"Sie erkennen unser Haus an diesem hässlichen Kackbraun. Außerdem ist es ziemlich heruntergekommen", sagt Brigitte Arnold. Sie wohnt am Eichendorffplatz in Bamberg-Ost und schwärmt nicht gerade von der Qualität ihrer 50-Quadratmeter-Wohnung. "Ich habe keine Isolierung und meine Dusche ist so winzig, dass ich nur im Knien brausen kann."

Was die 63-Jährige wütend macht - und nicht nur sie: Trotz der aus ihrer Sicht mageren Ausstattung des 1951 gebauten Stadtbau-Hauses muss sie sich im Februar mit einer Preisanhebung von sieben Prozent anfreunden - überzogen, wie sie findet. Die Miete steigt laut Arnold von 296 Euro auf 317 Euro an. Dazu kommen rund 70 Euro für Betriebskosten und dann noch die Kosten für Heizung und Strom.

Und das ist nur die erste Stufe. Zwei Jahre später sollen die Mieten in den meisten der 2500 Einheiten der stadteigenen Wohnungsgesellschaft erneut steigen - dann um acht Prozent. Arnold hat wenig Verständnis für den Griff der Stadt in ihren Geldbeutel: "Ich finde die Begründung ein Unding. Da steht etwas von Durchschnittsmieten von 4,66 Euro, die moderat angehoben werden sollen. Davon sind wir hier weit entfernt", sagt Arnold.

Die Mehrheit im Aufsichtsrat der Stadtbau GmbH ist offenbar anderer Ansicht. Sonst hätte das Gremium einer Preiserhöhung wohl nicht zugestimmt, die von der Pressestelle der Stadt ausdrücklich als "sozialverträglich" gelobt wird. Aus Geschäftsführer-Sicht hört sich das so an: "Wir stehen mit der Konversion und der Sanierung unserer Häuser in der Gereuth vor großen Aufgaben. Außerdem müssen wir Instandhaltung und Investitionen sichern. Das können wir nicht nur über Kredite finanzieren", sagt Veit Bergmann. Auch Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Starke (SPD) verteidigt den Beschluss: "Es liegt im wohlverstandenen Interesse aller, wenn die Instandhaltung vorangetrieben wird. Ohne die Mietanpassung wäre das nicht möglich."

Formal begründet wird der doppelte Zuschlag mit dem neuen Mietspiegel der Stadt und den laut Stadt unterdurchschnittlichen Mietzinsen der Stadtbau. Sie liegen demnach bei 4,66 Euro pro Quadratmeter und sollen durch die Anhebung auf 5,32 Euro steigen. Gleichzeitig weise der städtische Mietspiegel einen Durchschnittswert von 7,33 Euro aus. Als Vergleichswert werden von Bergmann sogar 8,69 Euro genannt.

Das Geld der Mieter lockt

Dieses Zahlenspiel treibt Thomas Kliemann, den Chef des Bamberger Mietervereins, auf die Palme. "Aus meiner Sicht ist das eine Zumutung und keineswegs sozialverträglich", sagt der Mieterschützer. Auch rechtlich hält er die Begründung für angreifbar. Stadtbaumieter sollten sich gegen solche Taschenspielertricks mit einer Beratung wappnen, empfiehlt Kliemann.

Schon bei einem kurzen Blick auf den bei Rechtsstreitigkeiten maßgeblichen Mietspiegel zeigt sich, dass Kosten von über sieben Euro pro Quadratmeter nur bei nach 1995 gebauten Häusern als Vergleichsmieten in Frage kommen. Bekanntlich ist die Masse der Stadtbau-Häuser aber deutlich älter. Der von Bergmann zitierte Wert von 8,69 Euro findet sich im Mietspiegel überhaupt nicht und wird in Bamberg allenfalls für hochpreisige Wohnungen gezahlt.

Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb die Mieterhöhung der Stadt Stirnrunzeln auslöst. Die Ankündigung widerspreche der Marktentwicklung, sagt Kliemann. Ein weiterer Anstieg der Mieten in Bamberg sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: "Erfreulicherweise gehen die Mieten wieder runter, weil sich der Abzug der Amerikaner bemerkbar macht. Viele können die Summen auch einfach nicht mehr zahlen", sagt Kliemann.

In dieser Situation spielt auch die große Politik den Mieter in die Hände. Denn das billige Geld der EZB lässt die Gruppe derer anwachsen, die Eigentum erwerben können. Mit der Folge, dass der Anlegermarkt leidet, weil die erhofften Renditen nicht mehr einzufahren sind. Schon jetzt kursieren für immer mehr Städte Kauf- und Mietpreiswarnungen. Bamberg ist da keine Ausnahme.