Zwischen der asiatischen Heimat der Knolle und der Gärtnerstadt Bamberg liegen mehrere 1000 Kilometer und einige Grad Celsius Unterschied: Doch trotz des unvermeidlichen Temperaturschocks für die Pflanze aus fernen Ländern gedeiht nun der Ingwer im milden Klima der Domstadt. Sebastian Niedermaier baut ihn nach einem ersten kleineren Versuch im vergangenen Jahr erstmals in größerer Menge an.

Und das erfordert Kreativität: "Ingwer braucht es warm zum Antreiben", erklärt Niedermaier. Der Gärtnermeister hat dafür extra einen Heiztisch gebastelt, der die Anzuchtkisten im Frühjahr konstant bei 20 Grad hält, damit die Pflanze entsprechend schnell antreibt.

Die kleine Erfindung scheint bestens zu funktionieren. Der 30-Jährige pult in der Erde und holt eine Knolle heraus, an der ein wenig Grün sprießt. Die Wurzel in Daumengröße ist nur wenige Gramm schwer. Wenn Niedermaier das Rhizom im Herbst erntet, wird es zwischen eineinhalb und zwei Kilogramm wiegen. Das ist zumindest Niedermaiers Ziel. Rund 400 Pflanzen wachsen jetzt im Kalthaus in der Mittelstraße empor.

Erste Versuche bei der LWG

Der junge Gärtner hatte den Ingweranbau bei der bayerischen Landesversuchsanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) aufgeschnappt. Im Gemüsebauversuchsbetrieb an der Galgenfuhr wurde 2017 begonnen, die Knolle anzubauen und zu vermehren - auf der Suche nach einem neuen Gemüse, das die Biogärtner auch bei kühlerem Klima und anderen Böden anpflanzen können.

Zunächst wurde mit einem beheizten Gewächshaus und hoher Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent experimentiert. Die Pflanzen sind dieses Klima auch eher gewohnt: Wie Versuchsingenieurin Birgit Rascher nach dem ersten geglückten Versuch und 800 Kilogramm geernteten Ingwer erklärte, fühlt sich die Pflanze am besten in tropischer oder subtropischer Umgebung wohl. Unter anderem wird Ingwer in Indien, China, Südamerika oder auf den Fidschi-Inseln angebaut. Der größte Produzent ist Indien mit 1,1 Millionen Tonnen.

Die Versuche der LWG gingen im vergangenen Jahr weiter, es gelang die Zucht auch unter einfacher Folie. Allerdings waren die Rhizome weniger groß als im Warmanbau, sie wogen laut Rascher rund 0,7 Kilogramm. Da der Ingwer unter Folie nur zwischen Ende April und September wachsen kann, habe er noch keine Außenhaut, sei dadurch nicht besonders gut lagerfähig, aber: "Zum Kochen ist er bestens geeignet." Oder für Marmeladen.

Die Jungpflanzen kommen bei Sebastian Niedermaier nach wenigen Wochen ebenso in den unbeheizten Folientunnel. "Wenn der Ingwer mal gepflanzt ist, ist er pflegeleicht", meint der Gärtner und schreitet die Reihen mit prüfendem Blick ab. Pflegeleichter als Tomaten, meint er. Dennoch darf das Unkraut nicht zu stark überwuchern.

Mit dem Ingwer will Niedermaiers kleine Gärtnerei das Sortiment im Hofladen auch im Herbst und Winter so groß und interessant wie möglich halten. Und: "Wir haben die Philosophie, wenn möglich keinen Zukauf zu tätigen."

Gute Abwechslung

Für die Böden im Gewächshaus ist die Knolle laut Versuchsanstalt eine gute Abwechslung. In diesem Jahr hat das Team 1000 Pflanzen im warmen Anbau und 600 im Folientunnel angebaut. Unter anderem sollen vor allem Dünger- und Wasserbedarf erforscht werden. Bislang hätte sich die Menge von Feuchtigkeit an den Werten aus den Anbauländern orientiert. Birgit Rascher glaubt aber, dass es hier weniger Wasser als die sonst benötigten 1200 Liter pro Quadratmeter braucht. Das hätten bereits die ersten Anbauversuche gezeigt.

Wasser ist dennoch auch im kühleren Klima für die Pflanze enorm wichtig. Das bedeutet für Biogärtner Niedermaier, den Hahn der Beregnungsanlage jeden zweiten Tag für eine halbe Stunde aufzudrehen. Und darüber hinaus zu bewässern. Der Ingwer fühlt sich so zur Freude von Niedermaier in Bamberg pudelwohl.

Der Anbau sei kein Hexenwerk: "Wer ein eigenes kleines Gewächshaus hat, kann das selber ausprobieren", meint der Gärtner. Und Birgit Rascher pflichtet bei, dass der Anbau auch im Kübel auf dem Balkon oder der Fensterbank möglich wäre.

Frisch geerntet schmecke der Ingwer, so Niedermaier, ohnehin am besten.