Bei der "Reise nach Jerusalem" lernen schon die Kleinsten, was es bedeutet, wenn zu wenig Platz da ist. Für ihre Eltern ist das kein Spiel: Die Kindertagesstätten sind voll. Der Zugang zu den Mäuse-, Bienen- oder Igel-Gruppen der Stadt ist schwierig. Und das, obwohl ein gesetzlicher Anspruch besteht.
"Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihrem Wunsch nach einem Betreuungsplatz in unserer Einrichtung nicht entsprechen können": Viele Eltern - mehrere wandten sich an die Redaktion - haben diese Standardantworten bekommen. Wie viele genau? 490 Krippenplätze stehen derzeit in Bamberg zur Verfügung, bei aktuell 1367 Kindern zwischen einem und drei Jahren. "Generell geht man von einer Versorgungsquote von rund 50 bis 60 Prozent aus", rechnet Stadtsprecherin Stephanie Schirken-Gerster vor: 194 bis 330 Eltern müssen sich anderweitig umsehen.
Kindertagespflege und Großtagespflege sind Alternativen. Von diesen Tagesmüttern werden derzeit 81 Kinder gehütet. "Die Betreuung durch eine Tagesmutter wäre eine Alternative, jedoch sind auch hier die Kapazitäten aktuell ausgereizt", so die Stadt. Wenn Mama oder Papa in einer Außengemeinde arbeiten, darf der Nachwuchs dort in die Krippe gehen: Bei 62 Kindern ist das der Fall.
Bei den Kindergärten das gleiche Bild: 1956 Plätze stehen 2124 Kindern gegenüber - laut Gesetzgeber wäre eine hundertprozentige Versorgung nötig. Doch 168 müssen draußen bleiben. 39 kleine Bamberger gehen in Außengemeinden in den Kindergarten.
"Wir merken den Bedarf, die große Nachfrage", räumte Jugendamtsleiter Tobias Kobold im Jugendhilfeausschuss des Stadtrates ein. "Es besteht großer Handlungsbedarf", sagte sein Stellvertreter Günter Diller. "Unsere Kita-Offensive war notwendig", verwies Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) auf das Finanzpaket im zweistelligen Millionenbereich, das die Stadt 2016 geschnürt hat. Das Ziel: Den akuten Mangel beseitigen. Doch die bauliche Realisierung zieht sich. Die Stadt hinkt dem Bedarf hinterher. "2020/21 wird es ausreichend Plätze geben", versprach Kobold.
Fünf Projekte mit 82 Plätzen wurden laut Stadt schon geschaffen. Zwei Neubauten und eine Erweiterung mit insgesamt 195 Plätzen sollen bis Ende 2019 entstehen . Weitere Maßnahmen für 505 zusätzliche Plätze sind noch in der Vorbereitung.
Im Jugendhilfeausschuss entbrannte eine Diskussion darüber, ob sozial benachteiligte oder Familien mit Migrationshintergrund bevorzugt werden sollten. Christiane Laaser (GAL) sah das so. Auch Heinrich Schwimmbeck (Linke) argumentierte in diese Richtung. Doch die Mehrheit im Jugendhilfeausschuss war dagegen. "Alle Kinder sollten gleich behandelt werden", sagte Ursula Redler (BA); und auch Lange sagte: "Ich halte es für problematisch, jemanden - aus welchem gut gemeinten Grund auch immer - zu bevorzugen." Er sprach sich auch gegen kurzfristige (Container-)Lösungen aus. Das Problem müsse nachhaltig gelöst werden.