Mit einer "schlechten Nachricht für alle Beteiligte" begann der zweite Prozesstag gegen Klaus A. (Name von der Redaktion geändert) aus Forchheim am Bamberger Landgericht. Die Hauptverhandlung um einen versuchten Mord, eine mutmaßliche Eifersuchtstat, ist zu Ende, ehe darüber auch nur ein Wort fiel.

Weil der psychiatrische Gutachter erkrankt und seine Genesung nicht absehbar ist, sah das Schwurgericht unter Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt keinen anderen Weg, als das Verfahren auszusetzen. Wieder aufgenommen wird es voraussichtlich im Februar. Bis dahin könnte eine Exploration des Angeklagten durch einen anderen Sachverständigen vorliegen, der auf Bitte des Schwurgerichts einspringen will.

Noch kein Wort zur Tat

Ohne Sachverständigen zu verhandeln kommt für das Schwurgericht nicht in Frage. Man hält ein Gutachten, das etwas über die psychische Verfassung des Angeklagten zur Tatzeit aussagt, für unverzichtbar.

Schließlich steht für den 49-Jährigen viel auf dem Spiel: Bei A. handelt es sich um einen bislang unbescholtenen Handwerksmeister, mittelständischen Arbeitgeber und Vater von vier Kindern, der am Morgen des 28. Mai 2013 versucht haben soll, den mutmaßlichen Liebhaber seiner Frau umzubringen. Tatwerkzeug soll ein Hartgummihammer gewesen sein, wovon es im Fliesenleger-Betrieb von A. etliche gab und gibt.

Sein Verteidiger Jochen Dotterweich (Nürnberg) erwartet vom Gutachter eine Aussage darüber, ob sein Mandant möglicherweise "in einer affektiven Situation" gehandelt hat. Eine Affekttat hat in der Regel eine Strafmilderung zur Folge.

Weil der - jetzt erkrankte - Gutachter schon am ersten Verhandlungstag aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, hatte das Gericht im Einvernehmen mit den anderen Prozessbeteiligten alle Fragen und Zeugen zur eigentlichen Tat auf den gestrigen zweiten Prozesstag verschoben.

Der Sachverständige müsse Gelegenheit haben, sein Bild vom Angeklagten und seinen Kenntnisstand vom Tathergang durch die Teilnahme an der Beweisaufnahme abzurunden und seinerseits Fragen zu stellen, erläuterte der Vorsitzende Richter.

Nun freilich "platzte" das Verfahren, ohne dass A. Gelegenheit hatte, sich zum Tatvorwurf zu äußern. Auch die angekündigte Stellungnahme durch seinen Verteidiger gab es nicht.

Der Rechtsanwalt deutete in einer Art vorgezogenem Plädoyer allerdings an, dass der Angeklagte einen Schlag mit dem Hartgummihammer auf den Hinterkopf seines Bauleiters und mutmaßlichen Nebenbuhlers einräumen wird. Dotterweich ließ erkennen, dass er in dem Angriff eher eine gefährliche Körperverletzung denn ein versuchtes Tötungsdelikt sieht.

Gegen einen Mordversuch spricht seiner Meinung nach allein die wie er sagte, "leichte Verletzung": Das Opfer trug eine tief klaffende Platzwunde davon; seine Schädeldecke blieb zum Glück jedoch unversehrt.

Was genau ist passiert?

Der Anklageschrift zufolge blieb es aber nicht bei dem einen Schlag. A. soll weitere Hiebe mit dem Hammer in Richtung des Opfers geführt haben. Als der Mann sich unter einen geparkten Lastwagen retten konnte, habe der Angeklagte nicht aufgegeben, sondern versucht, den anderen noch mit einem langen Metallschaber zu treffen und zu verletzen.

Darauf wies Oberstaatsanwalt Bernd Lieb hin. Für ihn ist der Vorwurf des versuchten Mordes keineswegs entkräftet worden. Deshalb wandte er sich gegen den Antrag des Verteidigers, den Haftbefehl gegen Klaus A. außer Vollzug zu setzen.

Dafür sah auch das Gericht keinen Grund. "Am dringenden Tatverdacht hat sich nichts geändert!" so Manfred Schmidt. Er wies darauf hin, dass der 49-Jährige das mutmaßliche Tatwerkzeug verschwinden ließ - der Hammer soll im Rhein-Main-Donau-Kanal liegen - und versucht haben soll, Blutspuren am Tatort zu beseitigen. Aus Sicht der Richter spricht noch einiges gegen eine Freilassung des Angeklagten, unter anderem eine gewisse Verdunkelungsgefahr im familiären Umfeld. Schmidt: "Wir wollen eine Einflussnahme über das unvermeidliche Maß hinaus vermeiden."

A. hat nach eigenen Angaben vom ersten Verhandlungstag trotz seiner Inhaftierung weiter einen guten Kontakt zu seinen Angehörigen. Von der Noch-Ehefrau abgesehen besuchen sie ihn auch in der Untersuchungshaft.

Etliche Verwandte waren am zweiten Verhandlungstag wieder in den Schwurgerichtssaal gekommen, um mit dem Vater, Sohn oder Bruder Blicke oder ein paar Worte zu wechseln.

OLG prüft Haftfortdauer

Die letzte Hoffnung des Forchheimers, vielleicht doch noch vor Weihnachten auf freien Fuß zu kommen, liegt jetzt beim Oberlandesgericht Bamberg. Der zuständige Senat wird sich in Kürze mit der Frage von A.s Haftfortdauer befassen - laut Schmidt erfolgt dies immer dann, wenn eine Untersuchungshaft länger als sechs Monate dauert.

Klaus A. "sitzt" seit 29. Mai ein.