Für die Verkehrsteilnehmer bedeutet die Baustelle am Hallstadter Marktplatz Umwege, für die Gewerbetreibenden Umsatzeinbußen. Wer jetzt vom Hallstadter Marktplatz auf die gegenüberliegende Straßenseite möchte, muss nicht mehr so schnell sein, wie noch vor kurzem. Dafür muss er geschickt sein und darf sich nicht vor großen Baumaschinen fürchten. Seit sieben Wochen laufen die Arbeiten für die Kanalsanierung und Marktplatzgestaltung. Das bedeutet eine Sperrung des Bereichs ab der Kreuzung Bamberger Straße Mainstraße und bis hin zur Raiffeisenbank.

Riesige Röhren und weiteres Baumaterial liegt am Marktplatz. Bagger und dergleichen bewegen sie dorthin, wo sie gebraucht werden. Vereinzelt kreuzen Menschen, die nicht zur ausführenden Firma gehören, die Baustelle. Weitgehend Stille, statt dem monotonen Brummen des an der Ampel ausgebremsten Durchgangsverkehrs.

Ansonsten meist Ruhe. Nicht gut für diejenigen, die auf den Zulauf von Menschen angewiesen sind, die Gewerbetreibenden. Andreas Friedmann ist Erster Vorsitzender des Hallstadter Gewerbevereins und als solcher verweist er auf die Warnung vor langer Zeit: Wenn der Durchgangsverkehr aus der Hallstadter Innenstadt herausgehalten wird, so wie es das stadtplanerische Konzept vorsieht, dann fehlt dem Handel wichtige Laufkundschaft, so Friedmann.

Aus Gesprächen mit Gewerbetreibenden weiß er, dass in der Bauphase, sollte sie länger dauern, der eine oder andere "in die Knie geht." Eigentlich gehe man von vier Jahren Bauzeit aus. Es kursierten jedoch Gerüchte, wonach es fünf Jahre dauern könnte. Es stünden einige Arbeitsplätze auf dem Spiel, gibt Friedmann zu bedenken.


Folgen eine Katastrophe

Mathilde Biesterfeld vom Optikergeschäft hält nicht hinterm Berg. Sie bezeichnet die Folgen der Baustelle schon jetzt als Katastrophe. "Vom Norden kommt kaum noch jemand." Wenn das nun vier Jahre oder länger dauere, könne so mancher zusperren. In ihrer Branche, wie in vielen anderen, sei es schwierig Personal zu bekommen. Nun erst musst sie eine Meisterin ziehen lassen, da sie wegen der Baustelle nicht sagen konnte, wie alles weitergehen wird. Sie (71) und ihr Mann Hermann (74) halten im Geschäft die Stellung, auch der Tochter zuliebe.

Bernhard Stretz betreibt sein Zweirad-Geschäft zwar am südlichen Stadtrand und hat gerade Hochsaison. Dennoch befürchtet der Zweite Vorsitzende des Gewerbevereins negative Auswirkungen: "Vom Norden her ist man sehr eingeschränkt und durch die Sperrung der Kreisstraße nach Gundelsheim fehlt auch die dortige Kundschaft." Generell, so meint er, lebe Hallstadt mehr von der Kundschaft aus Norden, Osten und Westen, "von Bamberg kommt kaum jemand."
Wenn derzeit noch Kundschaft noch Umwege etcetera in Kauf nimmt, um nach Hallstadt zu gelangen, dann schlage hier die Parküberwachung zu. Sie e sei einfach überkorrekt, findet Stretz. Für manche Kollegen sieht er schwarz, zumal als wichtiger Magnet nun auch die VR-Bank vorübergehend den Standort am Marktplatz verlässt und während der Sanierungsphase in der Niederlassung ins Bürgerhaus zieht. "Da verschwindet ein Frequenzbringer!"

Auf die fehlende Laufkundschaft hat Metzgermeister Holger Dietz schon reagiert und den Nachmittagsverkauf eingestellt. Die Kundschaft habe dafür Verständnis, sagt er. Froh ist Dietz durch seine Teilzeit-Tätigkeit als Fachlehrer an der Berufsschule die Einbußen zumindest ein bisschen abfedern zu können. "Die Rücklagen werden weniger und große Investitionen sind derzeit nicht drin," gibt er sich realistisch. Die derzeitige Situation bezeichnet Dietz als "enorme Belastung". Drei Rathaus-Sanierungen hat der Familienbetrieb in den letzten 20 Jahren bereits überstehen müssen . Durchhalten sei die Devise. Was Dietz sich nun wünscht ist, dass die Baustelle gut vorankommt und nach dem ersten Bauabschnitt die Kunden wieder ab der Kreuzung zum ihm hinfahren können, "denn der Kunde will den bequemsten Weg."

