Dieses Jahr werden sie dreißig, die Bamberger Grünen. Zum Geburtstag wünschen sie sich: bei der Kommunalwahl mit acht Vertretern ins Rathaus einziehen. Einer, der seit 1984 mit einer Unterbrechung im Stadtrat sitzt, ist Peter Gack. Er sagt: "Die GAL ist die geradlinigste Kraft im Stadtrat. Doch unsere politischen Aussagen tun manchmal weh." Wir haben uns mit ihm und Spitzenkandidatin Ursula Sowa unterhalten.

Wie ist das mit den Grünen - Vertreten Sie die Interessen der Ökos und Alternativen?

Ursula Sowa: Wir betreiben keine Klientelpolitik, sondern haben die ganze Stadt im Blick.
Peter Gack: Die GAL hat sich als die zuverlässige Kraft im Stadtrat heraus gestellt, die ihre Positionen geradlinig vertritt. Die Grünen wählen heißt, sich für eine Politik mit Charakter zu entscheiden.

Was sind Eckpunkte dieser Politik?

Ursula Sowa: Ganz klar eine nachhaltige Stadtentwicklung, Verkehr, solide Finanzen. Aber auch der Sozialbereich, Armut, generationenübergreifendes Wohnen oder Betreuungsfragen. Bei einer nachhaltigen Entwicklung gilt: Die Mischung macht's - aus einkaufen, wohnen, kulturellen Angeboten, einem gut vernetzten öffentlichen Personennahverkehr und mehr Grünflächen. In Bamberg haben wir die Besonderheit der Konversion. Das wird spannend...

Wie sollte man nach Meinung der GAL mit der Konversionsfläche umgehen?

Peter Gack: Es dürfen auf keinen Fall die selben fürchterlichen Fehler wie bei der Erbaspitze gemacht werden. Ja, wir haben da auch was versäumt. Dass die Stadt die Fläche an Privatinvestoren übergeben hat, das war ein Schuss ins Knie. Die machen, was sie wollen. Die Stadt soll das Konversionsgelände im Ganzen übernehmen. Und es dürfen keine städtebaulichen Maßnahmen mehr über Investoren abgewickelt werden.
Ursula Sowa: Ich stelle mir einen Stadtteil mit sehr viel Grünfläche vor. Wichtig ist vorerst, dass mit den bestehenden Objekten und der Infrastruktur schnell etwas passiert - zum Beispiel eine Zwischennutzung, wie aktuell angedacht. Ich kann mir gut das Modell der "Wächterhäuser" vorstellen: Hauserhalt durch Nutzung. Leer stehende Häuser werden an Nutzer vermietet, die nur die Betriebskosten zahlen müssen.
Insgesamt soll auf dem US-Gelände etwas entstehen, das genauso besonders ist wie unser Welterbe. Mir schwebt eine "Internationale Bauausstellung" (IBA) nach dem Vorbild anderer Städte vor, in der man Ideen zulassen und Experimente machen kann. Eine Art Wettbewerb, durch dessen Hilfe man herausfinden kann, was in dem neuen Stadtteil machbar ist.

Was ist denn "machbar" auf dem Bamberger Wohnungsmarkt?

Ursula Sowa: Die GAL hat immer gefordert, dass der soziale Wohnungsbau nicht vernachlässigt werden darf. Ich bin im Aufsichtsrat der Stadtbau. Wir fordern Bebauungspläne, in denen ein Anteil sozialer Wohnungsbau festgeschrieben wird. Darunter fallen auch preiswerte Mietwohnungen. Eine Stadtbau sollte keine Arena kaufen, keine Tiefgarage und kein Ärztehaus bauen.
Peter Gack: Das ist das Verfängliche. Die Stadtbau wird mit sachfremden Aufgaben überhäuft. Mit den Stadtwerken, in denen ich Aufsichtsrat bin, ist es das Gleiche: Da wird ein Hotel betrieben und ein riesengroßes Spaßbad gebaut, das zwei Millionen Defizit macht. Das Blöde ist: Wir stimmen dagegen und hinterher müssen wir das Beste aus etwas machen, das wir gar nicht wollten.

Was will die GAL eigentlich in Sachen ICE-Ausbau?

Peter Gack: Zunächst einmal eine Klarstellung: Der tatsächliche Begriff lautet "viergleisiger Bahnausbau". ICE fahren hinterher nicht mehr als jetzt, es geht hauptsächlich um die Güterzüge. Es ist grundsätzlich gut, dass Güter per Bahn transportiert werden und nicht nur auf der Straße.
Ursula Sowa: Wir wünschen uns eine lärm- und stadtbildverträgliche Lösung. Wir sind mit keiner der drei vorgeschlagenen Varianten zufrieden. Wir wollen eine Überarbeitung der Varianten und favorisieren keine bestimmte Strecke. Wir sind ergebnisoffen. Wenn aus ökologischen Gründen eine Variante nicht haltbar ist, müssen wir uns eben davon verabschieden.

"Sich verabschieden", würden Sie das auch von der Jugendherberge "Wolfsschlucht"?

Ursula Sowa: Wir möchten das Gebäude erhalten, aber es muss nicht zwangsläufig ein Haus für die Jugend sein. Es gibt dort 20 Zimmer, da ist auch eine getrennte Nutzung möglich. Man könnte über ein Gästehaus für Studierende, Touristen, allgemein Gäste, nachdenken. Die "Wolfsschlucht" könnte auch verkauft werden - vorausgesetzt, die Nutzung wird dem Haus gerecht. Und bitte nicht an einen Privaten. Wir hätten auch die Nutzung als Asylbewerberunterkunft - als Interimslösung für zwei bis drei Jahre - mitgetragen. Für Asylbewerber möchten wir generell aber eine dezentrale Unterbringung und eine gute Sozialbetreuung.

Apropos dezentral: So manche Veranstaltung würden Sie gerne aus der Innenstadt verbannen...
Peter Gack: Ja! Laute Großveranstaltungen haben in der Bamberger Innenstadt nichts verloren - vor allem ein "Public Viewing" im bisherigen Stil.
Ursula Sowa: Wir begrüßen Veranstaltungen, die den Charakter Bambergs treffen. Einfühlsame Veranstaltungen, die zu unserer Weltkulturerbestadt passen. Zaubern und Jazz, das passt eigentlich zu Bamberg. Doch die Ausgestaltung ist ins Übermaß gestiegen.
Peter Gack: Es gibt mittlerweile fast nur noch Verpflegungsbuden. Wir wissen um den wirtschaftlichen Druck, doch der darf nicht eine Veranstaltung bestimmen.

Nicht nur zu Veranstaltungen, auch generell kommen gerne Touristen nach Bamberg. Sind es schon zu viele?
Ursula Sowa: Die Tourismussituation ist an der Obergrenze. Der Kulturtourismus sollte gefördert werden, das Bamberger Umland mehr beworben werden. Für die Stadt fordern wir eine moderate Kulturtaxe, die unserem Welterbe zugute kommt.
Peter Gack: Noch sind die Touristen nicht zu viele, die Art und Weise ist das Problem. Alle kommen an einer Stelle zusammen, alle wollen zum Dom. Warum bewirbt man etwa das Gärtnerviertel nicht stärker?

Das Gespräch führte
Anna Lienhardt
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