Wer das Café von "integra Mensch" in der Dr.-von-Schmitt-Straße gegenüber der Berufsschule besucht, wird sich dort sicher wohlfühlen. Gleich am Eingang wird jeder mit einem freundlichen "Hallo" begrüßt. Die Räume sind hell, das Mobiliar ist trendy, die Getränkekarte denkbar vielseitig. Die eigentliche Besonderheit des Cafés ist aber, dass hier fast ausschließlich Menschen mit Behinderung arbeiten. Wie Jessica Bischof und Marco Schober. Beide haben sichtlichen Spaß an ihrem Job und erledigen ihn, als ob sie nie etwas anders gemacht hätten.

Auf Praktika vorbereitet

Dabei ist das Café, das im vergangenen Jahr unter der Adresse und Trägerschaft der Bamberger Lebenshilfe in Betrieb genommen wurde, mehr als "nur" ein Treffpunkt. "Hier können Menschen mit Behinderung ersten Kundenkontakt üben und werden dabei schrittweise für Praktika in Betrieben vorbereitet", erläutert Kuno Eichner als Leiter von "integra Mensch". So hat sich die gemeinnützige Einrichtung der Lebenshilfe unter dem Projekt "Chefsache" auf die Fahnen geschrieben, möglichst viele Menschen mit Behinderung in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis oder Patenschaftsarbeitsverhältnis auf dem freien Arbeitsmarkt zu bringen. Bislang sind Eichner zufolge schon 113 derartige Stellen geschaffen worden. "Über uns gehen 18 Prozent aller Beschäftigten der Bamberger Lebenshilfe auf dem freien Markt arbeiten. Damit sind wir weit über dem bayerischen Durchschnitt, der bei gerade 2,8 Prozent liegt", freut sich Eichner.

Zwei Jahre lang

Bei der Eingliederung der Männer und Frauen in den ersten Arbeitsmarkt spielt die Einrichtung in der Dr.-von-Schmitt-Straße eine wichtige Rolle. Hier laufen alle Fäden zusammen. "Jeder, der aufgrund seiner Behinderung als nicht beschäftigungsfähig für den allgemeinen Arbeitsmarkt eingestuft wird, kann zu uns kommen und wir helfen ihm dabei, seinen Traumjob zu finden", so Dominik Hoderlein. Der Qualifizierungsprozess dauere in der Regel zwei Jahre. Zunächst würden erste Gespräche mit den Schulabgängern von Förderschulen geführt, die dazu dienten, die jeweiligen Stärken des Einzelnen herauszufinden und zuzuordnen. Dabei würden alle Berufswünsche der Bewerber berücksichtigt. Nach der Aufnahme - zu der im Vorfeld auch ein Antrag bei der Agentur für Arbeit oder der zuständigen Rentenversicherung gestellt werden muss - gelangen Bewerber in ein sogenanntes Eingangsverfahren. "Es dauert in der Regel drei Monate, wobei wir prüfen, ob das Zentrum für berufliche Bildung die passende Einrichtung ist", so Hoderlein. In dieser Zeit würden die Menschen mit Behinderung viele Berufsfelder kennenlernen. Sie besichtigten Betriebe, in denen es schon zur erfolgreichen Vermittlung kam, und nehmen die Werkstätten der Lebenshilfe in Augenschein. "Wir richten uns ja nach den Interessen unserer Teilnehmer und versuchen, ihre Jobwünsche entsprechend umzusetzen", sagt Eichner.

Um zu sehen, ob sich die Realität mit den Wunschvorstellungen deckt, würden alle Teilnehmer ein Praktikum absolvieren, das mindestens vier Wochen dauert. Dabei, so ergänzt Hoderlein, erhielten alle Teilnehmer eine individuelle Unterstützung von Berufsbegleitern. Zudem bestünde die Möglichkeit, in der hausinternen Schreinerei Erfahrungen zu sammeln, auch im Café oder etwa in der Küche.

"Erst platzieren, dann qualifizieren"

Nach drei Monaten folgt die eigentliche Berufsbildung, die an die klassische Berufsausbildung angelehnt ist und in der Regel zwei Jahre dauert. "Allerdings", betont Eichner, "haben wir bewusst die Theorie reduziert. Ausgebildet wird in den Betrieben nach dem Motto: erst platzieren, dann qualifizieren." Auch hier hätte jeder Teilnehmer einen Berufsbegleiter an seiner Seite, der besonders in der ersten Zeit mit vor Ort ist und Hilfestellungen gibt. Darüber hinaus biete "integra Mensch" regelmäßige Projekttage, bei denen im kleinen Kreise aktuelle Themen rund um den beruflichen Alltag besprochen würden - als ergänzende Maßnahmen, die auch die Kommunikation und Kritikfähigkeit der Teilnehmer stärkten. Geschult würde natürlich der Umgang mit Kunden. Nach einem Jahr könne der Betreffende dann entscheiden, ob er seine berufliche Bildung in dem von ihm gewählten Arbeitsfeld vertiefen oder in ein anderes wechseln möchte. "Prinzipiell kann fast jede Tätigkeit erlernt werden. Und wir versuchen dann, einen entsprechenden Arbeitsplatz zu finden", so Eichner.


Räume mieten

Übrigens kann man bei "integra Mensch" in der Dr.-von-Schmitt-Straße 19 auch Räumlichkeiten für Veranstaltungen aller Art mieten. Alle Konferenzräume sind barrierefrei. Nähere Auskünfte gibt's unter der Nummer 0951/1897-2900.