"Ich brauch' noch Wolle." Schon breitet Laura das rote Vlies auf ihrer Bambusmatte aus. Ein Tuch darüber, das die Zehnjährige mit Wasser beträufelt. Kurz einziehen lassen, dann wird die Wolle eingeseift. "Nee, nicht zu viel Seife", warnt Ingrid Dedio, die mit Laura Brendel und vier weiteren Mädchen Deko-Artikel für den "Oster-Filzmarkt" fertigt. Die Vorbereitungen für Ostersamstag laufen auf Hochtouren. Zumal der Erlös der Benefizaktion indischen Kindern und anderen bedürftigen Menschen zukommt.

Alles duftet mittlerweile nach Seife, während Laura das Vliesstück unter dem Tuch weiter und weiter "massiert". "Zwischendurch muss man das Ganze rollen, manchmal auch werfen", sagt die Stegauracher Realschülerin. So verbinden sich die einzelnen Fasern beim Walken, während das Werkstück nach und nach zum festen Gebilde schrumpft. Nein, zuvor gilt es noch, andersfarbige Fliesstücke in entsprechende Formen zu zwingen und das textile Kunstwerk einzubringen: eine Gartenfahne, die Laura bald darauf mit einem bunten Schmetterling Ingrid Dedio präsentiert.


Zum Muttertag



"Ich hab für meine Mama zum Muttertag schon vor zwei Jahren eine orange-weiße Gartenfahne gefilzt", sagt Tanja-Katharina Nöth, die gerade mit entsprechender Routine an einer Fahne mit Frühlingsblumen arbeitet. Die Elfjährige genießt es, Ingrid Dedio in Kreuzschuh einmal pro Woche zu besuchen, um eineinhalb Stunden mit ihr und den anderen Mädchen zu werkeln. Seit Weihnachten arbeiten die Stegauracherinnen nun schon an den Oster-Artikeln, die an Ständen auf dem Parkplatz der Bäckerei Nöth erhältlich sind. "Auch die grün-lila Schnecke mit goldenen Punkten, die ich bei Frau Dedio aus Tonpapier, Klopapierrollen, Styropor und Kleister gebastelt habe, war lange in unserer Bäckerei zu sehen", berichtet die Realschülerin. "Und viele Kunden haben meiner Mutter gesagt, wie schön sie die Schnecke finden."

Noch mehr handwerkliches Geschick zeigt ihre Schwester Christina, wie in Kürze klar wird, wenn die Zwölfjährige von "Projekten" berichtet: "Ich arbeite auch mit Holz, hab' beispielsweise Vogelhäuser aus Leisten und Latten gebaut, die mir mein Vater gab." Nur als Statikerin muss die Stegauracherin noch dazulernen, nachdem ein Sturm ein Domizil mittlerweile zum Einstürzen brachte.

Während Christina, Laura und Tanja-Katharina im Vorgarten von Ingrid Dedio der alten Handwerkstradition nachgehen, der ja der Familienname "Filzer" entsprang, filzen Hanna Nawratil und Eva Bögelein im Haus, um Teelichter, Blumentöpfe und andere Gefäße mit ihren Arbeiten zum Blickfang zu machen. "Ich war schon als Sternsingerin unterwegs - für einen guten Zweck", berichtet die zwölfjährige Hanna, während sie wieder einmal Wolle glatt streicht, um sie kurz darauf mit Wasser und Seife zu behandeln. Jetzt engagiert sich die Gymnasiastin erstmals filzend mit den anderen Mädchen für Kinder in einem fernen Teil der Welt, "die arm sind und nicht so leben können wie wir hier", wie sich Christina ausdrückt.


Für den Film "Resturlaub"



"Du kannst das Tuch mit der Wolle heftig auf den Tisch knallen", sagt Ingrid Dedio, die gerade in den Raum kommt und Eva über die Schulter blickt. Seit Jahren filzt die pensionierte Grundschullehrerin mit einer Professionalität, die auch das Filmteam von "Resturlaub" im vergangenen Jahr zu schätzen wusste. So griff die Crew bei einer Szene auf Dedios Deko-Materialien zurück.

Tja, an Ideen mangelt es der 66-Jährigen nicht, die ein breites textiles Sortiment aus farbiger Wolle, Wasser, Seife und viel Geduld erstellte. "Ich fertige mittlerweile Hausschuhe (etwa eine Stunde Arbeitszeit), Bettschuhe (wie für einen fränkischen Pater), Jacken (bis zu acht Stunden Arbeitszeit), Armreife, Buchhüllen, Kirschkernkissen, Kuscheltiere und vieles mehr", berichtet Ingrid Dedio, die auf diese Weise seit Jahren über den Bamberger Verein Mabuhay bedürftige Menschen auf den Philippinen unterstützt. "In der Regel verkaufe ich meine Filzarbeiten privat. Sie sind aber auch bei Kunsthandwerkermärkten und in der Blumenwerkstatt von Barbara Birkleinein gleich hinterm Gabelmann erhältlich." Einmal finanzierte Ingrid Dedio filzend einen Zahnarztstuhl, auf dem sich nun Menschen in einem Gesundheitszentrum von Tondo behandeln lassen. Ein anderes Mal wanderte der Verkaufserlös in die Ausstattung der Schulküche der Teresita Primary School auf Mindoro, "in die eben in erster Linie Straßenkinder gehen".

Einen "Oster-Filzmarkt" für Not leidende Inder hat aber auch die Pädagogin zuvor noch nicht bestückt. Die Aktion ist für sie - ebenso wie für ihre eifrigen Helferinnen - eine Premiere. Erhältlich sind Ostereier, Kränze, Hähne, Schmetterlinge, Blumen, Grußkarten und viele andere österliche Filz-Dekoartikel am Ostersamstag an Ständen, die auf dem Parkplatz der Stegauracher Bäckerei Nöth (Bamberger Straße 13) aufgebaut werden. Von 9 bis 13 Uhr sind die Filzarbeiten, die seit Weihnachten entstanden, erhältlich. Der Erlös des "Oster-Filzmarktes" fließt Hilfsprojekten des Stegauracher Vereins "Zukunft für Menschen in Südindien" zu.