Am kommenden Samstag werden in der Bahnhofstraße Weichen gestellt: Was die Nahversorgung im Ort betrifft. Seit über eineinhalb Jahren ist die 1900-Einwohner-Gemeinde ohne eigenen Lebensmittelmarkt. Gerade für die Älteren und die ohne Führerschein oder fahrbaren Untersatz bedeutet es seitdem einen immensen Aufwand, sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen. Am Samstag soll sich nun (um 17 Uhr) der Aufsichtsrat formieren, der über die Geschicke des zu gründenden Dorfladens wacht.

Aber zunächst einmal lädt der Arbeitskreis die Bevölkerung von 13 bis 17 Uhr dazu ein, sich ein Bild von der Lage und dem Areal des künftigen Marktes in der Bahnhofstraße zu machen. Sechs Mal hat sich der Arbeitskreis bisher getroffen und viel Vorarbeit geleistet. Begleitet werden die im Schnitt 20 engagierten Bürger von Allianzmanagerin Eva-Maria Schmidt und Dorfladen-Experten Wolfgang Gröll.

Bei den Treffen wurden mögliche Standorte nach einem Punktesystem bewertet - mit den Kriterien Erreichbarkeit, Zukunftsträchtigkeit, Größe, Finanzierbarkeit. Wie Eva-Maria Schmidt auf Nachfrage ausführt, wurden neben dem Standort in der Bahnhofstraße auch der des bisherigen Einkaufsmarktes gegenüber dem Rathaus, der ehemalige Schleckermarkt, und eine Fläche beim Sportplatz beleuchtet. Das Gelände in der Bahnhofstraße ist im Eigentum der Gemeinde und 2000 Quadratmeter groß.

Knapp 90 Anteile gezeichnet

Bislang haben knapp 90 Personen Anteile gezeichnet, wodurch die momentane Einlage 34 200 Euro beträgt. "Um die 70 000 Euro wäre perfekt", so Schmidt. Auch deswegen werde am Samstag versucht, weitere Anteilszeichner zu gewinnen. Für das Projekt sind Zuschüsse von maximal 200 000 Euro zu erwarten.

Allerdings muss das Dorfladenprojekt im Dorferneuerungsvorhaben dann bei den Prioritäten weiter nach vorne gesetzt werden, wurde nun im Gemeinderat thematisiert. Ganz oben steht seit langem jedoch die Marktplatzgestaltung. Hier dürfe man sich nichts verbauen, so der Tenor im Gremium, am besten werde es wohl sein, die Vorhaben parallel voranzutreiben.

Für den künftigen Dorfladen soll am Samstag jedenfalls eine Art Aufsichtsrat für die Unternehmergesellschaft, konkret ein Beirat, gewählt werden. Diesem gehören sieben Mitglieder an. Der Beirat trifft die Entscheidungen und vergibt auch die Aufträge.

"Jeder Anteilseigner hat eine Stimme", so Schmidt. Unter den Eignern befindet sich auch die Gemeinde.

In der Sitzung des Marktgemeinderates waren sich die Gremiumsmitglieder aber nicht so ganz einig, wer hier die Gemeinde vertreten soll. Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD), der im März des nächsten Jahres aufhört, steht nicht für einen Beiratsposten zur Verfügung, wie er dem Marktgemeinderat erklärte.

Einige meinten, ein Bürgermeister sollte dem Beirat auf jeden Fall angehören, da beim weiteren Vorgehen, enge Abstimmungen erfolgen müssen. Beispielsweise, wenn die Gemeinde den Laden baut.

Letztlich wurde jedoch seitens des Gemeinderates nichts festgelegt.

Wie Michaela Opel (SPD), die wie weitere Marktgemeinderäte dem Arbeitskreis angehört, feststellte, ist der Standort noch nicht 100-prozentig sicher.

KOMMENTAR:

Möglichst mitmachen

un liegt es an den Ebrachern, an jedem Einzelnen, zum Gelingen des Projektes Dorfladen beizutragen. Und: Es braucht auch jeden. Jetzt, für die nötige Grundkapitalakquise und im Anschluss als Kunden. Nur wenn dieser Laden wirklich zu einem Laden der Leute vor Ort wird, hat er eine reelle Chance. Das Bewusstsein entscheidet mit jedem Kauf, der zwangsläufig mehr kostet als beim Discounter und der neben der eigenen Versorgung zugleich der Sicherung dient.

Freilich stellen sich noch Fragen, z. B. zum Standort.

Der Arbeitskreis hat sich die Suche nicht einfach gemacht und die Fakten gründlich abgewogen. Dennoch stellt sich die Lage in der Bahnhofstraße zumindest dem Außenstehenden nicht unbedingt zentral dar. Gerade wenn man die doch große Zahl an älteren Menschen mit Rollator oder Stock vor Augen führt. Oder aber die Realschüler, beziehungsweise die Vollzugsbeamten.

Freilich wäre der Sportplatz fast noch weiter. Und die infrage kommenden Immobilien sind belegt (Marktplatz) beziehungsweise in Privateigentum (früherer Markt).

In der Bahnhofstraße wiederum sind die Häuslebauer im neuen Baugebiet von einer verkehrsberuhigten Lage ausgegangen. Hier wird die Betreibergesellschaft Lösungen finden müssen. Dennoch gibt es für Ebrach derzeit keine Nahversorgungs-Alternativen zum Dorfladen. Und dafür sollte man in möglichst großer Zahl an einem Strick ziehen. Dazu gehört es auch, Anteilseigner zu werden.