1364 Jahre Hallstadt lassen sich urkundlich nachweisen. Mindestens. Denn 2004 wurde das Jubiläum 1350 Jahre Hallstadt gefeiert. Als logische Konsequenz der 1300-Jahr-Feier von 1954. Dabei geht die erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 742 zurück. Verwirrend? In der Tat. Wie Hallstadts unendliche Geschichte mit der Ortschronik: Vor nunmehr bald 25 Jahren hat der Stadtrat die Erstellung beschlossen.

Bürgermeister Karl Popp (CSU) war es jedoch ebensowenig vergönnt, sie in Empfang zu nehmen wie seinen Amtsnachfolgern Erwin Braun und Markus Zirkel (beide SPD) sowie bis jetzt Thomas Söder (CSU) nach zwei Dritteln seiner aktuellen Amtszeit.

Etliches entstanden

Dabei war es Söders Vater Hans, der seinerzeit den Impuls gegeben und auch jahrelang immer wieder nachgehakt hatte. Viel Wasser ist den Main hinabgeflossen und etliches in dem Ort entstanden, in dem Karl der Große Hof gehalten haben soll: darunter die Brose-Ansiedlung, der Bau einer Senioreneinrichtung, des Bürgerhauses, die zweimalige Renovierung des Rathauses, die Generalsanierung der Schule, der Bau eines Kinderhortes und mehrerer Kindergärten und -Krippen, Einkaufszentren, ja sogar eine Marktscheune und ein Park im Herzen der Stadt wurden in über zweieinhalb Jahrzehnten realisiert. Nicht aber die Chronik. Wie es scheint, wird dieses Werk weiter auf sich warten lassen.

Was war geschehen? Zunächst ein Auswahlverfahren für das sich die Volkskundlerin und heutige Stadträtin Claudia Büttner (BB) beworben hatte. Sie und ein zweiter Kandidat machten das Rennen und sollten das Werk gemeinsam erstellen. Man hatte damals schon falsche Vorstellungen und glaubte, die Chronik würde in einem Jahr auf dem Tisch liegen, gibt Büttner wieder. Sie und ihr Chronik-Partner hatten eine Struktur erarbeitet und ein Inhaltsverzeichnis erstellt, die Themen aufgeteilt. Und dann warf der Partner hin. Für einen allein war das Pensum zu groß, sagt Claudia Büttner. Es dauerte, bis wieder ein zweiter Chronjst gefunden war. Immer wieder ruhte das Vorhaben, dümpelte vor sich hin. Claudia Büttner hatte zwar ihren Beitrag erstellt und abgegeben, der neue Partner einen umfangreichen Aufsatz. Alles zusammen noch keine Chronik.

Andere Machart

Inzwischen werden solche Ortsbücher anders gemacht, von größeren Teams, anschaulicher, volksnaher, bilderbuchähnlicher, erklärt Claudia Büttner. Das heißt, auch ihr Beitrag müsste mittlerweile überarbeitet, gestrafft und um die jüngste Geschichte ergänzt werden.

Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer weiß um die Problematik: "Ortschroniken waren früher meist 'Lebenswerke' von Heimatforschern, Lehrern und ähnlichen." Somit entstanden sie über Jahrzehnte und enthielten detaillierte Forschungen zu allen Themen wie Geschichte, Geologie, Archäologie, Kirche. Es ging darum möglichst viele Archivalien zum Ort zu publizieren. Ergebnis waren dicke Wälzer, die meist im Regal standen und selten wirklich gelesen wurden. In den letzten Jahren sei verstärkt die Tendenz zur Teamarbeit zu erkennen. Verschiedene Autoren arbeiten an den Themen, über die sie Bescheid wissen (Beispiele Buttenheim, Bischberg, Breitengüßbach). Die Texte sollten wissenschaftlich fundiert, aber für die Bevölkerung lesbar sein, es geht darum, Geschichte verständlich machen.

Man muss es eigentlich ganz neu angehen, findet denn auch Hallstadts amtierender Bürgermeister Thomas Söder. Der ist zunächst freilich mit weitaus profaneren städtebaulichen Maßnahmen befasst, will aber auch in diesem wichtigen Thema weiterkommen. Nach den Erfahrungen der letzten fast 25 Jahre ist er aber auch vorsichtig in seinen zeitlichen Prognosen geworden. In seiner bis 2020 dauernden ersten Amtszeit werde das Werk vermutlich nicht vorliegen. Da der Stadtrat bislang immer hinter der Chronik gestanden hatte, ist Söder zuversichtlich, dass dies auch künftig der Fall und die Bedeutung der Chronik unstrittig sein wird. "Geschichte ist manchmal sehr schwierig", steht indes auch für Söder außer Frage.

Das kann Adelheid Waschka vermutlich nur unterstreichen. Die Hallstadter Kunsthistorikerin und Archivarin hat verschiedene Werke zu Hallstadts Geschichte veröffentlicht, zuletzt die Chronik von Gerach erstellt und zuvor die von Reckendorf; 1224 bzw. 700 Seiten in zwölf respektive fünf Jahren. Das habe den Vorteil, dass alles aus einem Guss ist, den Nachteil der Dauer.

Mit Claudia Büttner ist sie sich einig, dass es nicht viele Autoren gibt, die so ein Werk schreiben können und die meisten sind bereits mehrfach ausgebucht. Einig sind sich die Fachfrauen aber auch darin, dass es Zeit wird, dass auch Hallstadt seine Chronik bekommt. "Dass man gar nichts in der Hand hat, ist ungut", stellt Claudia Büttner fest. Adelheid Waschka wiederum würde gerne ihrer Verwandtschaft in Amerika "etwas zu Hallstadt in die Hand drücken".

Kommentar:

Bitte nicht noch mal 25 Jahre!

Kein Schaden ohne Nutzen. Das war ein Sprichwort, das Karl Popp, der Bürgermeister, unter dem der Chronik-Auftrag erteilt worden war, gern bemühte.

Vielleicht gereicht es Hallstadt dereinst ja zum Vorteil, wenn die Stadtchronik, oder als was auch immer das finale Werk daherkommen wird, es in hochmoderner, attraktiver und somit nutzerfreundlicher Form tut.

Außer ein paar Jahren, bei weit über 1350 Jahren sollte es auf diese Jahrzehnte nun auch nicht mehr ankommen, ist noch nichts verloren. Vielleicht gereicht es zum Vorteil, dass die Verfasser nun auch die rasante und prägnante Entwicklung der jüngsten Vergangenheit mit einbeziehen und dazu auch noch Zeitzeugen befragen können.

Nur eines wäre schön - wenn das Ganze keine weiteren 25 Jahre mehr dauern würde. Denn sonst könnte ich das Vorhaben zumindest nicht mehr im aktiven Journalistendasein zu Ende bringen, sprich über die Vollendung des Opus berichten.