Viel tut sich auf der Bahnstrecke zwischen Strullendorf und Schlüsselfeld nicht. Personenverkehr gibt es - abgesehen von der ein oder anderen Sonderfahrt - schon seit den Siebzigern nicht mehr. Doch so ganz ohne Kontrollblick sollten Autofahrer die Gleise nicht überqueren, denn im Schnitt einmal täglich zuckelt ein Güterzug nach Schlüsselfeld, beladen mit rund 400 Tonnen Walzdraht.

Einige Kilometer weiter wurde der Stadt Bamberg vor ein paar Jahren ein deutlich weniger überschaubares Aufkommen prognostiziert. Am Anfang der Diskussionen um den Bahnausbau war seitens der Bahn von einem starken allgemeinen Anstieg des Güterverkehrs auf der Schiene bis 2025 zu lesen. Der - verglichen mit Lkw - deutlich umweltfreundlicheren Transportmethode sollte die Zukunft gehören und deutlich mehr Züge auch durch Bamberg rollen. Doch was ist aus dieser Prognose geworden? Und welche Unternehmen rund um Bamberg nutzen diesen Transportweg?


Ein Zug am Tag

Der mit Walzdraht beladene Zug ist für die Schlüsselfelder Firma Wilhelm Schwarz Bewehrungstechnik bestimmt. Aus dem Draht werden Betonstahlmatten gefertigt. "Ein solcher Zug entspricht analog 16 Lkw", sagt Verkaufsleiter Christian Sturm. Damit gehört der Betrieb zu einer sehr überschaubaren Zahl von Unternehmen, die im Landkreis die Schiene nutzen. "Der Gleisanschluss war damals eine Voraussetzung für die Ansiedlung, als Wilhelm Schwarz die Firma 1965 gegründet hat. Er war kein Schlüsselfelder", erklärt Sturm, "aber es ist einfach ein ideales Produkt, um es mit der Bahn zu liefern."

Diese Tradition wolle man fortsetzen und gleichzeitig die Umwelt schonen: "Wir wollen zu 100 Prozent eine Belieferung per Bahn. Wenn wir neue Lieferanten aufnehmen, ist das ein ganz zentraler Punkt. Auf den Straßen ist schon genug los", sagt Sturm. Ausgeliefert werde per Lkw nur deshalb, weil die Kunden nicht über die nötigen Gleisanschlüsse verfügen.

Aus diesem Grund hat die Bamberger Mälzerei im Süden der Stadt in der Vergangenheit eher sporadisch auf ihren Gleisanschluss zurückgegriffen: "Grundsätzlich begrüßen wir das, weil man größere Mengen auf einmal bewegen kann", sagt Geschäftsführer Markus Burteisen. "Logistisch ist der Aufwand per Zug aber höher. Es gibt nicht mehr so viele Verladestationen, die man anfahren kann."


Schnelle Lieferung

Christian Sturm ist sich bewusst, dass ein Gleisanschluss ein Stück weit Luxus ist. Er sieht aber kaum Nachteile beim Transport per Schiene: "Die Geschwindigkeit ist in Deutschland kein Faktor. Wenn es gut läuft, dann kommt die Lieferung innerhalb von 24 Stunden." Die Ware kommt als Teil eines langen Güterzugs meist aus Brandenburg. Wenn es zeitlich passt, werden die Schlüsselfelder Waggons in Bamberg abgekoppelt und treten dann den letzten Teil ihrer Reise an. "Wenn nicht, dann fahren sie bis nach Nürnberg und am nächsten Tag wieder hoch", sagt Sturm.

Trotz der Vorteile hat der Güterverkehr auf der Schiene in den letzten Jahren bei Weitem nicht den Werdegang hingelegt, den die Bahn erwartet hatte. 364 Millionen Tonnen wurden 2016 bundesweit per Zug transportiert. Das sind vier Millionen weniger als im Vorjahr und zehn Millionen Tonnen weniger als 2011, als die Zahl schlagartig explodiert war. Zum Vergleich: Dem gegenüber stehen 3,5 Milliarden Tonnen, die 2016 auf den Straßen transportiert wurden.

Aktuelle Zahlen verkündete vor Kurzem auch der Bayernhafen Bamberg. 2017 wurden dort über Schiff und Zug 592 000 Tonnen Güter umgeschlagen, 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Schuld sei die lange Sperrung der Wasserstraßen im Winter gewesen. Aber: Der Anteil der Bahn (322 000 Tonnen) ist gegenüber 2016 um fast vier Prozent gestiegen.