In 15 von 36 Landkreisgemeinden wurden bei den Kommunalwahlen 2014 neue Bürgermeister gewählt. Darunter sind auch die sieben größten Kommunen im Landkreis. Mit den Bürgermeistern dieser Großgemeinden, die zusammen rund 40 Prozent der Landkreisbevölkerung repräsentieren - sowie dem ebenfalls neu gewählten Landrat - ziehen wir in diesen Wochen eine Halbzeitbilanz ihrer ersten Amtszeit. Heute: Klaus Homann (CSU), Hirschaid. Er setzte sich in der Stichwahl mit 52,46 Prozent gegen Georg Kestler (FW) durch und wurde zum Nachfolger von Andreas Schlund (CSU) gewählt.

Herr Homann , Sie sind nun seit gut drei Jahren Bürgermeister von Hirschaid. Was hat sich in Ihrem Leben geändert?
Eigentlich nicht viel. Ich hatte mir alles schwieriger vorgestellt. Bekanntlich komme ich aus der Wirtschaft und hatte da rund 220 Stunden Arbeit im Monat, dazu Kommunalpolitik, Pressearbeit. Daran hat sich jetzt nicht viel geändert, nur dass ich jetzt nur noch in einem Sektor, in einem Fahrwasser tätig bin, was leichter ist. Aus Kunden sind Mitarbeiter und Bürger geworden. Da vieles hier persönlich statt am Telefon geht, eine deutliche Erleichterung. Der direkte Kontakt ist mir lieber. Die Menschen sind nicht mehr so aggressiv und man erfährt mehr Respekt.

Was mussten Sie erst noch lernen? Was war die größte Umstellung?
Lernen musste ich, wie Verwaltung funktioniert, wie in der Verwaltung gedacht wird. Die Anliegen der Mitarbeiter sind hier ganz andere. Andererseits ist in der Wirtschaft alles schneller, direkter. In der Verwaltung gibt es da erst einmal Gesetze und Vorgaben. Ich mache gerne ad hoc Entscheidungen. Das geht bei der Verwaltung nicht so leicht, worauf mich meine geschätzte Sekretärin Frau Schuler, die übrigens auch sehr auf meine Gesundheit achtet, immer wieder hinweist. Jetzt nicht mehr so oft wie am Anfang. Man muss sich eben erst einmal in Verwaltung reindenken.

Was sehen Sie als größten Erfolg Ihrer bisherigen Amtszeit?
Da ist eindeutig der Kreisel in Sassanfahrt. Das war über Jahrzehnte schon erklärtes Ziel, was aber nie geklappt hat. Ich habe es mit einer anderen Strategie probiert. Das und der Einsatz von Abgeordneten Rudrof zusammen mit Hartnäckigkeit hatte letztlich dann Erfolg. Als schönen Erfolg betrachte ich auch die Kooperation und den regelmäßigen Austausch mit den Nachbargemeinden.

Und was war die größte Enttäuschung?
Auch das ist eindeutig. Bei der Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes wurde Hirschaid, wie gesagt mit knapp 12 400 Einwohnern die größte Gemeinde im Landkreis Bamberg, nicht Mittelzentrum. Eben deswegen wollte ich mit Heimatminister Markus Söder sprechen. Dass ich das bislang in dieser Angelegenheit immer noch nicht konnte, ist ein weiterer Aspekt dieser Enttäuschung.
Wie stellt sich die Marktgemeinde Hirschaid dem demographischen Wandel?
Wir haben bereits sehr viel für Senioren gemacht. Dazu zählt auch die Etablierung eines demokratisch gewählten Seniorenbeirats, der sich bei diesen Themen einbringt. Geplant ist bereits eine seniorengerechte Wohnanlage mit 40 Wohneinheiten, freilich wird es daneben auch noch ein konventionelles Seniorenheim geben. Erklärtes Ziel ist es freilich, so lange wie möglich in der vertrauten Umgebung zu bleiben. Die Barrierefreiheit generell gilt es noch zu verbessern, gerade mit Blick auf verschiedene Arztpraxen.

