Immer mehr Schüler strömen in die Mensa des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums (KHG). Zusammengekommen ist man diesmal nicht etwa , um sich gemeinsam die Bäuche vollzuschlagen, sondern um der offiziellen Ernennung zur "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" (SOR-SMC) beizuwohnen.

"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ist eine europäische Jugendinitiative, die 1988 in Belgien von Schülern ins Leben gerufen wurde. Seit 1995 gibt es das Projekt bereits in Deutschland. Seitdem wurde ein Netzwerk von über 1600 Schulen in Deutschland aufgebaut.

Kriterium muss erfüllt werden

Das Projekt soll Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Mobbing und Gewalt wenden.

Theoretisch kann jede Schule zur "SOR-SMC" ernannt werden. Zunächst muss allerdings ein wichtiges Kriterium erfüllt werden: 70 Prozent aller Menschen, die in der Schule lernen und arbeiten, müssen sich mit einer Unterschrift verpflichten, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung aktiv einzusetzen. Im KHG unterschrieben sogar mehr als 80 Prozent der Schüler- und Lehrerschaft. Außerdem muss nun jährlich ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchgeführt werden, um langfristig gegen jegliche Formen von Rassismus, Mobbing und Diskriminierung vorzugehen.

Vor etwa einem Jahr hat sich im KHG ein Organisationsteam gebildet, um eine Ernennung zur "SOR-SMC" anzustreben . Dieses Schülerteam hat sich wöchentlich getroffen und hat geplant und diskutiert. Schnell war klar welches Ziel man sich setzen sollte: Sich jeglicher Art von Diskriminierung entgegensetzen und möglichst bald die formellen Kriterien erfüllen.

Als Patin für das Projekt wurde die ehemalige Schülerin Tanja Kinkel ausgewählt, die heute Buchautorin ist. Sie hat bis heute einen direkten Bezug zur Schule. In ihrer kurzen Ansprache stellte sie sich und den Schülern die Frage, wann Rassismus bereits beginnt. Sie kam außerdem auf die aktuelle Problematik der Unterbringung von Flüchtlingen zu sprechen und betonte, dass man "diese Menschen nicht ausschließen, sondern bewundern" sollte "wenn man bedenkt, was für einen harten Weg sie hinter sich haben und welches Leid sie bereits erleben mussten."

Kein Preis, sondern Auftrag

Die offizielle Übergabe des Banners erfolgte durch Juliane Sack von der Landeskoordination Bayern von "SOR-SMC". Sie betonte noch einmal, was auch das Organisationsteam bereits erkannt hatte: "Die Vergabe des Titels ist auf keinen Fall als Auszeichnung zu sehen, sondern als ein Ansporn um in der Zukunft die eigene Schule noch toleranter zu gestalten."

Das KHG ist bereits die 43. Schule in Oberfranken, die zur SOR-SMC ernannt wurde. Das bayerische Netzwerk besteht mittlerweile aus 270 Bildungseinrichtungen.