Worum es geht? Natürlich um Franken. Und darum, wie sich die Region zwischen Aschaffenburg, Hof und Ansbach am besten kennenlernen lässt. Wir wollen nicht mit dem Reiseführer arbeiten, uns nicht von mehr oder weniger berühmten Franken erklären lassen, wo die schönsten fränkischen Flecken liegen könnten.

Wir wollen Franken auf eine ganz andere, völlig neuartige Art kennenlernen - nach dem Zufallsprinzip. Uns nicht automatisch nur in Städten, Dörfern und Weilern umsehen, sondern dort, wohin uns ein Dartpfeil führt, der auf eine Frankenkarte geworfen wurde. Das war der Plan. Drei Reporter schnappten sich Dart pfeile und warfen insgesamt 14 Mal mehr oder weniger gezielt auf eine Frankenkarte. Was nicht immer klappte. Es gab Ausreißer ins Thüringische, Hessische, oder die Oberpfalz. Derlei Fehlwürfe mussten selbstverständlich wiederholt werden. Von den Kollegen in der Redaktion kritisch beäugt. Die waren auch nicht um entsprechende Kommentare verlegen.



Zum Beispiel fiel ihnen auf, dass die Protagonisten sich offenkundig mehr im Norden bewegen wollten, weniger im fränkischen Süden. Die Gegend um Ansbach, Weißenburg und Gunzenhausen suchte man irgendwie zu umgehen. Wohl wegen der zahlreichen fränkischen Seen in der Gegend. Nicht auszudenken, wenn so ein Pfeil mitten in den Brombachsee geflogen wäre. Wo genau sich die Wurfgeschosse schließlich ins Fränkische hineingebohrt hatten, war erst nach einer entsprechenden Vergrößerung des Maßstabs auszumachen. Da wurde dann schnell deutlich, dass Franken nicht nur aus Nürnberg, Würzburg oder Bamberg besteht, aus Coburg, Erlangen oder Fürth. Die 14 herausgeschossenen Ziele lagen oft genug mitten im Wald oder auf einem Acker.

So ist das halt, wenn man auf eine Landkarte spickert. Wohl dem, der sich wenigstens einen Feldweg herausgeschossen hatte. Egal, wo ein Weg oder ein Acker, da muss irgendwann ja auch der dazugehörige Franke auftauchen. Weshalb sich in den nächsten Wochen unsere drei Reporter Christian Pack, Günter Flegel und Klaus Angerstein auf den Weg machen werden. Sie wollen erkunden, was es mit den jeweiligen Örtlichkeiten so auf sich hat, was sich in der näheren Umgebung alles in Erfahrung bringen lässt. Sie werden authentisch schildern, wie es in Franken zugeht in diesen Tagen.

Übrigens: Auch unsere Lokalredaktionen haben die Pfeile fliegen lassen. Fürs Lokale haben wir uns für Sie in 14 Dörfern ganz in der Nähe umgehört, was das Leben dort so lebenswert macht!


Das fränkische Abenteuer
Franken steckt voller Geschichte und Geschichten. Baudenbach in Mittelfranken zum Beispiel. Unweit dieses Ortes schlug der Dartpfeil in einem Waldstück ein. Um nicht völlig hilflos durchs Unterholz zu irren, habe ich mich vorab ein wenig informiert und mit Staunen erfahren, dass im 17. Jahrhundert Glaubensflüchtlinge aus Österreich dieses Dorf im Steigerwald als Zuflucht wählten und sehr viel zum Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg beigetragen haben. Vielversprechend ist auch der zweite Treffer: In Unterfranken hat es Rannungen erwischt, einst Teil der Via Romea, eines wichtigen Nord-Süd-Pilgerweges im Mittelalter.

