winter und Frühjahr. Schon mittelfristig seien, deren Auswirkungen gravierend.


Waldbrandgefahr steigt

Wenn es wärmer wird, bekommen die Leute mehr Durst und die Landwirtschaft muss mehr bewässern. Der Wasserverbrauch steigt, während die Neubildung von Grundwasser sinkt. Dazu kommt eine erhöhte Waldbrandgefahr schon im Frühjahr ("Das führt zu Verhältnissen wie in Griechenland oder Kalifornien", warnt Lüers.) und einem vermehrten Einsatz von Klimaanlagen, für die mehr Energie benötigt wird, deren Produktion mit herkömmlichen Methoden den Klimawandel weiter verstärkt. Für die Menschen am Main, meint Lüers, heißt das: "Wenn es nur um zwei Grad wärmer wird - und das ist niedrig gegriffen - wird es in Frankfurt wie in Rom, in Bamberg wie im Oberrheintal, in Bayreuth wie in Bamberg und in Hof wie in Bayreuth." Manchem mag das angenehm erscheinen, doch ist beispielsweise die Vegetation gar nicht darauf eingestellt.

Die jetzige Generation muss sich also nicht nur Gedanken machen, wie Wasser besser gespeichert werden kann oder welche Pflanzen und Bäume mit dem sich ändernden Klima besser zurecht kommen. Sie muss auch handeln. "Die Ursachen für den Klimawandel, den wir jetzt erleben, liegen bereits 40 oder 50 Jahre zurück", bilanziert Lüers. "Was wir heute in die Luft pusten, bestimmt das Klima in 40 oder 50 Jahren. Wir können nur noch abmildern, was danach geschieht, dass nicht in 100 Jahren alles zusammenbricht." Fatalismus ist Lüers dabei nicht anzumerken. Mit seiner Forschung und seinen Vorträgen will er vielmehr aufzeigen. Was wichtig ist und was konkret getan werden kann.

Thema "Klimawandel in Franken - was erwartet uns in 30 Jahren? Folgen und Maßnahmen für die Region" ist der Titel eines Vortrags von Johannes Lüers.

Zeit und Ort Mittwoch, 7. Mai, 19 Uhr, Nebenzimmer der Gaststätte "Tambosi" am ZOB in Bamberg. Eintritt frei.

Veranstalter VIKU - Verein für Intelligenten Klima- und Umweltschutz (vormals: Vierether Kuckucksei).