Ein Schelm, der Böses denkt. Aber der zu Lebzeiten durchaus widerständige Jurist, Dichter, Zeichner, Theaterdirektor, Musiker und Komponist E.T.A. Hoffmann hätte ein Vergnügen gehabt an diesem Abend in seinem ehemaligen Wohnhaus an der Schillerstraße 26 in Bamberg. Da stellten nämlich Christina Schmitz und Angela Oehler von der Staatsbibliothek zu Berlin der hiesigen E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft und interessiertem Publikum das neue Internetportal des bis heute verzaubernden und auch irritierenden Romantikers vor.
Und natürlich: Es ließ sich in Hoffmanns vormaligem Wohnhaus zu Bamberg die neue Web-Adresse des Dichters mit dem Kater-Alter-Ego unter www.etahoffmann.net gleich einmal nicht aufrufen. Ein eilig eingerichteter Hotspot wollte es auch nicht richten und so forderten Schmitz und Oehler eingangs ihrer Präsentation ein wenig die Phantasie der hochgespannten Gäste - auch das wohl ganz im Sinne des zuzeiten immer wieder einmal an der "Einpersonalität" des Menschen leidenden Hoffmann. In seinen literarischen Figuren hat er ja die denkbar unterschiedlichsten Facetten der abenteuerlichsten Charaktere durchgespielt und in seinen künstlerischen Schöpfungen lebte er seine vielfachen Begabungen so genial aus, dass sein Werk bis auf den Tag fesselt und fasziniert.
Dieser künstlerischen Universalität bei gleichzeitig schier unauslotbarer Tiefe trägt das neue Portal Rechnung. Es ist ein intelligent konzipiertes und übersichtlich klar strukturiertes Angebot für Forschung, Lehre und Bildung, wie die Direktorin der Bamberger Staatsbibliothek, Bettina Wagner, nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft, Bernhard Schemmel, betonte. Aus Berlin waren Angela Oehler und Christina Schmitz angereist, um das von ihnen federführend erstellte E.T.A.-Hoffmann-Portal mit seinen exzellenten Möglichkeiten für Forschung, Lehre, Unterricht und privaten Kunstgenuss vorzustellen.


Beispielgebende Kooperation

Wie so oft stand auch am Anfang dieses Projektes, das in einer beispielgebenden Kooperation der Staatsbibliotheken Berlins und Bambergs und der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft gelungen ist, so Christina Schmitz in ihrem Vortrag, eine "Ermöglicherin". Eine testamentarische Stiftung von Christa Karoli ließ zunächst das E.T.A-Hoffmann-Archiv an der Berliner Staatsbibliothek real und virtuell möglich werden. Daraus erwuchs dann das Portal www.etahoffmann.net, das nun in Bamberg erstmals offiziell der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Karoli hatte in den 1960er Jahren an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität im Fach Deutsche Literaturwissenschaften promoviert. Und der Titel ihrer Dissertation "Ideal und Krise enthusiastischen Künstlertums in der deutschen Romantik" mochte da schon andeuten, dass es mit E.T.A. Hoffmann und den Romantikern um sie geschehen war. Der neue Web-Auftritt Hoffmanns lässt ihr da vielleicht bald viele nachfolgen.