Was hat der Klosterwald bei Ebrach mit dem 30 Kilometer entfernten Hauptsmoorwald zu tun? Ein mögliches Weltnaturerbe der eine, ein geliebtes Naherholungsgebiet der andere? Die östlich von Bamberg häufig zu findenden Kiefern lösen ähnliche Emotionen aus wie seit vielen Jahren die dicken Buchen im Steigerwald. Es geht um die Liebe zur Natur und darum, wie das grüne Herz Frankens erhalten bleibt.

Von den Freunden eines Nationalparks im Nordsteigerwald wird das Eintreten des Bamberger Oberbürgermeisters Andreas Starke (SPD) für ein Schutzgebiet bei Ebrach euphorisch begrüßt. Der Verein, dessen derzeitiger Vorsitzender Adolf Hümmer in Bamberg lebt, kämpft seit Jahren für ein Weltnaturerbe und einen möglichen Nationalpark im Steigerwald. Nun nutzt die Bewegung die Unterstützung aus dem Rathaus, um ihr Anliegen mit neuer Kreativität zu verfolgen: Von Helmut Müller (CSU) bis zum Kabarettisten Mäc Härder haben Hümmer und Co. bereits etliche prominente Baumpaten motivieren können, dem nach der Landtagswahl befürchteten Kahlschlag im Klosterwald mit ihrem Gesicht und Videos auf auf Youtubeentgegenzutreten. Am Samstag, 9. Juni , soll zudem das erste "große Nationalparkfest" auf den Maxplatz in Bamberg steigen. Reden, Podiumsdiskussion und Jazz für Frankens dicke Buchen.



Doch auch harte Argumente machen die Runde: "Die Verbindung des Weltkulturerbes Bamberg mit einem Weltnaturerbe Steigerwald hätte großes Potenzial für sanften Tourismus. Wir halten es für ein wichtiges Ziel, einen Teil des Steigerwaldes aus der aktiven Bewirtschaftung zu nehmen und unter Schutz zu stellen", erklären Vertreter der Bamberger FDP in Stadt und Landkreis im Schulterschluss.
Auf Distanz zum eigenen Fraktionsvorsitzenden geht CSU-Kreisvorsitzender Christian Lange: In "Ergänzung" zu Müllers Aussagen stellt Lange klar, dass die CSU-Fraktion der Stadt keine Resolution zu Gunsten eines Weltnaturerbes im Steigerwald mittragen werde. Unabhängig wie man zu der Frage persönlich stehe, werde die Stadt-CSU sich nicht in die Angelegenheiten des Kreises einmischen.


Was sagt der Landrat?

Auch Landrat Johann Kalb (CSU) äußert sich: "Der Stadtrat kann alle Wälder in Deutschland besuchen", sagt der Landkreischef zu der ungewöhnlichen Exkursion. Allerdings wolle er an den Plänen festhalten, die er zusammen mit den anderen Landräten im Steigerwald vorantreibe: Der Steigerwald solle in einem ersten Schritt europäisches Naturerbe werden. Ein deutlich anspruchsvolleres Ziel sei es, zu versuchen über das Zisterziensererbe oder ein Biosphärenreservat auch ein Welterbesiegel zu ergattern.

Auch Kalb hält den Wald für "einen Ansatzpunkt", stellt aber im Gegensatz zu den Naturschützern das Trittsteinkonzept der Staatsforsten nicht in Frage. Der Forderung von Stadt und Naturschützern nach einem Einschlagstopp der Stadt mag er sich deshalb nicht anschließen: "Wir möchten nicht über die Köpfe der Bevölkerung vor Ort entscheiden."
Noch einen weiteren Seitenhieb an die Adresse der Stadt kann sich der Landrat nicht verkneifen: Er wisse nicht, ob es all zu logisch sei, Ausgleichsflächen für einen Gewerbepark in Stadtlauringen zu suchen und ein Schutzgebiet im Landkreis zu fordern, wenn man gleichzeitig "einen halben Wald in Bamberg abholzen will".

Dieser vermeintliche oder echte Widerspruch, den OB Andreas Starke bereits als "Vergleich von Äpfeln und Birnen" bezeichnet hatte, beschäftigt auch die Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald". "Der Einsatz für den Steigerwald ist mehr als berechtigt und natürlich ist es da nur gut, wenn auch die Stadt Bamberg die Forderung nach mehr Naturschutz und ein Weltnaturerbe unterstützt. Man muss sich aber schon fragen, weshalb OB Starke und weite Teile des Stadtrats diese Weitsicht nicht auch in der Stadt zeigen, sagt Björn Scharf. Die Bürgerinitiative sehe darin ein durchsichtiges Manöver, "um sich ein Naturschutzmäntelchen umzulegen und von den eigenen Plänen zur "massiven Naturzerstörung" am Stadtrand abzulenken.

Erstmals scheint im Bamberger Rathaus die Mehrheit für die großflächige Abholzung im Bamberger Ostens etwas zu bröckeln, nachdem bisher ausschließlich die Grünen opponiert hatten: "Wir unterstützen das Weltnaturerbe im Steigerwald geschlossen", sagt Norbert Tscherner vom Bürger-Block und macht sich im selben Atemzug für einen Kompromiss im Streit um den Gewerbepark stark: "Wir möchten aber auch, dass das Gewerbegebiets auf etwa die Hälfte der geplanten Fläche rechts der Geisfelder Straße beschränkt wird. Das reicht!"