"Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte ..." Wie schön wäre es, wenn dieses blaue Frühlingsband bald wieder flattern würde - wie in Eduard Mörikes Gedicht. Voller Sehnsucht richten sich alle Augen und Erwartungen auf den 1. März, denn da ist Frühlingsanfang. Ganz offiziell und meteorologisch abgesegnet. Das Datum wurde von der World Meteorological Organization, kurz WMO, einer Unterorganisation der UN, festgelegt.

Dezember, Januar und Februar zählen zu den Wintermonaten, die drei darauffolgenden Monate umfassen, meteorologisch gesehen, den Frühling. Mit der klaren Einteilung, dass jeweils drei Monate eine Jahreszeit ausmachen, lassen sich zum Beispiel klimatische Daten leichter vergleichen.

Phänologisch stellt sich die Einteilung der Jahreszeiten jedoch ganz anders dar. Orientiert man sich an der Entwicklung der Pflanzen in der Natur kann der Beginn des Frühjahrs nach hinten rutschen oder auch früher, also vor dem 1. März liegen. Geografische Länge und Breite, Höhe und Klimagebiete spielen hier eine Rolle.

Da es in den Städten häufig wärmer ist, tritt hier das Frühjahr eher ein als auf dem freien Feld. Phänologisch sieht es heuer im wahrsten Sinne des Wortes düster aus. Die beiden ersten Monate des Jahres zählen zu den dunkelsten seit den Aufzeichnungen der Wetterdaten, verkünden die meteorologischen Dienste.

"Natürlich reagieren unsere Pflanzen darauf", sagt Carmen Dechant von der gleichnamigen Gärtnerei in der Bamberger Gartenstadt. Laut ihren Beobachtungen war auch schon der Dezember zu dunkel und zu nass, was sich im Januar fortgesetzt hat. Da ihr Betrieb ausschließlich Freilandpflanzen anbietet, sucht der Kunde in ihrem Hof im Moment vergeblich nach blühenden Tulpen, Narzissen oder Primeln. "Wir können für unsere Pflanzen keinen Frühling simulieren, sondern müssen warten, was das Wetter sagt", so die Gärtnerin.

Ein Blick unter die schützende Schicht aus Folie und Glas zeigt, dass einige Pflänzchen schon die ersten Blüten treiben. Im November wurden die jungen Pflanzen abgedeckt und mit Beginn des Februars werden sie zum ersten Mal aufgedeckt. Zeigen sich dann die ersten Blütentriebe ist dies "für uns Gärtner wie Weihnachten und Ostern auf einmal", schwärmt die überzeugte Freiland-Gärtnerin.

Doch noch ist Vorsicht geboten. Immer wieder kann es kalte Nächte mit Frosttemperaturen geben und die zerstören vieles, was finanzielle Verluste für den Betrieb bedeutet. Ihre Pflanzen, die ohne Treibhaus langsamer wachsen, zeichnen sich jedoch durch eine höhere Widerstandskraft aus. Carmen Dechant weiß, dass ihre Pflanzen dann auch die eine oder andere Minustemperatur aushalten, die durchaus bis zu den so genannten "Eis-Heiligen" Mitte Mai auftreten können. Und sie ergänzt: "Die natürliche Blühzeit der Primeln ist ab Mitte März bis Mitte Juni."

Trotz dieser Einsicht ist es schwierig, der Versuchung zu widerstehen, schon jetzt die Frühlingsboten in die eigenen vier Wände zu holen. Ein Rundgang auf dem Grünen Markt in der Bamberger Innenstadt zeigt ein üppiges Angebot bei den Blumenhändlern. Hier stehen Tulpen, Narzissen, Hyazinthen, Osterglocken oder Primeln dicht an dicht.

"Jeder will, dass der Frühling kommt", so eine Mitarbeiterin des Gärtnerbetriebs Robert Kresser aus Priesendorf. Vor ihr reihen sich die klassischen Frühlingsblumen in jeder erdenklichen Farbe auf und die tut Not.
"Man braucht Farbe, damit es einem seelisch besser geht", formuliert es Susanne Schweiger. Sie hält einen frischen Blumenstrauß mit Tulpen im Arm, den sie bei einem der Händler auf dem Markt gekauft hat. Sie schätzt hier die freundliche Beratung und möchte außerdem die heimischen Gärtner unterstützen. Ihr "geht das Herz auf", wenn sie die Pflanzenpracht in den leuchtenden Farben sieht. Und so kauft sie sich regelmäßig Blumen und tut sich damit etwas Gutes, wie sie lächelnd zugibt.

Im Blumenstudio am Maxplatz sieht es Nadine Neukamm ähnlich. "Wenn die Kunden die strahlenden Farben sehen, kommen sie in unser Geschäft", so die Mitarbeiterin. Als gebundenen Strauß oder Topfblume - Hauptsache farbig. Dies hilft, um die triste äußere Witterung ein wenig aufzuhellen und damit auch die eigene Stimmung.

Bei vielen Supermärkten oder in den großen Gartencentern werden bereits seit einigen Wochen Sträuße und Töpfe mit Frühlingsblumen angeboten. Dennoch: "Der Kunde ist noch nicht auf Frühling eingestellt", so Mareike Schorch vom Dehner-Gartencenter. Zwar werden Frühlingssträuße gern gekauft und die waren bereits in den Faschingstagen im Angebot, doch insgesamt zeigt sich der Kunde verhalten. Die Mitarbeiterin des Gartencenters erklärt es sich mit der Witterung: "Das Wetter spielt nicht mit."

Die Garten-Siedlungen, die die Pflanzen liefern, seien übervoll und warten darauf, dass die Temperaturen milder werden. Dann steigt auch die Lust, Pflanzen zu kaufen und mit der Arbeit im Garten oder auf dem Balkon zu beginnen. Für den Kunden ist die Qualität entscheidend, so ist die Erfahrung von Mareike Schorch und sie ergänzt: "Der Kunde möchte lange etwas von den Pflanzen haben."

Im vorindustriellen Zeitalter wurde das Frühjahr mit einer Sehnsucht erwartet, die heute dank der modernen Errungenschaften wie Strom und Gas nur schwer nachvollziehbar ist. Der Winter wurde im Brauchtum rasch zum "Bösen Mann" oder "Schwarzen Mann" stilisiert, den es auszutreiben galt. Bis heute werden Strohpuppen stellvertretend für den Winter verbrannt. Alternativ schlüpfen junge Männer in die Rolle des "Schwarzen Mannes" und werden von Mädchen mit Frühlingszweigen durch den Ort gejagt.

Und so heißt es heute: der Frühling ist meteorologisch da! Es wird sich zeigen, wann er auch phänologisch eintreten wird und sein blaues Band dann wieder durch die Lüfte flattern lässt.