Eine Suppenküche im Herzen der Welterbestadt. Wenige Meter vom Maxplatz entfernt, auf dem in einigen Wochen wieder der Weihnachtsmarkt eröffnet, gibt's ab heute wochentags eine warme Mahlzeit für bedürftige Menschen. Steigt der Anteil derer, die im Schatten der Wohlstandsgesellschaft leben, tatsächlich unbemerkt von den meisten weiter an?

In der Zwerggasse 4 erwartet Hans Neser heute erste Besucher. "Rein zufällig bekam ich mit, dass hier Räume frei werden und hatte den idealen Standort für eine Suppenküche gefunden", sagt der Vorsitzende des Bamberger Vinzenz-Vereins als Träger der Offerte. So möchte Neser Bedürftigen eine Alternative bieten, nachdem die Schwestern der Congregatio Jesu am Holzmarkt seit einer Weile zwar noch andere Lebensmittel, aber eben keine warme Suppe mehr ausgeben. Gerade mit obdachlosen Menschen, die unter Brücken oder in Parkhäusern schlafen und in der kalten Jahreszeit zu erfrieren drohen, fühlt der Vorsitzende des Bamberger Vinzenz-Vereins. "Nie vergessen werde ich den völlig ausgehungerten Mann, den ich eines Tages in der Fußgängerzone betteln sah. Und wie er die Kekse, die ich ihm gab, mit einem unvorstellbaren Heißhunger verschlang."

Keine Ausweise


Für Menschen wie den obdachlosen Mann, dessen Namen Neser nie erfuhr, aber auch andere mit geringem Einkommen, gibt's in der Zwerggasse nun wochentags von 11 bis 13 Uhr eine deftige heiße Suppe mit Brot. "Bei uns braucht man keine Ausweise vorlegen. Wir fragen nicht nach der Religion oder Staatsbürgerschaft, sondern helfen jedem da draußen. Wie sich das Angebot weiterentwickelt, hängt dabei natürlich vom Bedarf ab und ebenso der Unterstützung freiwilliger Helfer, auf die wir angewiesen sind."

Gibt es in Bamberg aber wirklich so viel Armut, dass es einer weiteren Offerte neben dem Treffpunkt "Menschen in Not" in der Siechenstraße 11 bedarf, wo Obdachlose ebenfalls ein warmes Mittagessen erhalten - neben einem Frühstück, Kaffee und Kuchen am Nachmittag? Tatsächlich stiegen die Besucherzahlen hier von 6.900 Männern und Frauen im Jahr 2002 auf ganze 17.590 in 2013, wie Peter Ehmann als Geschäftsführer des Bamberger Caritasverbandes berichtet. "Arbeitslosigkeit, Verschuldung. Und in einer Mittelstadt wie Bamberg kommen dann auch etliche Wohnungslose an, die Kleinstädten eher fern bleiben." Wobei rund ein Drittel der Menschen, die das Angebot des Treffs nutzen, Arbeitslosengeld II beziehen und ein weiteres Drittel von einer allzu schmalen Rente lebt.

Ähnliche Erfahrungen machte Wilhelm Dorsch als Vorsitzender der Bamberger Tafel, über die mehr und mehr Bedürftige ihre Lebensmittel kostenlos beziehen. "Zu unseren Öffnungszeiten am Mittwoch und Samstag strömen mittlerweile jeweils um die 130 Menschen. Darüber hinaus erreichen uns seit etwa einem Monat etliche Asylbewerber, die wir selbstverständlich nicht ausschließen wollen." Allerdings würden Flüchtlinge, die noch aus anderen Städten zur Tafel kommen, nach einer einmaligen Hilfeleistung gebeten, dortige Einrichtungen zu nutzen. "Auch unsere Kapazität hat eben doch Grenzen."

Erheblicher Rückgang

Währenddessen sank die Zahl der Obdachlosen, die in städtischen Einrichtungen leben, seit der Jahrtausendwende von 137 Menschen auf derzeit 25. Ein erheblicher Rückgang auch bei den Hartz-IV-Empfängern der Domstadt: Gab's 2007 noch 3.718 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, so sind aktuell nur mehr 2.412 verzeichnet, wie Hermann Zeis als Pressesprecher der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg berichtete. Demgegenüber steht der bundesweite Trend laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden. Danach nahm die Zahl derer, die Hilfen zum Lebensunterhalt erhalten, seit der Sozialreform im Jahr 2005 um ein gutes Drittel zu. Jeder Sechste gilt in Deutschland mittlerweile als armutsgefährdet.

Alles in Allem ein widersprüchliches Bild. Begrüßt wird die Suppenküche dennoch von vielen Menschen, die das Engagement des St. Vinzenz Vereins zu schätzten wissen. Wie nicht zuletzt Wilhelm Dorsch und seine Frau Michaela Revelant: "Diese Ergänzung des bisherigen Bamberger Angebotes ist für Bedürftige sicherlich eine große Hilfe."