Der Spaß steht bei Halloween im Vordergrund - da können die Kritiker schon mal ein Auge zudrücken! Zumindest laut den beiden Studentinnen Elisabeth Gruber und Tina Kirsche. Für Gruber, die zugibt wegen des amerikanischen Ursprungs zunächst eher skeptisch gewesen zu sein, überwiegt heute allerdings der Spaß-Faktor: Die junge Frau zieht nun selbst von Tür zu Tür und fordert Naschereien von Fremden. Ihre Freundin Tina gehört auch zu den Anhängern des "Süßes, sonst gibt's Saures"-Kults: "Es ist einfach lustig, Süßigkeiten zu sammeln. Wenn Kinder an meine Haustüre kommen, lobe ich die kreativen Kostümierungen."

Dem Verkauf solcher Kostüme sowie eines großen Sortiments an Dekorationsartikeln in düsterer Aufmachung, hat sich das Bamberger Kostüm-Kaufhaus Schauer angenommen. Dessen Produktpalette reicht von Verkleidungen für jung und alt über Scherzartikel bis hin zu großflächigen Wandverzierungen: "Die Dekorationen beginnen bei Artikeln für den Garten wie einer Moorleiche oder schreienden Bewegungsmeldern. Aber auch Innenräume lassen sich durch beispielsweise mit ,Blut' bespritzten Folien gestalten", erklärt die Inhaberin Gundi Schauer.

Die Unternehmerin war 1984 erstmals darauf aufmerksam geworden, dass die in Bamberg stationierten Amerikaner im Herbst vermehrt Faschingskostüme kauften. Das Sortiment wurde dementsprechend ausgebaut: "Heute machen die Deutschen bei dem Zauber mit", so Schauer. Ein besonderer Kassenschlager in der Auswahl ist die aus dem gleichnamigen Horrorfilm bekannte Scream-Maske, dicht gefolgt von einer Werwolfs-Fratze.

Die Besitzerin selbst wird am 31. Oktober mit ihrer Enkeltochter durch die Straßen ziehen: "Die Kinder sind begeistert davon, von Tür zu Tür zu gehen. Ich selbst habe immer Süßigkeiten zu Hause und finde es unmöglich wenn Kinder vertrieben werden. Die darauf folgenden Reaktionen sollten jedoch im Rahmen bleiben."
Schauer, bei der der Name anscheinend Programm ist, sieht keine Konkurrenz zwischen Halloween und Allerheiligen, die Begeisterung für das makabere Event sei eben eine Generationssache und brächte etwas Abwechslung in die triste Zeit. "Warum sollte man der Jugend das wegnehmen? Wenn man Halloween nicht feiern darf, dürften wir auch Fasching nicht feiern, das beruht immerhin auch auf einem heidnischen Brauch."

Obwohl oft als neumodisch und amerikanisch verschrien, liegt der Bezug zwischen Bamberg und Halloween keineswegs nur in der Kaserne: Weil der Tag auch in Oberfranken mittlerweile recht intensiv begangen wird, bietet der Tourismus- & Kongress-Service (TKS) der Weltkulturerbe-Stadt spezielle Stadtführungen an: "Durch seine reiche Geschichte bietet Bamberg einen Haufen an gruseligen Legenden und Sagen, da liegt der Bezug zu Halloween doch nahe", erklärt Michael Häger von dem TKS.

Die Faszination des "Feiertages" sowie der Rundgänge begründet er damit, dass die meisten Leute ein bisschen Nervenkitzel und Grusel spannend fänden. Man wird sehen, ob die Leute sich, diesem Beispiel folgend, bald ein fröhliches "Frank-o-ween" wünschen.

Doch das Fest wird in Bamberg auch kritisch beäugt - wenn es überhaupt als solches angesehen wird. Manch einer kann gar von Vandalismus vor der Haustür berichten, so auch die Familie Keer; das Ehepaar hat in den vergangenen Jahren schon erlebt, wie sein Haus an diesem Tag mit Eiern beworfen wurde.

Dementsprechend ablehnend ist auch die Haltung der Eheleute gegenüber diesem Tag. "Das muss nicht sein, darauf können wir gut verzichten", meinen Roswitha und Friedrich Keer. Ihr Freund Benno Kahl geht einen Schritt weiter: Am liebsten würde er das Fest ganz verbieten lassen. Dabei stören ihn jedoch in erster Linie nicht die friedlichen, verkleidet feiernden Menschen, sondern eher die Auswüchse solcher Partys.

