Bäume. Wenn es um die geht, kommen sich Förster, Jäger und Waldbesitzer oft ins Gehege. Was hat den Vorrang, Wald oder Wild? Das Bayerische Waldgesetz gibt darauf eine klare Antwort: "Wald vor Wild" heißt es da. Was wiederum Zündstoff für so manche Diskussion liefert. Forstdirektor Hans Schmid vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sowie Valentin Lang, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Bamberg (mit 660 Mitgliedern aus Stadt und Landkreis) haben gemeinsam mit Privatwaldbesitzern versucht, einen neuen Weg zu beschreiten. Sie haben ein Pilotprojekt gestartet, das mit einer gemeinsamen Waldbegehung begann. Vorsichtiges Fazit: Bei der richtigen Waldbewirtschaftung und unterstützender Bejagung lässt sich ein gewisser Interessenausgleich finden.

Natürliche Verjüngung


Zunächst machte sich das Trüppchen mit Schmid und Lang an der Spitze und zusammen mit weiteren Jägern, Forstleuten und Mitgliedern der Hegegemeinschaft Jura-Nord auf, um in Sachen Wildverbiss im Forstrevier Steinfeld Erkundungen zu betreiben. Verbiss heißt konkret, Spuren an Bäumen, Bäumchen und Baumpflanzen, die daher rühren, dass sich Wild daran gütlich getan hat. Wie viel davon kann der auf eine ebenso ökologische wie ökonomische Nutzung der staatlichen Wälder spezialisierte Staatsforst tolerieren? Sprich, wie viel Wild kann der Wald vertragen, wie wird Wald leistungsfähig in Bezug auf den Ertrag? Wie funktioniert natürliche Waldverjüngung, also von alleine (und ohne Pflanzung) nachwachsender Wald am effektivsten. Das war die zentrale Frage. Eine zeitlos aktuelle, angesichts des heuer (und generell im dreijährigen Turnus) zu erstellenden Vegetationsgutachtens auch eine brisante.
Das Vegetationsgutachen dokumentiert anhand von Stichproben die Entwicklung des Waldes. Ein zentraler Teil kommt dabei der Beurteilung des Verbisses zu. Denn dort, wo Wild nachwachsende Bäumchen vertilgt, wächst eben nichts mehr nach. Wo zu viel verbissen wird, muss gehandelt werden. Wie viele Rehe die Jäger jedes Jahr erlegen müssen, das regelt der seitens des Ministeriums für Landwirtschaft erstellte Abschussplan. Eine Neuerung von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, die vor allem Valentin Lang begrüßt, ist nun die, dass Reviere individuell betrachtet werden und für die Abschuss-Vorgaben nicht mehr die ermittelten Durchschnittszahlen zugrunde gelegt werden.
Tiere durch den Schutz junger Bestände fernzuhalten, ist ein Mittel der Wahl für Wald-Wachstum. Beispielsweise lassen sich die Jäger öfter in diesen Beständen blicken, stellen Hochsitze auf, jagen. Nötigenfalls wird auch mal ein Zaun aufgestellt. All das ist bereits hilfreich, zeigte die Aussprache.

Waldbauliche Kunst


Ein anderes Mittel bildet die Schaffung optimaler Wachstums-Bedingungen, wie Forstamtmann Michael Bug den Teilnehmern erklärte. Die waldbauliche Kunst liegt darin, den jungen Bäumen so viel Licht zu verschaffen wie sie brauchen, ohne dass das Wachstum von Unkraut gefördert wird. In bestimmten Phasen müssen ältere, große Bäume gefällt werden, deren Kronen das Vordringen von Licht zu den jüngeren Bäumen verhindern. In anderen Situationen wiederum müssen innerhalb der jungen Beständen ihrerseits konkurrierende Bäume entnommen werden. Stichwort Konkurrenz: Der richtigen Zusammensetzung an Baumarten, die unterschiedliche Lichtbedürfnisse haben, kommt gleichfalls große Bedeutung zu. Dass "mit Licht pur" waldbaulich nichts gewonnen ist, das zeigte Bug den Teilnehmern der Begehung auf einer durch Borkenkäferbefall entstandene Kahlfläche: Auf der hatte sich in erster Linie Unkraut breitgemacht.
Bug führte den Teilnehmern der Begehung auch plastisch vor Augen, wie durchforstete junge Bestände aussehen und ließ sie übungshalber auch gleich selbst Hand anlegen.
Bei einer Powerpoint-Präsentation im Kübelsteiner Gemeindesaal, und damit wieder im Trockenen, erklärte Bug die Merkmale einer modernen und planmäßigen Forstwirtschaft im Detail.

Individuelle Vorgaben


Schmid und Lang waren sich am Ende der Diskussion einig, dass derartige Veranstaltungen bei der Problemlösung hilfreich sind. "Licht ist die Lösung", stellte Valentin am Ende fest. Er setzt nun fest auf die individuellen Vorgaben für jedes Revier. Bisher machte er die Erfahrung: "Egal wie viel wir schossen, es war immer zu wenig." Der gemeinsame Termin hat nun Hoffnungen geweckt.