Der Hauptbeschuldigte muss recht arm dran sein: Crystal Meth soll auch den 51-jährigen Bamberger fest im Griff haben. Er muss entsprechend von der Droge gezeichnet sein. Zur Finanzierung seiner eigenen Sucht hat der Mann wohl einen recht regen Rauschgifthandel betrieben. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Bamberg am Freitagmorgen wurde das Ausmaß dieses Handels in Ansätzen deutlich: "Crystal ist schon länger in Bamberg unterwegs, neu ist allerdings, dass wir so eine große Menge hier gefunden haben", sagt der Chef der Bamberger Kriminalpolizei, Kriminaldirektor Ralf Popp.

Fast 650 Gramm Crystal
Der Schlag gegen einen Drogenhändlerring um den Bamberger war bereits am 17. November gelungen. Gegen 19.30 Uhr stoppten die Drogenfahnder den Mann, der mit einem 52-Jährigen im Stadtgebiet unterwegs war. Bei den beiden fanden die Beamten rund 650 Gramm der Droge Methamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth. Die Männer seien umgehend festgenommen worden.

Später sind auch zwei weitere Bamberger ins Visier der Ermittler geraten: Bereits einen Tag nach dem Zugriff durchsuchten die Rauschgiftfahnder mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei mehrere Wohnungen. Bei zwei weiteren Komplizen des Dealers entdeckten die Beamten eine größere Menge Marihuana und Crystal sowie einige Schreckschusswaffen. Auch diese beiden Bamberger wurden festgenommen.

Der Zugriff sei lange vorbereitet worden: "Wir haben sieben Monate lange verdeckt ermittelt", sagt Kriminalhauptkommissar Roland Zoeke, Leiter des Fachkommissariats für Rauschgiftdelikte. Auf die Spur seien die Ermittler nur durch Mithilfe aus der Bevölkerung gekommen: Besorgte Großeltern und Eltern von jungen Konsumenten hatten sich bei der Polizei gemeldet. "Die Bevölkerung hat einen großen Anteil an diesem Erfolg", betont Zoeke. Insgesamt werde nun gegen rund 50 Personen ermittelt.

Das Besondere an dem Fall sei nicht nur die Menge des gefundenen Methamphetamins, sondern auch die hohe Qualität: "Die lässt sich an der Größe der Kristalle erkennen, da das Crystal noch nicht zerkleinert ist", sagt Zoeke.

Die Drogen soll der 51-Jährige selbst aus Tschechien eingeführt haben. Es hat einen Einkaufswert von 10 000 Euro. Der Verkaufswert soll ein Vielfaches betragen. In Bamberg sei ein Gramm Crystal dieser Qualität rund 100 bis 120 Euro wert. Der Hauptbeschuldigte sei geständig. Er belaste sich selbst, sagt Zoeke. So soll er rund drei Kilogramm Methamphetamin innerhalb eines Jahres in Bamberg und dem Umland verkauft haben.

Zweitgrößter Fund in Bamberg
"Die Beschuldigten werden mit erheblichen Strafen zu rechnen haben", sagt Oberstaatsanwalt Martin Dippold. Der Strafrahmen beginne für unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln und der unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln bei zwei Jahren Gefängnis. Die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft Bamberg habe jeden Monat im Rauschgiftbereich bis zu 50 Fälle zu bearbeiten, sagt Dippold, doch sei die Größenordnung dieses Falls außergewöhnlich.

Auch Fahnder Roland Zoeke, der seit 1995 im Fachkommissariat für Rauschgiftdelikte tätig ist, kann sich nur an einen größeren Fall in Bamberg erinnern, als vor zwei Jahren rund 730 Gramm Crystal gefunden worden waren.

Für die Region gilt Ähnliches: Vor gut zwei Monaten stießen Ermittler in Coburg auf ein Kilogramm der gefährlichen Droge. Der größte Fund in Oberfranken wurde bisher in Hof gemacht. Als der Zoll am 1. Oktober auf der A9 bei einem Mann, der ebenfalls mit dem Auto aus Tschechien eingereist war, fündig wurde. Den Fahndern fielen vier Kilogramm Crystal Meth in die Hände, die in einer Plastiktüte eingewickelt im Fußraum des Passat lagen.