Den Anfang machte Christian Lange (CSU), es folgten Mitte Juli Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg) und einen Monat später Amtsinhaber Andreas Starke (SPD), ehe auch Daniela Reinfelder (BuB) erklärte: "Ich will Bamberger Oberbürgermeisterin werden." Das Kandidatenkarussell drehte sich munter weiter, Claudia John (Freie Wähler) warf ihren Hut ebenso in den Ring wie Ursula Redler (Bamberger Allianz), Hans-Günter Brünker (Volt) und Fabian Dörner (Die Partei). Der neunte Kandidat wird aller Voraussicht nach Martin Pöhner (FDP) sein (hier stand bei Redaktionsschluss noch die Nominierungsversammlung aus). Keinen eigenen Bewerber ums Amt des Bamberger Oberbürgermeisters werden nach Recherchen unserer Zeitung der Bamberger Bürger-Block, die Alternative für Deutschland, die Bamberger Linke, die ÖDP, die Bayernpartei, die Partei Mut und die MLPD aufstellen.

Gleichung mit vielen Unbekannten

Wer wird nun am Ende das Rennen machen? Eine Frage, der wir uns fünf Monate vor dem Wahltermin nur behutsam annähern können. Bereits Ende Februar, als nur Lange als OB-Kandidat feststand, hatte das Wobla gemeinsam mit der Uni Bamberg eine (nach eigenen Angaben repräsentative) Umfrage zur Wahl in Auftrag gegeben. Damals hatten sich 43 Prozent der Befragten für Andreas Starke ausgesprochen, nur 19 Prozent für Christian Lange, drei Prozent für Martin Pöhner und ein Prozent für Ursula Redler. Allerdings geben diese Werte bestenfalls einen mittlerweile überholten Wasserstand wider. So wurde damals Ursula Sowa als Grünen-Kandidatin gelistet - die 28 Prozent der Befragten überzeugte. Von denen konnten sich wiederum nur drei Prozent überhaupt vorstellen, dass Jonas Glüsenkamp als OB kandidiert.

Von daher gibt es derzeit noch eine Gleichung mit sehr vielen Unbekannten. Zu denen zählt für viele Bamberger auch Glüsenkamp. Doch der gebürtige Niedersachse ist bereits seit 2016 im Grünen-Vorstand und kam bei der Landtagswahl 2018 im Stadtgebiet auf achtbare 2131 Zweitstimmen (bei Direktkandidatin Sowa waren es 10 133). Glüsenkamp konnte in den drei Monaten seit seiner Kandidatur bereits den einen oder anderen Akzent setzen. Nicht nur das Ergebnis der diesjährigen Europawahl untermauert zudem die starke Position, die die Grünen derzeit in Bamberg haben. Mit 28,4 Prozent lagen sie hier nur knapp hinter der CSU (30,3 Prozent) - zumindest im Rennen um die stärkste Stadtratsfraktion sind sie einer der Favoriten.

Engagiert und omnipräsent im Wahlkampf zeigt sich der CSU-Herausforderer Christian Lange bereits seit Februar. Bei der Bezirkswahl 2018 kam Lange im Bereich der Kreisfreien Stadt immerhin auf 6399 Stimmen - bei Starke waren es 8615. Bei dieser Wahl unterlag der OB allerdings nicht nur im Stimmkreis, sondern auch im Stadtgebiet seinem CSU-Rivalen Thomas Söder, dem Bürgermeister von Hallstadt. Bei der letzten Stadtratswahl 2014 erzielte Lange mit 10 392 Stimmen das drittbeste CSU-Ergebnis hinter Gerhard Seitz (10 516) und You Xie (10 621).

