Was ist das für ein Gefühl, wenn einem der Mann übers Handy ein Foto vom eigenen Betrieb schickt, bei dem's brennt. Sabine Hegenwald hat das gestern Vormittag erlebt. Und umgehend die Kundschaft heimgeschickt. Also aus dem Frisörladen komplimentiert. Bis nach Bamberg kann sie die schwarze Rauchsäule sehen, die über dem Baunacher Gewerbegebiet aufgestiegen ist. Sofort setzt sie sich ins Auto und fährt nach Baunach.

Das Industriegebiet wimmelt nur so von Rettungsfahrzeugen: Feuerwehr, Polizei und natürlich auch Sanitäter. Dann trifft sie ihren Mann Sven. Endlich. Der ist noch ganz aufgewühlt. Hündin Sissi hat er gleich in Sicherheit bringen können. Was war passiert? Auf dem Grundstück auf dem Sven Hegenwalds Werbetechnikfirma ist, befinden sich noch weitere Firmen. Eine davon eine Art Autowerkstatt, wie die Nachbarn sie bezeichnen. Hier zerlegen Afrikaner Autos und schicken sie in Containern weg, sagen die Nachbarn. Dort ist es wohl passiert, dort brennt's. Über der Werkstatt steht die tiefschwarze Rauchsäule.



Uwe und Heidi Gehring haben sich zu Hegenwalds gesellt und sind noch ganz aufgewühlt. "Die sind einfach abgehaut", sagt Uwe Gehring verständnislos. Wohl hätten die in der Autowerkstatt Tätigen erste Löschversuche unternommen, verschwanden dann jedoch - ohne den Nachbarn Bescheid zu sagen. Er selbst habe Sven Hegenwald aus dessen Halle geholt, auf den Brand aufmerksam gemacht, erklärt Gehring.

Mittlerweile haben wohl alle Mitarbeiter der Betriebe im Nordwesten des Gewerbegebietes ihre Arbeitsstätten verlassen, sie beobachten das Treiben der Einsatzkräfte.

An die 100 sind es, die Kreisbrandinspektor Thomas Renner hier koordiniert. Hier geht es eng zu und vor allem verschachtelt. Befinden sich noch Menschen in den Hallen? Neben Nachsehen kommt die Wärmebildkamera zum Einsatz. Es geht sehr eng zu. Viele Gebäude sind augenscheinlich noch ziemlich neu und in etlichen stehen sehr teuere Maschinen.

Während die Wehren einerseits sicherstellen, dass auch wirklich keine Menschen mehr in den Gebäuden sind, sind sie zugleich fieberhaft bemüht, ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Sie arbeiten an Widerstandslinien, wie Renner es später gegenüber dem FT nennen wird. Bei 30 Grad im Schatten und etlichen Hundert in der Nähe des Feuers wahrlich eine große Herausforderung; insbesondere für die fünf Trupps, die mit den schwerem Atemschutz zu Gange sind.

Mit vor Ort auch Baunachs Bürgermeister Ekkehard Hojer. Dessen Termin mit dem FT ist des Feuers wegen ausgefallen. Er spricht den Betroffenen Mut zu, versucht sich einen Überblick zu verschaffen. Inzwischen stellen sich für die Betroffenen neue Fragen. Was ist mit ihren Hallen, den Wohnungen? Haben sie an diesem Abend überhaupt eine Bleibe? Haben sie, sagt Thomas Renner. Es ist gelungen, die Wohnungen rauchfrei zu halten. Was mit den Hallen ist, weiß er zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht zu sagen. Die hohen Temperaturen haben Trapezbleche verformt und auch deren Farbe verändert. Renner möchte sich nicht festlegen, geht aber von einem doch erheblichen Sachschaden aus.

"Heute wäre ein ganz teuerer Auftrag fertig geworden", merkt Sabine Hegenwald an. Inzwischen ist wohl auch der Chef der Autowerkstatt erschienen. Mit bedrückter Miene. Die Polizei befragt ihn.

Beißender Geruch liegt in der Luft. Hegenwald-Hund Sissi, gerettet von Uwe Gehring, bellt in ihrem Behelfs auslauf. Sie ist augenscheinlich noch immer völlig durcheinander. Nicht nur sie. Noch für Stunden herrscht im Nordwesten des Gewerbegebiets "Eichen" Ausnahmezustand. Sabine Hegenwald ist an diesem Tag nicht mehr in der Lage, ihre Kundschaft in Bamberg zu bedienen. Und in Baunach muss der wichtige und eilige Auftrag, oder was davon übrig ist, bleiben wo und wie er ist. Denn nun sind Gutachter und Versicherungen am Werk.

Nach Auskunft von Polizeipressesprecher Alexander Czech dauern die Ermittlungen die Polizei an. Man geht von einem erheblichen Sachschaden aus, kann die Höhe aber noch nicht konkret beziffern.