Wie in manch anderen Lebensbereichen schneidet der Raum Bamberg auch bei den Gebühren für Kindergarten und Krippe relativ gut ab. Das heißt, in Bamberg Stadt und Land müssen Eltern eher unterdurchschnittliche Beiträge leisten, damit Töchterchen oder Söhnchen gut versorgt wird, während Mami und Papi ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Die "Zeit" hat unlängst einen "Atlas der Kitapreise" für ganz Deutschland veröffentlicht. Danach wurde für Bayern (aus Angaben von befragten Eltern) ein Durchschnittswert von 439 Euro bei 45 Stunden Betreuung pro Woche ermittelt. "Spitze" ist eine private Kinderkrippe in München, die sich ihre Dienste mit 1200 Euro im Monat honorieren lässt.

Einzelne Städte in Nordrhein-Westfalen haben sich laut "Zeit" eine Staffelung der Gebühren nach dem Einkommen der Eltern ausgedacht. So zahlen gut verdienende Düsseldorfer für ihr Kind sogar beim Besuch einer öffentlich geförderten Kita 845 Euro im Monat. Die Stadt Köln nimmt mit durchschnittlich 491 Euro unter den deutschen Großstädten den Spitzenplatz ein.

Da können sich die Eltern von Kleinkindern in Bamberg Stadt und Land noch glücklich schätzen: Sie kommen mit Beiträgen zwischen 111 bis 281 Euro in der Stadt Bamberg oder zwischen 80 und 220 Euro im Landkreis (bei täglich sechs- bis siebenstündiger Betreuung ihres Kindes) vergleichsweise glimpflich davon. Diese Zahlen erhielt unsere Zeitung auf Anfrage von den Pressestellen der Stadt- beziehungsweise der Kreisverwaltung.

Auf Länderebene schneidet übrigens die Bundeshauptstadt mit dem durchschnittlichen Monatsbeitrag von 148 Euro am günstigsten ab (eventuell eine Folge des Berlin beflügelnden Länderfinanzausgleichs). Insgesamt haben die Kitas in den neuen Bundesländern niedrigere Gebühren als in den westlichen. Fachleute ziehen im Osten allerdings vielfach die Betreuungsqualität in Zweifel. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigte, dass in den Krippen der östlichen Bundesländer im Schnitt sechs Kinder untergebracht sind, im Westen hingegen knapp vier.

Kindergärten und Krippen miteinander zu vergleichen, wird umso schwieriger, je tiefer man in die Materie einsteigt. Wenn sich der Staat - Bund, Land, Kommune - morgen entschlösse, kurzerhand alle Kita-Gebühren aus seiner Kasse zu bestreiten, entstünden erhebliche Ungerechtigkeiten. Dabei würden etwa für den Besuch eines im Bauwagen untergebrachten "Waldkindergartens" 80 Euro erlassen, während sich die Eltern, deren Kind eine mit allen Errungenschaften ausgestatteten Krippe in der Villengegend besucht, 500 Euro sparen könnten (um weiterhin ihre Spitzengehälter zu verdienen).

Eltern haben die Wahl

Der bayerische Weg - Bezuschussung des letzten und vorletzten Kindergartenjahres eines Kindes mit 100 bzw. 50 Euro - erscheint somit als gerechte Lösung. Schließlich haben die Eltern theoretisch die Wahl, ob sie ihr Kind in einen teuren oder günstigen Kindergarten schicken. Nicht alle Kommunen - wie etwa Hirschaid - legen Wert auf gleiche Kita-Gebühren in allen örtlichen Einrichtungen. Wie hoch die Gebühren im Einzelfall sind, hängt von den Investitions- und Betriebskosten ab, die durch Staat, Kommune und Träger nicht gedeckt werden. Die Lücke müssen die Eltern durch ihre Beiträge schließen.

Den hiesigen Kommunen sind bei der Gebührengestaltung die Hände gebunden: Alle 29 Kindergärten und zehn Kinderkrippen in der Stadt Bamberg werden von der katholischen oder evangelischen Kirche, von freien Wohlfahrtsverbänden oder Elterninitiativen getragen; keine dieser Einrichtungen ist "städtisch".

Im Landkreis betreiben einzelne Kommunen eigene Kindertageseinrichtungen, doch befinden sich auch hier die meisten Kindergärten und Krippen in der Trägerschaft kirchlicher und gemeinnütziger Organisationen. Dazu teilt die Kreisverwaltung mit: "Über die Betriebskosten pro Platz hat das Landratsamt keine Informationen, da jeder Träger selbst unterschiedlich kalkuliert und eine Vergleichbarkeit nicht immer gegeben ist."

Beispielsweise sei der Grunderwerb in stadtnahen Gemeinden aufwändiger als in weiter entfernten. Gemeinden sei es freigestellt, Defizitvereinbarungen mit den Trägern abzuschließen, um Härten auszugleichen. Wegen der unterschiedlichen Betriebskosten und den variablen Angeboten hält der Landkreis einheitliche Gebühren nicht für wünschenswert.

Die Stadt Bamberg hat ebenfalls keine Kenntnis von Betriebskosten der Kitas. Sie legt in Verhandlungen mit den Trägern jedoch Wert darauf, "dass die Höhe der Elternbeiträge kein Argument für die Wahl eines Kita-Platzes ist". Mit anderen Worten: Die Stadt überlässt die Gebührenfrage den Betreibern der Einrichtungen und stellt maßvolle Gebühren anheim.

Wann Beiträge erlassen werden

Nach Erkenntnissen von Stadt- und Kreisverwaltung ist es in den Kindertagesstätten des Raumes Bamberg nicht üblich, Gebühren nach dem Einkommen der Eltern zu staffeln. Unterschiede in den Monatsgebühren resultieren hauptsächlich aus den gebuchten Betreuungszeiten.

Wichtig ist: Sowohl in der Stadt wie auch im Landkreis Bamberg können sich Eltern mit niedrigem Einkommen an die Jugendämter wenden. Auf Antrag werden die Beiträge dann ganz oder teilweise erlassen.

In der Stadt und im Landkreis Bamberg sind derzeit weitere Krippen im Plan oder im Bau. Einen Teil des Bedarfs an Kinderbetreuung decken in der Stadt derzeit 28 Tagesmütter, im Landkreis sind deren 14 tätig, 30 Kreisbewohnerinnen sind entsprechend ausgebildet.

Auch hier schwanken die Elternbeiträge. Das Tagespflegeentgelt erhalten die Tagesmütter zwar vom Landkreis beziehungsweise von der Stadt. Für manche Tagesmütter sei die öffentliche Förderung aber nicht ausreichend, so dass manchmal noch Zuzahlungen der Eltern erforderlich seien. Eine Erhöhung bereite der Gesetzgeber derzeit vor, teilte die Pressestelle der Stadt Bamberg mit. Von der Kreisverwaltung ist zu erfahren, dass der von den Eltern an den Landkreis zu zahlende Beitrag einkommensabhängig festgesetzt wird.

Mithin: Es ist ein schier undurchdringlicher Dschungel aus Qualitätsmerkmalen, den jeweiligen Investitions- und Betriebskosten sowie den Zuschüssen der öffentlichen Hand und Leistungen der gemeinnützigen Träger, der zu völlig uneinheitlichen Elternbeiträgen führt. So lange deren Höhe als angemessen und gerecht empfunden wird, können Staat und Gesellschaft mit diesem Wirrwarr leben. "Ausreißer (bei den Kitagebühren, d. Red.) gibt es im Landkreis Bamberg nicht", beschied uns die Kreisverwaltung.