"Das tut weh, sie hier so zu sehen." Holger, Dominic, Timo und Mischa haben gerade eine Tour entlang von Gittern und vorbei an Käfigen hinter sich. Die Wesen, die ihnen in die Augen blicken, die können ja nichts dafür. Die seien schließlich unverschuldet hier, sagen die vier jungen Männer nach ihrer Führung durchs Bamberger Tierheim Berganza. Zu dieser Exklusiv-Führung hat der Ebracher Delegation eine Spendenaktion verholfen. Mission der vier Männer im Alter zwischen 19 und 23 ist es nun, das Geld zu überbringen.



Ihr Kumpel Dino hatte die Idee dazu. Der ist heute leider verhindert. Das habe seinen Grund im Gefängnisalltag, lässt der evangelische Gefängnispfarrer Alexander Titz kryptisch wissen. Anstaltsleiter Gerhard Weigand lächelt wissend. Tierschutzvereins-Vorsitzender und Gastgeber Liebhard Löffler kann damit offenbar wenig anfangen. Aber es handelt sich hier ja auch um den ersten Besuch einer Ebracher Abordnung der der Justizvollzugsanstalt (JVA) im Tierheim.


Der Anstaltsleiter ist dabei
Den Alltag in Berganza kennt er, aber über den der JVA weiß Löffler zu Beginn des Besuches zwangsläufig nichts; am Ende wird er ein ganz klein wenig Einblick gewonnen haben.
Es sei schon etwas ganz Außergewöhnliches, dass ein Anstaltsleiter so etwas wie das hier macht, merkt Titz respektvoll an. Dadurch, dass Weigand persönlich mit zur Spendenübergabe gekommen sei, unterstreiche der Gefängnisleiter die Bedeutung, die er der Tieraktion, der Kontaktanbahnung und der Spende beimisst: 217,30 Euro.

Klingt wenig spektakulär. Einem Gefangenen stehen aus seiner Arbeit im Knast pro Monat aber maximal 100 Euro für persönliche Dinge wie Süßigkeiten, Tabak und dergleichen zur Verfügung. Aus einem Stundenlohn von 1,38 Euro. Das lässt nun die tatsächliche und vom absoluten Betrag losgelöste Dimension der Spende erahnen.
Im Gegensatz zu anderen Spendenaktionen war die für Tiere die erste, die wirklich von Erfolg gekrönt war, sind die Ebracher stolz.


Hunde kommen zu Besuch
Für diesen Zweck hätten die Jungs gerne was gegeben, führt Holger aus. Warum ausgerechnet Geld fürs Tierheim? Die Jungs wollten sich bedanken, erklärt Ingrid Wintergerst-Gaasch. Sie ist Vorsitzende des Vereins "Tiere helfen Menschen", und der kommt seit Jahren regelmäßig nach Ebrach, so dass Gefangene Hunde ausführen können. Mit Hunden, die ihrerseits aus den unterschiedlichsten Tierheimen kommen. Beim Tierheim Berganza fand Wintergerst-Gaasch die Spende aus diesem Grund am besten untergebracht.

Am Anfang des Ganzen stand übrigens ein Schwein, blickt Pfarrer Titz zurück. Sein katholischer Kollege Hans Lyer hatte gesehen, wie ein Gefangener ein Schwein aus der anstaltseigenen Landwirtschaft umarmte und was das Tier dabei in ihm auslöste. Dann durften Gefangene ins alte Tierheim zum Helfen und Gassi gehen. Was zu aufwändig wurde, weshalb Ingrid Wintergerst-Gaasch dann den Spieß umdrehte und mit den Tieren zum Spazierengehen und Herumtollen mit den jungen Gefangenen nach Ebrach fährt.

Auf dem Gang durchs Tierheim kommen die vier jungen Männer auch an einem großen Foto vorbei, auf dem sie "ihre Hunde" erkennen. Die Wiedersehensfreude ist groß. Weil der Tierschutzverein diese überaus außergewöhnliche und so Löffler "ganz tolle Spende" zu schätzen weiß, bedankt sich der Verein mit einer Sonderführung für die JVA-Delegation. Silke Kossmann geleitet die Gruppe zuerst in den Kleintierbereich, dann zu den Katzen und am Ende zu den Hunden. Hier gibt es für die jungen Männer kein Halten mehr, als der lebhafte Max nicht genug haben kann von Streicheleinheiten. Von frühester Jugend an wurde er an der Kette gehalten.

Vier Hände wollen den kleinen Dackel gleichzeitig streicheln. Empathie, das weiß der Pfarrer, also Mitgefühl, das wecken die Hunde in den jungen Gefangenen. Ein Merkmal, das sie ganz bestimmt nicht nach Ebrach gebracht hat. Timo fühlt sich von so manchem Tierschicksal offenbar angerührt. "Wenn ein Tier scheiße behandelt wird", wie er es nennt. Ob er das kennt, "scheiße behandelt" zu werden? "Ja", erwidert er dazu kurz.


Parallelen zum Gefängnis
In die jungen Gesichter legt sich ein sanfter Ausdruck. Sogar das Wort süß ist leise zu vernehmen. "So ein Hund braucht doch Zuneigung", fordert Timo, fast ein bisschen verlegen. "Wie Menschen", schiebt Holger nach.
Auch Pfarrer Titz kommen beim Rundgang Parallelen in den Sinn: "Das ist ja fast wie im Gefängnis, man befasst sich mit der Frage, was geschieht nach der Entlassung."

Das soll nicht der letzte Besuch von Ebracher JVA-Gefangenen gewesen sein, deutet sich beim Abschluss-Gespräch an. Das Tierheim könnte im einen oder anderen Bereich Hilfe brauchen, und dass die jungen Leute gerne hierher gekommen sind, daran besteht wohl kein Zweifel. Und eine Weihnachtsbotschaft gibt's auch noch auf den Weg: Ausgerechnet eine Problemkatze findet an diesem Tag ein neues Heim. "Es gibt zum Glück immer wieder Menschen, die gerade so ein Tier wollen."