Noch ist nicht entschieden, welche der neun Varianten beim viergleisigen ICE-Ausbau in Bamberg zum Zuge kommt, für die Bürger östlich der Stadt steht bereits jetzt schon fest: Die Ostumfahrung kommt für sie nicht in Frage. Dies betonten sie geschlossen im Pfarrsaal der Kunigundenkirche. Hier trafen sich auf Initiative der Siedlungsgemeinschaft Bamberg-Gartenstadt neben zahlreichen Bürgern auch 13 Vertreter von umliegenden Gemeinden, Bürgervereinen und Verbänden.

"Erst kürzlich forderte der Oberbürgermeister der Stadt in Sachen Bahnausbau einen breiten Konsens aller Bürgerinitiativen. Und nicht nur den einer Initiative!", wetterte Siegmund Schauer, Erster Vorsitzender der Siedlungsgemeinschaft. Daher sei es nur schwer zu verstehen, warum beispielsweise bei den kürzlich von TV-Oberfranken durchgeführten Bamberger Gesprächen nur die Arbeitsgemeinschaft "Bahnsinn" aufs Podium gebeten worden sei.

Ebenso unverständlich für Schauer ist es auch, dass nur die Bürgerinitiative "Bahnsinn" im Koordinierungskreis sitze und nicht andere Initiativen oder Bürgervereine. Zudem lasse sich Schauer von der Arbeitsgemeinschaft "Bahnsinn" nicht vorwerfen, die Siedlergemeinschaft und der Osten Bamberg handle mit seiner strikten Ablehnung der Ostumfahrung nur im Eigeninteresse und nicht für das Gemeinwohl.

"Wenn uns die Arbeitsgemeinschaft Bahnsinn in den nächsten Tagen nachprüfbar darlegen kann, dass sie für mehr Bamberger Bürger spricht, als unsere heute hier anwesenden Vertreter, dann unterstützen wir die Arbeitsgemeinschaft vorbehaltlos", betonte Siegmund Schauer. Er selbst, so fügte er abschließend hinzu, spreche für 510 Mitglieder.

Memmelsdorfs Bürgermeister Johann Bäuerlein (WLW) gab an, für 9400 Bürger zu sprechen. Eine Stellungnahme zu den einzelnen Varianten wollte er aber vor dem nächsten Treffen des Koordinierungskreises am 19. April nicht geben. Allerdings, so unterstrich auch er, werde seine Gemeinde keine weitere Lärmbelästigung mehr hinnehmen. "Wir sind zwar gegen das Floriansprinzip, aber die Gemeinde Memmelsdorf hat in den letzten Jahren schon viel Lärmbelästigungen unter anderem durch die Amerikaner hinnehmen müssen", sagte er. Zusätzlichen Bahnlärm wolle man nicht hinnehmen. Daher werde seine Gemeinde für eine saubere Lösung kämpfen, mit der alle Beteiligten leben könnten.

"Nein" aus Gundelsheim

Ein ganz klares "Nein" zur Ostumfahrung verkündete Jonas Merzbacher (SPD), Bürgermeister von Gundelsheim. "Unsere 3500 Bürger haben sich sowohl im Gemeinderat als auch bei einer Bürgerversammlung gegen eine Ostumfahrung ausgesprochen." Und zwar ganz gleich welche: Die Gemeinde lehne sowohl eine Umfahrung mit ICE als auch die von der Arbeitsgemeinschaft "Bahnsinn" vorgeschlagene Güterverkehr-Umfahrung strikt ab.

Gleichzeitig versprach Merzbacher Unterstützung für die Bewohner vom Distelweg im Kampf für ihren Lärmschutz. Zudem glaubt er, dass eine Ostumfahrung bei der Bahn längst vom Tisch sei. Merzbacher sagte, er habe ein Schriftstück erhalten, worin die Bahn ihm mitteilte, dass die Gemeinde Gundelsheim bei weiteren Planungen nicht mehr beteiligt sei.

Gegen eine Ostumfahrung sprachen sich Dagmar Raab vom Bund Naturschutz und Brigitte Pfister vom Landesbund für Naturschutz aus. "Ich denke, dass auch die Bahn weiß, dass man in einen Bannwald wie den Haupts moorwald nicht so eingreifen kann", schilderte Raab. Zudem sah sie enorme Probleme und Kosten beim Bau einer Trasse durch den Wald.

Brigitte Pfister hingegen plädierte für den Erhalt von wertvollen Sandlebensräumen im Hauptsmoorwald, in denen seltene Pflanzen- und Tierarten vorkämen. Und auch Dieter Volk vom Verkehrsclub Deutschland gab sich kämpferisch und forderte unter anderem: "Hände weg vom Hauptsmoorwald! Denn dieser Wald ist ein Schatz, der durch nichts ersetzbar ist."

Ein einstimmiges Votum gegen eine Ostumfahrung kam von den drei Bürgervereinen: Bamberg-Ost, Bamberg-Gartenstadt und Kramersfeld. Alle drei Vorstandsmitglieder betonten, dass sie den Raubbau an der Natur nicht hinnehmen werden.

Und Hans-Jürgen Bengel vom Bürgerverein Kramersfeld - Bruckertshof - Hirschknock unterstrich, dass seine Stadtteile gegen eine Ostumfahrung jeglicher Art mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen werde. "Wir haben schnell diese Variante abgelegt, da wir nicht glauben, dass die Bahn einen Tunnel bauen wird, der uns vor weiteren Lärm schützen wird. Zumal diese wirtschaftlich denken muss", erläuterte er.

Und auch der Aero-Club, dessen Mitglieder, wie Wolfgang Weinkauf sagte, zwar nicht unmittelbar dort wohnen, würde sich mit seinen umliegenden Nachbarn solidarisch zeigen und gegen eine Ostumfahrung plädieren. Zumal auch der Flugplatz dann betroffen wäre und die Landebahn um 200 Meter verkürzt werden müsse. "Das wiederum hätte zur Folge, dass wir mit einer geringeren Flughöhe starten und landen müssten und somit würde der Lärm zunehmen", schilderte Weinkauf. Für den Erhalt des Haupts moorwaldes in seiner jetzigen Form und gegen eine Ostumfahrung votierten ferner die Betreiber des Golfclubs, der Reit- und Fahrverein sowie die Siedlergemeinschaft Hirschknock.

Alle Bürgermeister, Bürgervereine und Verbände beschlossen zudem, zunächst das Ergebnis des Koordinierungskreises abzuwarten. Sollte dann eine Ostumfahrung weiter im Raum stehen oder gar drohen, in die engere Wahl zu kommen, werde man massiven Widerstand formieren, machten die Teilnehmer des Treffens deutlich.