Diese Veranstaltungen, inklusive der dazu getragenen Kostüme, haben in der Größenordnung, in der sie mittlerweile stattfinden, auch zunehmend einen ökonomischen Aspekt bekommen. Diese Entwicklung wird meist, auch von Halloween -Befürwortern, argwöhnisch betrachtet.

"Mittlerweile wird das ja genau so vermarktet wie zum Beispiel Weihnachten und Ostern", meinen zwei sonst Halloweenbegeisterte Studentinnen. Doch nichts desto trotz werden sie den Tag auch dieses Jahr zelebrieren, aus Spaß an der Verkleidung, daran, einmal in eine andere Rolle zu schlüpfen.

Diese Art des Feierns und Amüsierens stößt freilich nicht überall auf große Sympathie.
Zumal der Tag auch mit zwei kirchlichen Feiertagen kollidiert, sehen viele Vertreter der katholischen Kirche das Spektakel eher skeptisch an: Sie befürchten, dass Allerheiligen und Allerseelen durch die Feierlichkeiten im Bewusstsein der Menschen in den Hintergrund gedrängt werden könnten.

So auch der Bamberger Pfarrer Marcus Wolf: Er verweist auf die heidnische Herkunft der Halloweeen-Tradition: "Ursprünglich entstand Halloween ja aus einer Angst heraus, der Angst vor den Seelen der Toten", erläutert er. "Diese müssen wir als Christen jedoch nicht haben."

Daher geht es aus seiner Sicht an diesem Tag auch vorrangig um etwas ganz anderes: "Natürlich wird damit ein Geschäft gemacht". Wegen dieser für ihn negativen Begleitaspekte würde er Halloween auch nie als Feiertag bezeichnen.

Sein Kollege Matthias Bambynek von der Oberen Pfarre sieht das ähnlich, hat jedoch auch Verständnis für das Fest und die Menschen, die es begehen. Seiner Erfahrung nach sind das vor allem Kinder und Jugendliche.
Sie hätten Spaß daran, sich zu maskieren und zu feiern, sagt er. Allerdings hat er auch bereits die Schattenseiten solcher Feiern kennen gelernt, etwa geworfene Eier. Daher war er früher Halloween gegenüber auch eher skeptisch eingestellt, doch mit der Zeit änderte sich das, zumindest ein wenig.

Mittlerweile sieht er den Tag und das Drumherum mehr in einem gesellschaftlichen Zusammenhang. Das hat auch mit seiner Rolle als Seelsorger zu tun, wie er ausführt: "Es ist meine Aufgabe, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen; wenn es ihnen also eine Freude macht, warum nicht? Ich erlaube mir darüber auch kein Urteil." Dass die Bedeutung der katholischen Feiertage davon nicht verdrängt wird, ist ihm dennoch wichtig.

Die Mitarbeiterin des Fränkischen Tag Katharina Behmer ist dem morbiden Fest von vorneherein positiv gegenüber eingestellt, hier erklärt sie warum :
An Halloween bin ich Zombie. Und das schon seit 15 Jahren. Manch einer wird jetzt sagen, dass es ja verständlich ist, wenn Kleinkinder einen Hang zu exzentrischen Verkleidungen haben - ich mit meinen knapp zwanzig Jahren wäre dafür aber nun wirklich zu alt.

Nein, Halloween ist und bleibt mein Lieblings Feiertag! Ich weiß, dass ich durch diese Aussage vermutlich viele gläubige Christen erzürne, aber ich bezeichne den 31. Oktober, auch abgesehen vom Reformationstag, bewusst als Feiertag. Ich feiere an diesem Tag den alten Brauch, böse Geister am Vortag von Allerheiligen abzuschrecken - eben als Zombie. Blasphemie? Finde ich nicht.

Natürlich respektiere ich den Glauben anderer und bin auch gerne ab 24 Uhr ein ruhig vor sich hin verwesender Untoter. Aber derselbe Respekt sollte auch dem alten keltischen Brauch, den ich zelebriere, entgegengebracht werden.

Obwohl um die Häuser ziehende Kinder relativ wenig mit heidnischen Traditionen zu tun haben, sind Süßigkeiten-Anfragen an meiner Haustür trotzdem stets willkommen. Ein bisschen Kommerz hat noch keinem Feiertag einen großen Abbruch getan und mir sind geschnitzte Kürbisfratzen in den Kaufhäusern momentan hundert mal lieber als Schokonikoläuse. Diese volkommen verfrühte "Weihnachts-Wunderland-Utopie" führt bei mir nämlich zu mehr Gänsehaut als jeder Skelettanzug es schaffen könnte!

