Originell, auf lokale Geschehnisse und Kuriositäten bezogen waren alle elf Wagen, die Burgwindheims Kerwaburschen und -Madli in wochenlanger Arbeit gebaut hatten. Für besonderen Gesprächsstoff sorgte Wagen Nummer zwölf, der praktisch an einem Tag gebaut wurde und die Ereignisse rund um das Fällen des aktuellen Kerwabaumes aufs Korn nahm. Denn fast wäre kein oder ein beschädigter Baum zum Marktplatz gebracht worden. Was war geschehen? Traditionell wird der Baum von einem in Waldarbeiten versierten früheren Kerwaburschen im Gemeindewald gefällt. Genau hier begann das Problem.

Bürgermeister Heinrich Thaler (CSU) erklärt, Kerwaburschen seien auf ihn zugekommen und hätten erklärt, im Gemeindewald fänden sich keine für die Kerwa geeigneten Bäume mehr. Sie seien in der Zwischenzeit zu stark. Er habe dann vorgeschlagen, den Baum im Rechtlerwald zu schlagen. Das habe dann wohl bei den Rechtlern für Unmut gesorgt. Zu allem gesellte sich ein Disput des Bürgermeisters und der Gemeinde mit dem angestammten Kerwabaum-Fäller. Da man bis Freitagnachmittag keinen Baum in Sicht hatte, habe er sich, der auch mit Waldarbeiten vertraut sei, mit einem ebensolchen Gemeinderat auf die Suche im Gemeindewald gemacht. Sie hatten Erfolg, bevor es dann noch dunkel wurde. Letztlich holte der traditionelle Kerwabaum-Fäller dann doch einen Baum aus dem Gemeindewald, der dann auch aufgestellt wurde.

Nach gefährlichen Zwischenfällen mit Kerwabäumen in anderen Gemeinden, so Thaler weiter, habe er generell Bedenken, wenn Kerwaburschen, die bei der Kerwa natürlich auch Alkohol konsumieren, sich am Baum zu schaffen machen. Das sei auch versicherungstechnisch eine heikle Sache. Nachbargemeinden hätten deswegen beispielsweise bereits reagiert. "Um diese Kirchweih nicht zu gefährden" habe er jedenfalls über die Problematik mit dem Baumfäller-Kerwasburschen hinweggesehen und den Baum mit aus dem Wald geschafft. Vor der Kerwa 2019 sollen offene Fragen geklärt sein.

Wie sehen die Kerwaburschen die Vorkommnisse? Vereinsvorstand David Weinbeer bestätigt, dass es immer schwieriger werde, im Gemeindewald geeignete Bäume zu finden. Was bekannt sei. Überraschend und erst kurz vor der Kerwa sei der Hinweis gekommen, dass der Stamm-Baumfäller, zudem einziges Ehrenmitglied des Vereins, den Baum nicht fällen solle. Wegen Dingen zwischen ihm und Gemeinderat und Bürgermeister. Stattdessen sollte dies ein in Waldarbeiten erfahrener Gemeinderat tun.


Gemeinschaftsgefühl

Eigentlich wollte man "wegen des Gemeinschaftsgefühls" mit zum Fällen. Eigentlich wollte man aber auch den beschäftigten Baum zum Marktplatz bringen und parallel einen unbeschädigten aus dem Privatwald des Ehrenmitglieds und "dann eine kleine Show" zu dieser Geschichte machen. Als man den beschädigten Baum aus dem Wald holen wollte, habe der Bürgermeister jedoch eingelenkt und erlaubt, dass das Ehrenmitglied doch den Kerwa-Baum fällen durfte. Aus der ganzen Angelegenheit habe der Verein nur einem Tag einen Themen-Wagen für den Umzug am Sonntag gemacht, der nicht nur für Heiterkeit sorgte, sondern auch Fragen aufwarf. "Der Kerwa-Wagen war ein Statement und Diskussionsanstoß."


Immer nüchtern

Weinbeer kritisiert, dass die Kirchweihburschen die Sache zwischen Gemeinderat/Bürgermeister zu einer Unzeit, also genau an der Kirchweih, ausbaden mussten. "Wir haben da wirklich schon genug zu tun." Am Rand merkt er an, der Baumfäller müsse immer nüchtern sein, ebenso die Helfer, die das Baumaufstellen koordinieren.


KOMMENTAR:

Menschen mit Leidenschaft

urgwindheimer erlebt der "Reingeschleifte" als einen engagierten , seiner Heimat fest verbundenen Menschschlag, der Traditionen hochhält und mit Herzblut pflegt. Und das praktisch von Kindesbeinen an.

Die Kerwa gehört dazu. Wochenlang bereitet die Dorfjugend das Event gemeinsam vor. Es werden Themen gesucht, zu Wägen geformt, kleine Darstellungen geprobt, das Festzelt aufgestellt, Bands verpflichtet und betreut, Werbung gemacht, Gäste bewirtet und so vieles mehr. Das Einholen, Schmücken und Aufstellen des Baumes ist ein wichtiges Element des Kerwa-Wochenendes und hätte dieses Mal fast für einen Eklat gesorgt. Weil letztlich alle daran Beteiligten irgendwie einlenkten und die Pflege der Tradition vor das Beharren auf der eigenen Position stellten, konnte dann doch wieder ein stattlicher Baum in die Höhe gehievt werden.

Nun, nachdem alle sich von den Strapazen der Kerwa erholt haben, sollte man den Konflikt ganz nüchtern gemeinsam analysieren und schon jetzt klären, was nötig ist, damit im kommenden Jahr wieder alles reibungslos läuft. Die Kerwa ist Herzensangelegenheit für alle, das sollte jeder auch dem anderen zugestehen und offen bleiben für Argumente.