Selbst bei einem langgedienten Kommunalpolitiker wie dem Scheßlitzer Bürgermeister Franz Zenk (CSU) könnte man den Begriff "Lebenswerk" strapazieren. Doch wer fast 30 Jahre an der Spitze der Stadt steht, sieht die Dinge realistischer. "Der Anschluss aller Stadtteile an eine Kläranlage ist nur eine von vielen Aufgaben".

Für die Stadt Scheßlitz allerdings war respektive ist der Ausbau des Kanal- und Wasserleitungsnetzes dennoch eine immense Herausforderung. Immerhin ist die Stadt mit ihren knapp 95 Quadratkilometern die nach Fläche viertgrößte Kommune in Oberfranken, noch dazu in den Außenbereichen dünn besiedelt. Da geht der Leitungsbau ins Geld. Aber jetzt ist ein Ende absehbar.

"Voraussichtlich bis 2016 werden alle zur Stadt Scheßlitz gehörigen Orte über eine ordnungsgemäße Abwasser-Reinigung verfügen", sagt Franz Zenk. Dass er damit sein großes Ziel, noch in seiner Amtszeit zu einem Abschluss zu kommen, knapp verfehlt hat, ist für ihn kein Problem. Denn unter dem Strich besteht die Bilanz nicht nur aus den Leitungen. "Um die Verschuldung der Stadt nicht ins Uferlose wachsen zu lassen, konnten wir den Ausbau nur Zug um Zug angehen".


34 Bauabschnitte

Außerdem waren da natürlich auch noch andere Aufgaben: die Schulen, die Dorferneuerungen, die Ausweisung von Bau- und Gewerbeland, die Stadtsanierung und vieles andere mehr. Heute hat man einen vernünftigen Mittelweg gefunden: Die Schulden liegen in erträglichem Rahmen und die Kanalisation steht vor dem Abschluss. Von insgesamt 34 (!) Bauabschnitten sind 27 abgeschlossen, zwei weitere - Ehrl und Stübig - derzeit im Bau und für die restlichen fünf ist eine Förderung in Aussicht gestellt.

Gleich nach seinem Amtsantritt im Jahr 1984 haben Franz Zenk und der Stadtrat mit dem Ausbau begonnen. Bereits 1965 war in Scheßlitz eine Kläranlage gebaut und die Kernstadt angeschlossen worden. Dann kam bekanntlich die Gemeindegebietsreform des Jahres 1978, die der Stadt Scheßlitz stolze Gebietszuwächse bescherte.

Aber nur in Giech gab es - für Straß- und Wiesengiech - eine Kläranlage, für alle anderen der nun insgesamt 30 "Stadtteile" existierten kaum ernsthafte Überlegungen geschweige denn Konzepte. Also machte man sich ans Werk und heute, 28 Jahre danach, sieht die Bilanz so aus, dass man überschlägig in jedem Jahr einen Bauabschnitt realisieren konnte. Insgesamt etwa 26 Millionen Euro wurden, so Franz Zenk, damit "versteckt".

Etwa 60 Prozent davon hat die Stadt an Zuschüssen vom Freistaat Bayern erhalten, der Rest wird auf die Haus- und Grundbesitzer umgelegt.Wie viele Kilometer Leitungen dafür entstanden, lässt sich nur schätzen, denn neben den Verbindungsleitungen (siehe Grafik) waren natürlich auch die Ortskanäle zu schaffen.

Aber nicht nur Leitungen wurden gelegt, meist zur Kläranlage in Scheßlitz. Lediglich die Orte des Pünzenbach-Tales sowie Starkenschwind wurden an die Giecher Anlage angeschlossen, für den topografisch ungünstig gelegenen Stadtteil Neudorf genehmigte der Stadtrat eine eigene Kleinkläranlage. Und zweimal war zudem die zentrale Anlage in Scheßlitz einer neuen Entwicklung anzupassen.

Zum einen: Mit dem Fall der innerdeutschen Grenze 1990 erhielt der Scheßlitzer Milchhof mehr und mehr Zulieferungen aus den neuen Bundesländern. Das erhöhte die Produktion und damit natürlich die Abwassermenge, die von der städtischen Kläranlage schließlich nicht mehr abgebaut werden konnte. Der Milchhof baute daraufhin eine werkseigene Kläranlage, die heute getrennt von der städtischen betrieben wird. "Damit haben wir Rechtssicherheit , vor allem hinsichtlich der unterschiedlichen Klärprozesse", sagt Franz Zenk heute.

Aber auch die eigene Anlage war zu Beginn des neuen Jahrtausends in die Jahre gekommen. Neue Vorschriften bezüglich der Abwasserwerte hätten eigentlich den Bau einer neuen Kläranlage erforderlich gemacht, doch die Stadt Scheßlitz hatte eine bessere Idee: Für knapp das halbe Geld wurde mit dem Konzept einer baden-württembergischen Firma die eigene Anlage saniert und erfüllt bis heute problemlos die Erwartungen.

Millionen von Euro mussten nicht auf die Anschlussnehmer umgelegt werden. Wie immer war auch dabei das Wasserwirtschaftsamt ein zuverlässiger Partner, bedankt sich Franz Zenk.


Heuer 3,6 Millionen

Für den Anschluss von Ehrl und Stübig gibt die Stadt Scheßlitz heuer 3,6 Millionen Euro aus. Dass dieses Geld gut angelegt ist, zeigt sich für Franz Zenk an verschiedenen Beispielen. So ist schon jetzt, obgleich im Oberlauf des Ellernbaches noch nicht alle Orte an die zentrale Kläranlage angeschlossen sind, die Wasserqualität des Leitenbaches an seinem Abfluss aus dem Stadtgebiet bei Wiesengiech genau so gut, wie sie an der Quelle oberhalb von Rossdach ist.

"Wir halten hier durchgehend die Stufe 2, mehr ist bei einem Karstgebiet einfach nicht drin", sagt Franz Zenk. Die Wasserqualität wird an einer fünfstufigen Skala gemessen, eins ist der Spitzenwert. Und: Mit dem Bau der Neudorfer Kläranlage 2002 sei eine messbare Verbesserung der Grundwasser-Qualität in in den unterhalb gelegenen Orten Pünzendorf und Peulendorf einher gegangen.

A propos Wasser: Der Ausbau des Kanalnetzes brachte auch einen schönen Nebeneffekt für das Wasserleitungsnetz. Denn mit den meisten Kanalrohren verlegte die Stadt Scheßlitz auch neue Wasserleitungen. Das Ergebnis: "99,7 Prozent der Scheßlitzer Bürger haben damit eine neue Wasserleitung, da fehlt nur Weingarten", sagt Franz Zenk. Und der Anteil der an die Kläranlage angeschlossenen liegt mittlerweile auch schon bei rund 88 Prozent.


Neue Aufgaben kommen

Was aber macht die Stadt, wenn man mit Wasserleitung und Kanalisation fertig ist? "Dann werden die künftig Verantwortlichen gewiss neue Aufgaben erhalten, sei es mit der Altstadt-Sanierung oder der Weiterentwicklung der Schulen."

Manches andere werde man sich aber auch in Zukunft nicht leisten können- ein Hallenbad zum Beispiel oder ein eigenes Museum. "Da wären die Risiken einfach zu groß".