Der Wohnungsmarkt in Bamberg ist eng. Das spüren mittlerweile selbst gut betuchte Senioren, die vom Land in eine Eigentumswohnung in der Stadt ziehen möchten. Richtig brutal ist die Wohnungsnot aber für jene, die auf der anderen Seite der Mietreputationsskala stehen. Etwa die ehemaligen Strafgefangenen der Justizvollzugsanstalt in Bamberg. Sie haben durch die Misere so gut wie kaum eine Chance auf eine eigene Wohnung und damit zur Rückkehr in die Gesellschaft. Selbst die sozialen Wohnungsbauunternehmen winken dankend ab, wie Otto Buchberger erzählt, der als Bewährungshelfer ein Übergangswohnheim leitet. Für seine acht Bewohner wird die frühere Durchgangsstation notgedrungen zum Dauerprovisorium. "Der Bamberger Wohnungsmarkt ist tot", sagt Buchberger.

In Zahlen lässt sich die prekäre Lage am Stadtentwicklungsplan Wohnen ablesen. Diese Studie hat der Gutachter Klaus-Peter Möller im Auftrag der Stadt sieben Jahre nach dem ersten Entwurf fortgeschrieben. Laut Möller kletterten die Mietpreise für eine rund 80 Quadratmeter große Wohnung zwischen 2006 und 2010 mit durchschnittlich 2,9 Prozent im Jahr - drei Mal so schnell wie zum Beginn des Jahrzehnts. 2011 legte der Bamberger Wohnungsmarkt einen regelrechten Bocksprung hin. "Allein in diesem Jahr stiegen die Durchschnittspreise um 17,2 Prozent."

Die "Übernachfrage" auf dem freien Markt verschärft auch den Druck auf die Sozialwohnungen. Wie Möller sagt, stehen derzeit 2100 Sozialwohnungen etwa drei bis vier Mal so vielen Personen gegenüber, die berechtigt wären, eine geförderte Sozialwohnung zu beziehen. Doch woher soll man den günstigen Wohnraum nehmen, wenn er nie gebaut wurde?

Und nicht nur an Sozialwohnungen herrscht Mangel. Es wurde überhaupt zu wenig gebaut und zu zögerlich Bauland ausgewiesen, stellt Möller fest. Wie der Systemanalytiker sagt, entstanden zwischen 2004 und 2011 in Bamberg 1900 neue Wohnungen, davon 700 für Studenten und 1200 "normale" Wohnungen. Weil in der gleichen Zeit 700 Wohnungen aufgelöst, abgebrochen oder umgewidmet wurden, beläuft sich der Nettoneuzugang laut Möller auf kärgliche 500. "Da hat sich relativ wenig getan hat."

Die "Diskrepanz" zwischen Angebot und Nachfrage, die vor allem Familien mit nicht zu üppigem Einkommen trifft, ist vor vor allem den Bamberger Grünen ein Dorn im Auge. Stadträtin Ursula Sowa sieht sich durch die Ergebnisse in ihrer Kritik bestätigt, dass die Stadt über ihren zahlreichen Investitionsvorhaben den Wohnungsbau sträflich vernachlässigt hat.

"Die Stadt hätte die Möglichkeit diesem Trend entgegenzusteuern, aber sie tut es nicht in ausreichendem Maße", wirft die grüne Politikerin der Stadtspitze vor. Fördermittel von Bund und Land würden nicht abgerufen, obwohl sie vorhanden seien. Das Ergebnis könne man an den Mieten sehen: "Die Stadt boomt auf dem Rücken der schwächeren Einkommensgruppen."

Die städtische Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar bezweifelt nicht, dass der Bamberger Wohnungsmarkt für viele Menschen Klippen bereithält. Die Vorwürfe der Grünen lässt sie dennoch nicht gelten. Die Stadt tue, was sie könne. Zum Beispiel sei auf dem Gelände des früheren TV 1860 ein neues Wohnbaulandmodell aufgelegt worden. Dass der soziale Wohnungsbau stagniere, könne man nicht der Stadt in die Schuhe schieben. "Die Herstellung günstiger Wohnungen war attraktiv, als sie noch subventioniert wurde", sagt Siebenhaar. Sie wundert es nicht, dass ohne staatliche Förderung vorwiegend Luxusappartements entstehen: "Wohnungen unter dem Marktpreis zu bauen, ist nicht bezahlbar. "

Die Tatsache, dass es keinen Sozialwohnungsbau mehr gibt, ist für Experte Möller aber kein Grund zur Untätigkeit. "Die kommunalen Unternehmen könnten den Bau günstiger Wohnungen durch ihre Einnahmen im abgeschriebenen Wohnungsbestand quersubventionieren. In anderen Städten wird das auch gemacht."
Ein baupolitisches Rätsel werfen unterdessen die Zensus-Zahlen für den Bamberger Wohnungsbestand auf. Gegenüber den bisherigen Daten erbrachte die Volkszählung im Jahr 2011 die fast schon sensationelle Steigerungsrate von 3442 Wohnungen in 870 Wohngebäuden.

Damit läge der Bestand an Wohnungen bei 42.109 Wohnungen. Woher diese markante Aufwärtsbewegung kommt, ob die alte Datengrundlage so schlecht war oder ob der Stadt ein Bauboom entgangen ist, konnte am Dienstag auch Klaus-Peter Möller nicht beantworten.

OB Andreas Starke (SPD) sieht die neuen Zahlen als Indiz dafür, dass es um den Wohnungsmarkt in Bamberg so schlecht nicht bestellt ist: "Die mit dem Bevölkerungsboom zusammenhängende Steigerungsrate bei den Wohnungen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir dürfen aber nicht nachlassen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen."