Auch vier Wochen nach der Abstimmungsniederlage der CSU und von Norbert Tscherner im Stadtrat beschäftigt die Zukunft der Jugendherberge viele Bamberger: "Man könnte den Eindruck gewinnen, Alternativen sind nicht gewünscht, da man so elegant um die Renovierung der Jugendherberge herumkommt", hadert Elmar Brückner mit der Entscheidung der Stadtgewaltigen.

Der Grund für die Kritik: Viele Freunde der "Wolfsschlucht" fürchten, dass das beliebte Gästehaus am Fluss zum Sterben verurteilt ist, sollte seine Nutzung erst einmal für drei Jahre aufgegeben worden sein. Auch alternative Unterbringungsmöglichkeiten werden deshalb von Interessierten in die Runde gegeben. Um Ideen zu sammeln und die Debatte am Laufen zu halten. So will ein gut informierter Bürger wissen, dass es im Missionshaus St. Heinrich der Comboni-Missionare noch Platz für Menschen in Not gäbe. "Das Dachgeschoss ist sogar schon als Gästeetage ausgebaut", stellt der Mann im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Er findet es seltsam, dass ausgerechnet die Kirchen in Bamberg in diesem Punkt "so schweigsam" sind.

Können die kirchlichen Institutionen Bambergs mit ihrem bekanntermaßen reichen Immobilieninventar der Stadt aus einer Zwangslage helfen? Als erste Gruppe hat die Bamberger CSU-Fraktion die Hoffnung genährt, dass aus dieser Richtung ein Beitrag zur Rettung der "Wolfsschlucht" kommen könnte. Ganz aussichtslos scheint es nicht. Klaus Gallenz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CSU, stützt sich in seinem Optimismus auf ein Treffen der Dekane der zwei großen Kirchen mit ihren Pfarrern, das am 22. Januar stattfinden soll.

In der Zusammenkunft soll geklärt werden, ob die Kirche etwas tun kann, um der Stadt aus der Patsche zu helfen. Der neue katholische Dekan Günter Höfer gibt keine Erfolgsgarantie, winkt aber auch nicht ab: "Als Kirche sehen wir uns in der Verantwortung, nachzusehen, ob wir der Stadt etwas anbieten können. Das können allerdings nicht die Dekane, sondern nur die Pfarrer beurteilen."


Bettenhaus am Kaulberg eine Lösung?
Einen Stein hat noch vor Weihnachten die fraktionslose CSU-Stadträtin Daniela Reinfelder ins Wasser geworfen: Sie teilte unserer Zeitung mit, dass die Stadtbau GmbH erst in jüngster Zeit das Bettenhaus der Karmeliten am Kaulberg in Augenschein genommen habe, um seine Eignung für Studentenwohnungen zu erkunden. Das Ergebnis sei eine Nachforschung wert, findet Reinfelder: "Hier stehen 40 bis 50 Einzel- und Doppelzimmer leer, die für die Nutzung geeignet scheinen."

Eine solche Vakanz mitten in Bamberg? In einer Zeit, in der händeringend nach Wohnungen gesucht wird? Eine Nachfrage bei den Karmeliten bestätigt, dass dem tatsächlich so ist. Der Orden befindet sich auf der Suche nach einer neuen Nutzung seines Bettenhauses und könnte sich laut Frater Günter Benker auch eine Verwendung als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber vorstellen.

Doch auch bei den Karmeliten gibt es einen Haken: Die vor Jahren erfolgte Sanierung der Unterkunft war mit staatlichen Geldern bezuschusst worden, die an die Nutzung für Seminaristen geknüpft sind, die im Theresianum lernen. Heute gibt es diesen Bedarf nicht mehr, das denkmalgeschützte Haus steht leer. Dennoch fürchtet Benker, dass es bei einer Umnutzung für Asylbewerber dazu kommen könnte, dass sein Orden Gelder zurückzahlen muss: "Dies wollen wir vermeiden."

Doch als Absage ist dies nicht zu verstehen. Benker würde es begrüßen, fände die Stadt einen Weg, die bürokratischen Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die eine Umnutzung vereiteln. Was dafür spricht, es zu versuchen: Die Unterbringung von Asylbewerbern würde einen gesellschaftlichen Notstand lindern, ohne ein Jugendgästehaus zu gefährden.

Sie wäre temporär und würde in dieser Zeit sogar sparen helfen: Denn natürlich kostet auch Leerstand Geld. Ob ein solcher Weg möglich ist, vermag im Moment freilich niemand zu sagen. Auch die Regierung von Oberfranken war dazu ad hoc überfragt. Sie müsste den Fall erst genau unter die Lupe nehmen, ließ uns Sprecher Uwe Zeuschel wissen.


Weniger Asylbewerber als erwartet
In der Zwischenzeit scheint der Zustrom der Flüchtlinge nach Bamberg erst einmal abgeflaut zu sein. In der Jugendherberge leben nach Auskunft der Stadt derzeit zwölf Asylbewerber, darunter zwei Familien aus Russland und vier allein stehende Männer aus Georgien, Äthiopien und aus dem Iran. Noch Ende November hatte es geheißen, dass jede Woche vier zusätzliche Personen nach Bamberg kommen sollen. Grund für die Differenz: Derzeit gibt es offenbar wieder freie Unterkunftsplätze in anderen oberfränkischen Gemeinschaftsunterkünften: "Erst wenn hier auch die Kapazitäten erschöpft sind, erfolgt eine dezentrale Zuweisung an die Landkreise und Städte", ließ die Regierung verlauten.

So oder so wird das Thema den Bambergern wohl auch im Frühling erhalten bleiben. Bürger-Block-Stadtrat Norbert Tscherner, der zuletzt die Stadt aufgefordert hatte, mit den Amerikanern und der Bundesrepublik wegen der temporären Überlassung eines Kasernengebäudes zu verhandeln, lässt sich von seiner Niederlage im Stadtrat nicht entmutigen. Notfalls werde er ein Bürgerbegehren anzetteln, um die Jugendherberge zu erhalten, kündigt er an. Dass der 2008 mit den meisten Stimmen gewählte Stadtrat Unterschriften sammeln kann, hat er bei einem anderen heißen Eisen bewiesen. 1998 kam es auf seine Initiative zur Abstimmung über das umstrittene Thema Bergverbindung.