Im Gegensatz dazu ist Sarah Dann, ebenfalls eine Mitarbeiterin des Fränkischen Tag, kein großer Fan vom Spuk rund um den 31. Oktober:
Halloween: So überflüssig wie Valentinstag. Oder eine Ausrede, sich mal wieder gänzlich daneben benehmen zu dürfen. Reine Geldmache. Kostüm, Schminke, blutrünstige Bowle, Wackelpudding: Wo ist hier bitte Tradition?

Das alles ist nichts als aus den USA rüber geschwapptes Gehabe, bei dem sich die Beteiligten hinter einer Fassade verstecken, um in einer Nacht "Angst und Schrecken" zu verbreiten...uhhhh. Das Teuflische an Halloween: Den Hintergedanken, die christlichen Botschaften, die wirklich voller Tradition stecken, hat doch kein betrunkener Zombie an diesem Abend auf dem Schirm. Reformationstag, Allerheiligen und Allerseelen - Respekt, Mut, Hoffnung, Glaube, Zuversicht und Ehrung der (verstorbenen) Seelen haben aber keinen Platz unter den Masken.

Kürbis schnitzen, Kastanienmännchen bauen, Laubschlachten: Das gehört zum Herbst, von mir aus auch noch, dass Kinder Gespenster basteln. Aber Ekel, Schrecken und Unbehagen seinen Mitmenschen gegenüber zu verbreiten, hat in Deutschland nichts zu suchen. Fasching oder Karneval - wenn denn regional verwurzelt - bieten genug Möglichkeit, für mindestens einen blamablen Auftritt im Jahr.

Am 31.Oktober ist Reformationstag. Wenn einem also irgendetwas am Glauben, an der Frage nach dem "Wie geht es nach dem Tod weiter?", liegt, dann hat man heute Grund zu feiern und kann mit modernen Aktionen und gedanklichen Anstößen wie "ChurchNights" dafür sorgen, dass Kirche nicht zum Gespenst wird.
rd.

Wo liegt der Ursprung von Halloween und den christlichen Feiertagen zwischen Oktober und November? Alle vier Anlässe im Kurzprofil:

Halloween:
Ursprünglich stammt die Tradition, böse Herbstgeister durch wüste Verkleidungen abzuschrecken, aus dem irischen Keltentum. Nach der Christianisierung des Landes wurde diesen Feierlichkeiten der Name Halloween gegeben. Diese Bezeichnung leitet sich von "All Hallows Eve", also dem Abend vor Allerheiligen, ab. Als viele Iren im Laufe des 19. Jahrhunderts nach Amerika auswanderten, verbreiteten sich dort ihre kirchliche Kulthandlungen rasant. Das bunte Plastikgewand, in dem Halloween heute in Europa bekannt ist, haben wir allerdings wirklich den USA und der Süßwarenindustrie zu verdanken: Diese verhalfen dem Fest vor 20 Jahren durch Film und Fernsehen zu neuer

Allerheiligen/Allerseelen:
Am 1. November zelebrieren die Katholiken Allerheiligen, also das Gedenken an ihre bekannten sowie unbekannten Heiligen. Dieses gesammelte Andenken wird nötig, da nicht jeder von den über viele Jahrhunderte hinweg Heiliggesprochenen durch einen eigenen Tag bedacht werden kann. Nur in fünf Bundesländern ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag.

Allerheiligen wird oft im Zusammenhang mit dem am 2. November stattfindenden christlichen Feiertag (kein gesetzlicher) Allerseelen genannt. Dieser hat sich dem Gedenken an die bereits verstorbenen Angehörigen der Gläubigen angenommen: Traditionell werden an diesem Tag die Gräber von Familienangehörigen, Freunden und Bekannten besucht.


Reformationstag:
Auch ein evangelischer Feiertag (in fünf Ländern gesetzlich, allerdings nicht in Bayern) fällt auf die Schnittstelle zwischen Oktober und November: Am 31. Oktober wird der Reformation durch Martin Luther im Jahr 1517 gedacht. Vor 496 Jahren soll der Geistliche am Vortag von Allerheiligen seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben, um damit gegen die Ablasspolitik des katholischen Klerus zu demonstrieren. Die Kirche verkaufte zu dieser Zeit Ablass genannte Dokumente, die dem Käufer zusicherten, dass er nach seinem Tod nicht ins Fegefeuer käme. Luthers Protest führte letztlich zur Spaltung der Kirche in Deutschland und begründete die evangelische Kirche.