Vor 20 Jahren richtete sich die Stadt Bamberg an Emil Hartmann, den Leiter des Canisiusheimes der Salesianer Don Boscos, mit der Bitte, eine Schule für Kinder mit sozialem und emotionalem Förderbedarf in Bamberg zu eröffnen. So sollten die Kinder weiterhin bei ihren Eltern wohnen bleiben können und durch die Fachkräfte eine auf ihre Bedürfnisse gerichtete Erziehung erhalten.

Die so entstandene Bartolomeo-Garelli-Schule feiert heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Im Interview erzählen Rektorin Gabriele Dengler-Schaible und ihre Stellvertreterin Barbara Eichinger von der Arbeit ihrer Schule.

An der Bartolomeo-Garelli-Schule (BGS) werden Kinder mit emotionalem und sozialem Förderbedarf unterrichtet. Wie gehen Sie auf die Bedürfnisse der Schüler ein?

Gabriele Dengler-Schaible: Die Schüler werden uns im Normalfall von anderen Schulen gemeldet. Dort hatten sie im Unterricht Misserfolge oder auch Probleme mit Lehrern und anderen Kindern. Wenn unserem Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) eine solche Anfrage vorliegt, ist es unsere Aufgabe, das soziale und emotionale Verhalten des Kindes in einem Gutachten zu erfassen und eine Empfehlung zum geeigneten Förderort auszusprechen. Nichts geschieht aber ohne das Einverständnis der Eltern.

Barbara Eichinger: Dadurch, dass wir mit sieben bis neun Kindern pro Klasse sehr kleine Klassenstärken haben, können unsere Lehrer immer schnell auf die Bedürfnisse eines Kindes reagieren. Wir unterstützen die Schüler im Vorfeld, um Misserfolgen vorzubeugen und bieten Hilfestellung an, wenn doch Frustration und Wut auftauchen.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Schule von anderen?

Dengler-Schaible: Neben der reduzierten Klassengröße gestalten sich bei uns auch die Unterrichtsstunden und der Ablauf anders.

Damit die Schüler ein Gefühl für die eigenen Bedürfnisse und die der anderen entwickeln können, nimmt das Gespräch darüber in unserem Schulalltag einen großen Raum ein.

Eichinger: Die individuellen Stärken eines Kindes herauszukristallisieren ist ebenso wichtig wie seine Schwächen auszugleichen. Viele unserer Schüler müssen mit schwierigen Lebensumständen zurechtkommen, die andere Kinder und Jugendliche gar nicht bewältigen müssen. Wir versuchen ihnen dabei zu helfen, wieder Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.

Die BGS ist Teil des Don-Bosco-Jugendwerks Bamberg. Wie schlägt sich das in Ihrer Schulphilosophie nieder?
Eichinger: Wir sehen uns nicht nur als Lehrer sondern auch als Begleiter der Kinder. Wir sind Teil ihres Lebens und geben ihnen das Gefühl, gerne mit ihnen zu arbeiten. Die Pädagogik Don Boscos besagt, dass jeder Mensch etwas Besonderes in sich trägt. Es ist an uns, das Besondere in den Kindern zu entdecken und zu fördern.

Dengler-Schaible: Wir merken, dass sich unsere Grundhaltung auf die Kinder überträgt. Oft sagen sie uns, wie gerne sie in die Schule gehen. Im Kollegium herrscht ein sehr großer Zusammenhalt. Einzelkämpfer gibt es bei uns nicht.

Die Arbeit kann für die verantwortliche Lehrkraft sehr belastend sein. Aufmerksam zu sein und sich in schwierigen Situationen gegenseitig zu unterstützen, ist da absolut notwendig.

Die BGS feiert am 8. Juni 20-jähriges Bestehen. Wie werden Sie das Jubiläum begehen?

Dengler-Schaible: Im Zuge des Jubiläums laden wir am 8. Juni auf den Schulhof ein. Jeder, der sich für die Arbeit unserer Schule interessiert, ist herzlich eingeladen. Wir wollen an diesem Tag unsere Schule vorstellen. Schüler werden eine Führung durchs Schulhaus anbieten. Bei Häppchen und Getränken wollen wir dann mit unseren Gästen ins Gespräch kommen.

Auch die Zukunft der Schule Zukunft soll Thema sein. Seit vielen Jahren ist der Träger auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Geplant ist ein Neubau auf dem Maiselgelände. Da aber noch Uneinigkeit darüber besteht, wer welchen Anteil der Kosten übernimmt, stehen endgültige Entscheidungen noch aus.

Klar ist, wir müssen nach dem kommenden Schuljahr aus dem jetzigen Gebäude ausziehen und sind auf der Suche nach einer Zwischenlösung. Nur mit angemessenen Räumlichkeiten lässt sich pädagogische Arbeit auf hohem Niveau betreiben. Deshalb steht unsere Jubiläumsfeier auch unter dem Motto "wir sind es wert", denn so wie es jedes Kind wert ist, gefördert zu werden, so ist es unsere Schule wert, ein schönes großes Schulhaus zu bekommen.

Die Fragen stellte Antonia Wild

Am 8. Juni feiert die Bartolomeo-Garelli-Schule ihr 20-jähriges Bestehen. Dazu sind alle Interessierten in die Hornthalstraße 35 um 10 Uhr eingeladen