Bernhard Will (Name von der Redaktion geändert) weiß, dass er sterben wird. Der 71-Jährige leidet an einer unheilbaren neurologischen Erkrankung. Endstadium. Er kann keine Nahrung und Flüssigkeit mehr schlucken. Auch nicht die Tabletten, die ihm über zwei Jahrzehnte ein einigermaßen erträgliches Leben ermöglicht haben. Ein katholischer Priester war jetzt bei ihm, hat ihm die Krankensalbung gespendet, mit ihm gebetet. "Ich bin glücklich", sagt Bernhard Will hinterher. Seine umschatteten Augen strahlen.

Dr. Jörg Cuno, Leiter der Palliativstation des Bamberger Klinikums im Christine Denzler-Labisch-Haus, und die Pfleger tun alles, um Bernhard Will seine letzten Tage erträglich zu machen. Über eine spezielle Medikamentenpumpe bekommt er flüssige Schmerzmittel, um die Muskelkrämpfe zu lösen. Eine Infusion führt im Wasser zu. Entspannt liegt der Patient in seinem Bett, kann bewusst Abschied nehmen von seiner Ehefrau und seinem Sohn. Trotzdem ist es für alle Drei eine belastete Situation. Und da ist es überaus hilfreich und heilsam, dass es außer dem Arzt und seinem Team noch andere Menschen gibt, die auf einem Weg mitgehen, dessen Ziel eigentlich niemand kennt.

Etwa 90 ehrenamtliche Hospizhelfer und -helferinnen begleiten Sterbende und ihre Angehörigen auf diesem Weg - in der Palliativstation, ambulant im vertrauten Zuhause oder in Altenheimen: "Unbezahlte Mitmenschlichkeit" nennt Konrad Göller diesen Dienst. Göller ist Erster Vorsitzender des Hospizvereins Bamberg mit seinen 700 Mitgliedern, der vor 25 Jahren, am 26. Januar 1990, gegründet wurde. Christine Denzler-Labisch, die mit hohem persönlichen Einsatz die Hospizidee in Bamberg verankert hatte, war bis zu ihrem Tod am 19. Februar 2009 dessen Vorsitzende. "Reden, zuhören, trösten oder die Hand halten sind die begrenzten Mittel, doch die Wirkung bleibt nicht aus. Das Lächeln des Sterbenden, der in Frieden einschläft, lässt die Ewigkeit erkennen", lautete das Credo von Christine Denzler-Labisch.

Die Hospizidee ist christlichen Wertvorstellungen verpflichtet, aber unabhängig von Konfessionen und Religionen und betrachtet Sterben als natürlichen Vorgang. "Hospiz will ein Ort der Gastfreundschaft auf dem Weg von dieser in eine andere Welt sein", fasste einmal Vereins-Gründungsmitglied Professor Hans-Joachim Thiel, ehemals Ärztlicher Direktor am Bamberger Klinikum, zusammen. Das begründende ethische Prinzip sei das der Nächstenliebe, so wie es sich in der Bergpredigt finde: "Alles nun, was Ihr wollt, das Euch die Anderen tun sollen, das tut ihnen auch."

Margaretha Wagner ist seit zwanzig Jahren Hospizhelferin "aus Liebe zu den Menschen", wie sie bemerkt. Wie die anderen Ehrenamtlichen hat die 66-Jährige Hospiz-Grund- und Aufbaukurse absolviert. Was gehört außer Fachwissen und Qualifizierung noch zu den Voraussetzungen, um Sterbenden beizustehen? "Achtung, Respekt, Sensibilität, Mut, Aushalten", listet Vereinsvorsitzender Göller auf. Margaretha Wagner nickt zustimmend: "Sterbebegleitung bedeutet für mich unglaubliches Wachstum", betont sie.

Monika Schauer (65), ehrenamtliche Einsatzleiterin der Hospizhelfer, spricht von einem "heiligen Moment des Sterbens", bei dem sie immer wieder dabei sein dürfe. Dabei sei es ihr wichtig, "ein gutes Ende zu finden und mich auch vom toten Menschen verabschieden zu können". Die Ehrfurcht vor dem Letzten bleibe, habe eine "spirituelle Dimension", die eine gewisse Haltung erfordere, ergänzt Konrad Göller.

Er macht allgemein eine "natürliche Angst vor dem Tod" aus, die heutzutage "eine seltsame Liaison eingeht mit einer Selbstbestimmungsideologie". Die aktuelle Debatte um aktive Sterbehilfe beleuchte eine "fatale gesellschaftliche Entwicklung", die in einer vermeintlich erlösenden Spritze die Freiheit schlechthin sieht. Margaretha Wagner und Monika Schauer haben schon die Erfahrung gemacht, dass sie von Schwerstkranken zunächst um diese Spritze gebeten werden, nach anfänglichem Drängen aber und dem Erleben von Fürsorge davon Abstand nehmen und sagen können: "Es ist gut, dass Sie da sind."

"An der Hand sterben und nicht durch die Hand", bringt auch Alexander Sieber einen unumstößlichen Grundsatz der Hospizidee auf den Punkt. Der Pflegerische Leiter im Palliativzentrum möchte den Dienst der Hospizhelfer auch in dieser Hinsicht nicht mehr missen: "Es ist nicht hoch genug anzurechnen, was die Ehrenamtlichen allein an Zeit aufbringen", würdigt Sieber etwa eine wertvolle Gegebenheit, die die hauptamtlichen Pflegekräfte gar nicht leisten können.

Silke Kastner, hauptamtliche Koordinatorin im Hospizverein, und Vorsitzender Göller wünschen sich noch weitere Ehrenamtliche, zumal sich die "Zeitverfügbarkeit der Einzelnen geändert hat". Was "eine Pionierin allein geschafft hat, machen heute fünf ehrenamtliche Hospizhelfer", erklärt Silke Kastner. Es sei zu hoffen, dass "die Gesellschaft Mitmenschlichkeit wieder mehr entdeckt, wozu ein Bewusstseinswandel nötig ist", wagt Konrad Göller einen Ausblick auf die nächsten 25 Jahre, in denen der Hospizverein in einer alternden Gesellschaft zunehmend Helfer braucht. Und zwar in dem bundesweit derzeit noch einmaligem Hospiz- und Palliativzentrum Christine Denzler-Labisch-Haus, in dem die Palliativstation, die Hospiz-Akademie und der Hospizverein eine gemeinsame Bleibe haben.


Das Jubiläumsfahr

Der Hospizverein Bamberg feiert seinen 25. Geburtstag mit zahlreichen Veranstaltungen im Jahr 2015. Auftakt bildet die Jubiläumsfeier am heutigen Freitag um 17 Uhr im Bistumshaus St. Otto, mit einem Ökumenischen Vespergottesdienst (Weihbischof Herwig Gössl und Dekan Hans-Martin Lechner) und anschließendem Festakt. Am Mittwoch, 25. Februar, gibt es um 19 Uhr im Hospizsaal des Christine Denzler-Labisch-Hauses, Lobenhofferstraße 10, einen Lebenswert-Gottesdienst mit Pastoralreferent Markus Starklauf und einer a-capella-Gruppe aus dem Windsbacher Knabenchor.

Weitere Veranstaltungen unter www.hospizverein-bamberg.de