Hinfahren, das kann man zum Hampelmann, dem Second-Hand-Laden am Marktplatz derzeit nicht mehr. Aber Betreiberin Verena Alexander will nicht jammern. "Hitze ist immer blöd ", merkt sie in Anspielung auf die derzeitigen Temperaturen an . "In den Sommermonaten ist nie so viel Geschäft." Deswegen macht sie seit 23 in den Sommermonaten immer zu. Infolge von Baustelle und Sperrungen habe sie "freilich" Umsatzeinbußen. "Aber wenn danach alles wieder schön wird, muss man das eben überbrücken."

Leichte Umsatzeinbußen - "aber noch nicht existenzbedrohende" - räumt auch der Inhaber des Fotostudios, Peter-Schiller ein. Das liege daran, dass sich die Baustelle direkt vor seinem Geschäft befindet. Die Kunden können herfahren, parken und müssen dann halt wenden. Was ein bisschen aufwändiger sei. Schiller befürchtet jedoch, dass es verheerend wird, wenn keine Parkplätze mehr vorhanden sind. Er werde abwarten, die Bauphase müsse überstanden werden.
Abwarten will auch Doris Stiefler vom Blumenladen. Freilich stellt auch sie fest, dass vor allem am Nachmittag die Laufkundschaft weniger geworden ist, weshalb sie im Laden nun mit einer statt zwei Kräften auskommt. Bevor sie eine konkrete Aussage trifft, möchte sie erst einmal Mai, Juni und Juli abwarten und dann die Zahlen mit denen des Vorjahres vergleichen. Froh ist sie, dass man neben dem Blumenbereich auch noch im Bereich Landschaftsbau tätig ist. Sie versteht, dass die Straße gemacht werden muss. Nur würde sie sich wünschen, dass die Schilder mit dem Verweis, dass die Geschäfte erreichbar sind, größer werden.

Dass es für den Ortskundigen nicht einfach ist, die Reubelsmühle zu finden, insbesondere wenn man dann noch einen Nichtheimischen nach dem Weg fragt, muss Müller Stefan Dauerlein jetzt immer öfter erfahren. "Wenn ich die Einfahrt von der Kilianstraße nicht hätte, könnte ich zumachen." Neben Mehl verkauft Dauerlein Futtermittel und Naturkostprodukte und fahrtechnisch geht es bei ihm schon eng zu. Nicht jeder traue sich in die Bachgasse und über die schmale Brücke.
Der Müller in vierter Generation hat Kundschaft aus einem Einzugsbereich von etwa 25 Kilometern. Die nehme die Strapazen des Umwegs zum Teil auf sich, weil sie lange Stammkunden seien.
Einbuße habe er selbstverständlich zu verzeichnen, "bestimmt 20 Prozent". Dauerlein setzt nun fest darauf, dass die Zufahrt vom Marktplatz her zur Erntezeit wieder möglich ist, weil er nur von hier von den Lkw beliefert werden kann. "Ich habe Kontrakte und muss während der Ernte einkaufen."

Was sagt die Stadtspitze zu der geschilderten Problematik? Bürgermeister Thomas Söder (CSU) hat es gewusst und gesagt, und das schon vor drei Jahren: Die Zeit der Bauphase wird für die Gewerbetreibenden in Hallstadt keine leichte, es werde eine harte Zeit und wohl auch eine mit Einbußen.

Thomas Söder stellt aber auch klar, dass die Stadt in dieser Hinsicht gerne helfe "sie unterstützt die Geschäftsleute, wo sie kann." Freilich, und auch daraus macht er keinen Hehl, erwartet er auch, dass sie von sich aus aktiv werden, etwa mit Werbung, oder Anpassung beim Einkauf.

Die Stadt habe mit der Einstellung von zunächst einmal 50.000 Euro in den diesjährigen Etat etwas getan, um Härtefälle aufzufangen - durch einen speziellen Fonds, einen Baustellen-Entschädigungsfonds. Söder betont dabei besonders den Begriff Härtefall. Inzwischen gebe es ein Gremium, das die Anträge prüfe, mit den Modalitäten sei man schon weit.


Gut im Zeitplan

Zum Zeitplan merkt Söder an , für den Bereich Marktplatz seien zwei Jahre vorgesehen und für die Lichtenfelser Straße ebenfalls zwei Jahre. Derzeit sei man ganz gut im Zeitplan. Der sei, mit Blick auf die Firma, vorgegeben, "den müssen sie einhalten". An die Regeln des Straßenverkehrs müsse man sich schon aus Sicherheitsgründen halten, unterstreicht der Bürgermeister mit Blick auf die Kritik am Parküberwachungsdienst. "Wenn die Polizei vorbeikäme, gäbe es auch einen Strafzettel", meint er in Anspielung auf bestimmte Verkehrs- und Park-Situationen.

In Sachen Hinweis und Schilder habe sich inzwischen auch etwas getan, sei die Stadt von selbst aktiv geworden. Seit Mittwoch hängen an den verschiedenen Stadteingängen große Banner, die explizit auf die Erreichbarkeit der Geschäfte im Hallstadter Stadtkern aufmerksam machen.