Andreas Starke wiederum setzte sich bei der OB-Wahl 2012 deutlich gegen Seitz und Wolfgang Grader durch: 14 289 Stimmen bedeuteten 54,88 Prozent - es kam damals nicht einmal zu einer Stichwahl. Seither hat sich freilich viel verändert, die Stadt ist um 8000 Menschen gewachsen und mit ihnen der Druck auf Wohnungsmarkt, Kindergärten und sonstige Infrastruktur. 2012 gab es noch kein Ankerzentrum, keinen Radentscheid, keine Diesel-Krise - und auch die Klimadebatte wurde weit weniger intensiv geführt. Dass die SPD bei den jüngsten Wahlen eher desaströse Ergebnisse erzielte (Europawahl-Ergebnis im Stadtgebiet: 9,6 Prozent), dürfte sich nur bedingt auf Starkes Werte auswirken. Denn Oberbürgermeisterwahlen sind vor allem Persönlichkeitswahlen, bei denen er immer wieder punkten konnte.

Von den übrigen Bewerbern dürfte wohl Daniela Reinfelder den meisten Wählern bekannt sein, 2014 konnte die BuB-Kandidatin 9351 Stimmen sammeln, ihre Gruppierung erreichte immerhin 7,13 Prozent. Die langjährige Stadträtin war 2013 im Streit aus der CSU ausgetreten und mit zwei BuB-Mitstreitern 2014 erneut in den Stadtrat gewählt worden. Die hatten ihre Fraktion in den vergangenen Jahren verlassen, die BuB wurde zur "One Woman Show". Reinfelder ist ebenso ein engagierter Wahlkampf zuzutrauen wie Ursula Redler, die 2014 das viertbeste Ergebnis der Freie-Wähler-Liste erzielen konnte (3295 Stimmen). Aus Freie-Wähler-Fraktion und Bamberger Realisten erwuchs 2016 die Bamberger Allianz, für die sich Redler nun ums OB-Amt bewirbt.

Wohl hohe Wahlbeteiligung

Die FDP-Fraktion mit ihrem designierten Kandidaten Martin Pöhner kommt in Bamberg regelmäßig auf Werte zwischen drei (Stadtratswahl 2014) und gut sechs Prozent (Landtagswahl 2018). Entsprechend wäre es auch in seinem Fall eine Überraschung, wenn er auch nur die Stichwahl erreichen würde. Die Freien Wähler treten wiederum mit Claudia John an - die kann auf keine Stadtratserfahrung verweisen, dafür hat ihre Gruppierung bei den Landtagswahlen gut abgeschnitten. Im Stadtgebiet gab es 2018 ein FW-Ergebnis von 6,2 Prozent, John sammelte davon 690 Zweitstimmen.

Während die anderen Bewerber direkt in den Wahlkampf einsteigen können, beginnt dieser für Volt und Die Partei mit dem Sammeln von jeweils 340 Unterstützer-Unterschriften, damit sie überhaupt bei der Kommunalwahl 2020 antreten dürfen. Hans-Günter Brünkers Volt-Partei hat bei der Europa-Wahl in Bamberg aus dem Stand ein Ergebnis von 1,3 Prozent erzielt, über engagierten Straßenwahlkampf will er auch die Unterschriften-Hürde nehmen. Und auch Fabian Dörner (Die Partei) wirbt bereits für seine Kandidatur - bei der Europawahl 2019 erreichte seine Partei immerhin 3,7 Prozent.

Zu den Unbekannten der OB-Wahl-Gleichung zählen auch die Wähler der nicht mit eigenen Kandidaten vertretenen Parteien. Wen wählen Unterstützer von AfD, Bamberger Linke oder Bamberger Bürgerblock? Die Wahlbeteiligung dürfte deutlich höher sein als bei den vorangegangenen Stadtratswahlen (2014: 44,39 Prozent; 2008: 48,24 Prozent) - allein weil OB- und Stadtratswahl wieder auf den gleichen Termin fallen.

Viel spricht für eine Stichwahl - in die am Ende nur die beiden stärksten Kandidaten gehen können. Die Favoriten dafür dürften Starke, Lange und Glüsenkamp sein. Aber auch Überraschungen können nicht ausgeschlossen werden - in einem OB-Wahlkampf, der so spannend und bunt werden kann wie wohl noch keiner zuvor.