Weit in den Osten Oberfrankens flog der dritte Pfeil: Sparneck.Klingt spannend, ist auch spannend, denn in der Bergbauregion wurde einst nicht nur Kupfer abgebaut, sondern sogar Gold gefunden. Das fränkische Klondike? Oder heute alles andere als eine Goldgrube? Nummer vier führt zurück ins Herz Frankens, sogar buchstäblich: Denn unweit von Ebersbrunn stand bis zur Grenzverschiebung bei der Gebietsreform der Dreifrankenstein. Rund um Ebersbrunn im Steigerwald wird es richtig panfränkisch, denn da gibt es einen Weiler namens Hof (wie die Stadt in Oberfranken). Sogar ein Ilmenau findet man im Steigerwald (und ein Frankfurt und und und ...) Franken ist die reinste Wundertüte! Günter Flegel


Main und Siemens getroffen
Natürlich. Ausgerechnet mich muss es treffen. Einer meiner Dartpfeile landet beim Wurf auf die Frankenkarte mitten im Main. Noch dazu in einem Nebenarm in der Nähe von Limbach, einem Ortsteil von Eltmann. Keine Ahnung, wen ich hier treffen könnte, außer ein paar Fischen oder einen Mäusebussard. Na lassen wir uns überraschen. Bei meinen weiteren Treffern deuten sich ähnliche Schwierigkeiten an. Im Mainviereck, nahe dem unterfränkischen Karlstadt, steckt mein Pfeil fernab jeglicher Staats- oder auch nur Kreisstraßen auf irgendeinem unbefestigten Weg. In der Umgebung: nichts.

Nur Felder, Wiesen, Wald. Vermutlich lässt sich da leichter mit Feldhasen kuscheln als dass sich irgendeinen Gesprächspartner fände. Und dann erst Röslau. Also nicht direkt Röslau, nicht einmal ein Feldweg in der Nähe, sondern ein Acker mit nichts, rein gar nichts. Wald ist in der Nähe, einige kleine Teiche. Mal sehen. Vielleicht lockt das Wasser wenigstens Fischreiher an. Und dann der Höhepunkt: Mein vierter Treffer. Genau nach Bad Neustadt und hier genau ins Pförtnerhäuschen des örtlichen Siemenswerks in der Siemensstraße. Der Pförtner wird sich freuen, wenn ich ihm einen ganzen Tag lang auf die Nerven gehe. Eines kann ich jetzt schon verraten. So unmöglich manche Örtlichkeit, so widrig die Verhältnisse, so unglaublich die Geschichten, die sich zugetragen haben. Klaus Angerstein


Wälder, Felder, Wiesen
Sechs Würfe darf ich also abfeuern. Mir ist eigentlich egal, welchen Ort ich treffe, ich freue mich auf jedes Abenteuer. Ein wenig Zivilisation dürfte es aber schon sein, denke ich, als die ersten beiden Pfeile in der Karte stecken. Meine Ausbeute: ein Waldstück bei Falkendorf (Gemeinde Aurachtal) und ein Feldweg in der Nähe von Siegersdorf (Markt Schnaittach). Bei meiner Recherche finde ich aber viel Interessantes. Unter anderem backt in der 100-Seelen-Gemeinde noch immer ein Familienbetrieb. Weiter geht es mit den Wald- und Wiesenwürfen. Im Landkreis Bamberg treffe ich einen Acker nahe des Ortes Roschlaub. Hier gibt's den Bach "Kuhgraben" und laut eines Kollegen "einen super Partyservice".

Mein vierter Pfeil steckt in einer Wiese nahe Herrnsdorf (Landkreis Bamberg). Ich freue mich schon auf ein kühles Getränk in der örtlichen Traditionsgaststätte und eine Abkühlung im Reiche Ebrach, einem Zufluss der Regnitz. Pfeil fünf landet nahe Hainbach (Stadtteil von Hollfeld) - natürlich in einem Wald. Gespannt bin ich auf den Glockenturm, den die Hainbacher in Eigenleistung gebaut haben. Zu guter Letzt: Kein Wald, keine Wiese, kein Feld. Die Koordinaten spucken den Bahnhofsweg in Schney (Landkreis Lichtenfels) aus.Nicht weit entfernt: ein Schloss und die Franken-Akademie. Sechs Abenteuer warten auf mich. Es wird spannend. Christian Pack