Der elfjährige Jonas mag ein echter Lausbub sein. Doch im Foyer des Historischen Museums in der Alten Hofhaltung wartet er ruhig und mit großen wandernden Augen den Beginn der Kinderführung ab. "Ich freue mich auf das, was kommt", strahlt Jonas. Das sei sicher auf jeden Fall "besser als Fußballspielen".

Auch die beiden Freundinnen Linn (8) und Chiara (10) linsen schon einmal neugierig zur Schatzkiste herüber, aus der allerlei Kunterbuntes herauslugt: "Wir sind gespannt, was uns erwartet", sagen die Mädchen aus einem Munde.

Nach und nach gesellen sich weitere Kinder dazu. Jedes wird freundlich von Judith Siedersberger begrüßt, die die Kleinen als Führerin durch die Dombergmuseen gleich in den Bann zieht. Die Premiere gelingt: Erstmals startet eine Kinderführung für acht- bis zwölfjährige Entdecker von Kunst und deren Geschichte.

Dombergkoordinatorin Birgit Kastner hat sich dieses Schmankerl einfallen lassen. Ideengeber war das im letzten Jahr erschienene Kinderbuch "Als den Bildern Flügel wuchsen" von Autorin Anna Albrecht und Illustratorin Heike Preier. "Sie haben mit ihrem Buch die Steilvorlage für diese Kinderführung geliefert", erklärt Kastner. Darin werden Malermeister Wolfgang Katzheimer, sein Geselle, die Frau des Meisters, der Domherr und andere spätmittelalterliche Figuren lebendig.

Die kindgerecht erzählte Geschichte ist der rote Faden dieser neuen Kunsthistorischen Führung, die zunächst zum bekannten Katzheimer-Gemälde "Apostelabschied" und dann ins Diözesanmuseum zu einem Flügelaltar geht. Künftige Touren sollen auch die Staatsgalerie in der Neuen Residenz mit einbeziehen.

Griff in die Schatzkiste

Der Start an der Schatzkiste ist schon einmal etwas für die Nachwuchsforscher: Judith Siedersberger greift hinein, zieht Stoffe hervor - "das ist Kostümkunde!" -, Blattgold, Schnitzwerkzeuge und sogar alte, getrocknete Heilpflanzen wie Manna oder Engelwurz in Gläschen. Die Führerin öffnet einige, lässt die Kinder daran riechen. Dann reicht sie Chiara einen Klüpfel, den das Mädchen mit einem Schnitzmesser auf Holz ausprobieren darf. "Das macht Spaß!", freut sie sich. Und außerdem hat Judith Siedersberger noch einen mobilen Museumskorb parat, der bei dem Rundgang durch die Museen zum Einsatz kommt.

Während sie über die Malerfamilie Katzheimer erzählt, schlüpfen die Kinder in Rollen: Aus dem Korb fischt ein Bub die rote Mütze des Malers und setzt sie sich auf. Ein anderer bekommt eine Werkstattschürze umgebunden, der "Domherr" - oder die "Domherrin" - legt sich ein Pelzkrägelchen an. Dabei erfahren die Kleinen so einiges über die Arbeiten in einer Malerwerkstatt und über Katzheimers Bilder, die viel über das Stadtbild Bambergs im Mittelalter verraten und voller "gruseliger Details" nur so strotzen. "Die Kinder lernen das genaue Hinsehen", betont Judith Siedersberger, die sich die nächsten Führungen mit Kollegin Johanna Krause teilt.

Bei der Premiere sind auch die beiden Buchmacherinnen dabei. "Wenn das Mittelalter eine unerschöpfliche Trinkflasche ist, dann ist unser Buch der Flaschenöffner", meint Autorin Albrecht. Und die daran angelehnte Führung eine Motivation, Kinder für bildende Kunst zu begeistern. Gemeinsam mit Illustratorin Preier arbeitet Albrecht bereits am nächsten Werk, das "mit Anleihen aus Bamberg über den Barock erzählt".