Was hat für Sie Vorrang?: Die Innenentwicklung und Stärkung der Kernorte oder die Ausweisung von Bauland und Gewerbeflächen?
Ich bin bekannt für die Innenentwicklung und verdichtete Bebauung mit Sechs- bis Achtfamilienhäusern. Freilich brauchen wir als Wachstumsgemeinde mit einer jährlichen Zuwachsrate zwischen einem halben und einen Prozent auch weitere Neubaugebiete. So wird in Erlach eines mit etwa 20 bis 30 Baurechten entstehen, das wird im Moment geprüft, ebenso ein weiteres in der Regnitzau.

Welche Herausforderungen wollen Sie in den nächsten drei Jahren angehen?
Eine der ganz großem Herausforderung ist das Thema ICE-Ausbau. Es gilt, eine Komplettsperrung der Maximilianstraße zu verhindern. Schließlich sind n hier täglich bis zu 14 000 Fahrzeuge unterwegs. Stattdessen wollen wir eine punktuelle Sperrung, so wie es andernorts auch praktiziert wird. Durch den Ausbau fallen 100 Parkplätze weg, hier brauchen wir Alternativen. Ein weiterer Aspekt ist die Verlängerung des Bahnsteigs. Die Bahn will diese nach Norden, wir brauchen sie aber im Süden. Ansonsten gilt es, viel Geld unter die Erde zu bringen, also zu sanieren: Wasserversorgung, Kanal, Straßen, Kläranlage, dazu Mittelschule und Kindergarten. Es wird keiner sehen, was wir für Geld verbuddeln.

Bereuen Sie die Entscheidung beziehungsweise was gefällt Ihnen besonders?
Nein überhaupt nicht, zumal ich damals auch alles auf eine Karte gesetzt hatte und meine Stelle mit der Aufstellung neu besetzt wurde. Auch meine Frau, die an einen Gatten gewohnt war, den sie fast nie sah, hat jetzt mehr von mir, da wir gemeinsam Termine besuchen. Was mir aber wahnsinnig viel gibt ist, wenn mich Kinder aus Schule und Kindergärten besuchen, kennen und mir zuwinken. Manche Eltern sagen, sie müssen im Auto extra die Fenster runterlassen.



Dazu eine Stimme aus dem Gemeinderat

Horst Auer (SPD): "Die Zusammenarbeit mit Herrn Homann gestaltet sich ohne große Probleme. Die ersten Jahre waren geprägt von der ständigen Sorge, einen Haushalt zusammen zu bekommen der allen gerecht wird. Uns von der SPD Fraktion wäre es sehr willkommen, wenn aber in den nächsten drei Jahren die Weichen für einen sozialen Wohnungsbau gestellt werden könnten. Es fehlt in Hirschaid bezahlbarer Wohnraum für Menschen denen es finanziell in unserer Gesellschaft nicht so gut geht. Weiterhin wäre es äußerst wünschenswert, wenn ein größeres Augenmerk darauf gelegt werden würde, mittelständische Betriebe in Hirschaid anzusiedeln, die weitere Arbeitsplätze schaffen."


Und das das sagt der Nachbar

Karl-Heinz Wagner, Bürgermeister Altendorf: "Klaus Homann hat von Anfang an den Kontakt mit den Nachbarbürgermeistern gesucht, um seine Gemeinde voran und den südlichen Landkreis zusammen zu bringen. Kooperation, statt Konfrontation. Zusammenarbeit statt Konkurrenz. Monatliche Treffen der vier Bürgermeister des südlichen Landkreises hat er ins Leben gerufen. Auf dieser Ebene erfolgt ein reger und gewinnbringender Austausch. Nicht jeder muss das Rad neu erfinden, aber wissen, wie es in Schwung bleibt und dazu gehört die Erkenntnis, dass jede Gemeinde für sich stark sein kann, aber gemeinsam stärker. Klaus Hohmann hat sich von der ersten Minute an als verlässlicher, konstruktiver, kommunikativer und zielstrebiger Bürgermeisterkollege ohne Kontaktschwierigkeiten gezeigt."