Da, wo Memmelsdorf drauf steht, ist auch die Gemeinde Memmelsdorf mit ihrem Gemeindeteil Lichteneiche drin. Nur, das Schild am nördlichen Ortseingang Lichteneiches, das steht eindeutig auf Gundelsheimer Grund und Boden. Denn der beginnt sozusagen östlich der Kreisstraße BA 4. Und jetzt wird das Ortsschild noch weiter Richtung Norden und damit Gundelsheim wandern. Warum? Aus Sicherheitsgründen und ganz konkret, um Raser endlich auszubremsen. Da ziehen Memmelsdorfs Bürgermeister Johann Bäuerlein (CSU/WLW) und Gundelsheims Gemeindechef Jonas Merzbacher (SPD) an einem Strang. Man praktiziert damit Nachbarschaftshilfe einer ganz eigenen Art.



Ein Ortsschild hat rein pyschologisch betrachtet eine andere Qualität und Signalwirkung für Autofahrer als etwa ein Tempo-30-Schild. Es bremst effektiv gleich am Anfang einer Ortschaft. Das weiß Merzbacher nicht erst, seit er sich mit seinem benachbarten Bürgermeisterkollegen wegen dessen Ansinnen befasst. Und ebenfalls ist ihm die Raserei zwischen der Abzweigung Richtung Kramersfeld (nach der Autobahnbrücke) und bis hin nach Lichteneiche bekannt, das Gefahrenpotenzial bewusst.

"Zum Glück ist bis jetzt noch kein schwerer Unfall passiert," sagt Bäuerlein. Und dazu, dass das möglichst weiterhin vermieden wird, soll die Versetzung des Ortsschildes beitragen. Die hat nun noch mehr an Brisanz gewonnen. Mit Inbetriebnahme der Ampelanlage bei der Autobahnausfahrt. "Einer sehr sinnvollen Anlage", merkt Bäuerlein ironisch an. Merzbacher wird noch deutlicher, "das ist eine Frechheit, so eine Anlage". Doch zurück zum Schild. Was die meisten Bürger nicht wissen dürften ist, dass die Gemarkungsgrenze Gundelsheims fast bis nach Lichteneiche selbst reicht. Deshalb befindet sich das Sportgelände des SC Lichteneiche auf Gundelsheimer Gemarkung.

Das gleiche gilt für das Schützenheim und die Pizzeria. Auch die Straße Richtung Kramersfeld gehört zur Gemarkung Gundelsheim. Doch zwischen der Brücke über die A 70 und dem Ortsschild von Lichteneiche werden Geschwindigkeiten bis zu 90 oder 100 km/h gefahren, weißt Memmelsdorfs Gemeindeoberhaupt. Es wird gerast. Erlaubt wären an sich nur 70 Stundenkilometer. Problematisch ist die Situation speziell für diejenigen, die aus dem Neubaugebiet "Fasanerie" auf die Kreisstraße wollen. Die Anregung für die Lösung mit der Ortsschildversetzung entstammt einer Verkehrsschau im vergangenen November. Da hatten die die Beteiligten (darunter Polizei, Staatliches Bauamt, Landratsamt und Kommune) diesen Vorschlag erarbeitet. Das Gundelsheimer Gemeindeparlament zeigt sich einverstanden, und so kann die Versetzung erfolgen.

Eine Neuerung
Für die Gundelsheimer bringt das eine Neuerung: Sie werden auf der Länge von 300 Metern, die das Ortsschild von Lichteneiche vor weg versetzt wird, nicht mehr 70, sondern 50 km/h fahren dürfen.

Mit Reiner Nestmann vom Memmelsdorfer Bauhof sahen sich die beiden Bürgermeister vor Ort um und legten den neuen Standort fürs Ortsschild fest.

Wenn man schon beim Versetzen von Ortsschildern ist, dann macht Gundelsheim beim eigenen gleich weiter und zwar in Richtung des Memmelsdorfer Gemeindeteils Weichendorf. Keine Angst. Dieses wandert nicht über die eigene Gemarkungsgrenze hinweg. Es rückt lediglich näher an das Gundelsheimer Neubaugebiet "Bergwiesen". Ab dort darf nämlich bis zum Ortsschild bis zu 70 Stundenkilometer schnell gefahren werden. Zu schnell befindet der Gundelsheimer Gemeinderat und versetzt es bis zur Einfahrt in das Neubaugebiet und konkret nach Osten.

Um beim Thema Schild zu bleiben, gibt sich Johann Bäuerlein ebenso gelassen wie humorvoll: Im Breitengüßbacher Gemeindeteil Zückshut werden die Ankommenden mittels eines Schildes begrüßt - das auf Gebiet der Gemarkung Memmelsdorf steht. "Das ist für mich in Ordnung", sagt Bäuerlein und "eigentlich nicht der Rede wert, ein paar Meter hin oder her", zeigt auch er sich seitens der Gemeinde Memmelsdorf großzügig.