Das sagt unser Tester:

Die Jubelkommunionfeier in der Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere war insgesamt eine runde Sache. Dabei war vieles so, wie es der Gottesdienstbesucher auch aus anderen Kirchen kennt, die große Überraschung blieb aus. Viele Gläubige schätzen das Bewährte, freuen sich, wenn sie die Lieder kennen und mitsingen können. Ob das genügt, auch Kirchenfremde heranzuführen, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Auch nicht, ob die Ministranten hier in anderen Gottesdiensten noch mehr Aufgaben übernehmen, etwa die Kollekte oder Fürbitten. Es bleibt aber der Eindruck eines gelungenen traditionell-festlichen Gottesdienstes.

Einstieg

Feierlich zieht Pfarrer Michael Herrmann in Begleitung von zwei Diakonen und zehn Ministranten ins Gotteshaus ein. Die Begrüßung fällt kurz, aber freundlich aus. Der Geistliche blickt seine Gemeinde an, heißt insbesondere die zahlreichen Jubelkommunikanten und die frischgebackenen Kommunionkinder willkommen. Herrmann verspricht einen festlichen Gottesdienst und weist darauf hin, dass wir immer wieder von Gott eingeladen sind.

Kurz, aber herzlich

Musik

Allein zum Einzug vernimmt man Blasmusik, dann übernimmt die mächtige Orgel das Regiment. Viele Gemeindemitglieder folgen dem zunächst eher passiv und lassen den Gesamteindruck auf sich wirken. Bei den "Klassikern" wie "Halleluja, Ostersegen" oder "Großer Gott, wir loben Dich" stimmen dann aber alle ein. Das ergibt ein kraftvolles Gesamtbild, schwächere Stimmen kommen gegen die Orgelmusik nicht an, werden aber von ihr mitgetragen.

Die musikalische Begleitung passt.

Lesung

Ein Diakon liest aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, vom neuen Jerusalem. Er spricht deutlich und betont gut, sein Blick bleibt meist auf den Text gerichtet.

Der anspruchsvolle Text ist zumindest akustisch gut verständlich.

Predigt

Pfarrer Herrmann nimmt aus dem Evangelium das Wort "Liebet einander wie ich euch geliebt habe" auf und legt dessen Bedeutung für die heutige Zeit aus. Manch einer komme an seine Grenzen, wenn er die Nächstenliebe bis zur Selbstaufgabe pflege. Wer sich um andere kümmere, erfülle diese Forderung Jesu. Das reiche von Eltern, die für das Kindeswohl viele eigene Bedürfnisse zurückstellen, über pflegende Angehörige bis zu den unterschiedlichsten ehrenamtlich Engagierten. Diese Botschaft ist nicht schwer zu verstehen und wird vom Vortragenden auch erfreulich klar formuliert. So dürfte er viele Gemeindemitglieder erreichen, weil das Predigtthema auch viele unmittelbar betrifft.

Klare Botschaft, solide vermittelt, da dürften die meisten dabeibleiben.

Kommunion

Zur Gabenbereitung läuten die Kirchenglocken. In Begleitung eines dezenten Orgelzwischenspiels und später auch eines Kirchenlieds verteilen der Pfarrer und die beiden Diakone die Kommunion. Dafür kommt einer sogar auf die Empore, was Gedränge in der gut gefüllten Kirche vermeiden hilft. Wer unten sitzt, begibt sich bankweise nach vorne.

Die Kommunion läuft so ab, wie man es aus vielen Kirchen kennt.

Segen

Nach einer Stunde Gottesdienst verabschiedet sich Pfarrer Herrmann von seiner Gemeinde, wünscht den Jubelkommunikanten noch frohes Feiern und allen anderen einen schönen Sonntag. Dem folgt ein klassischer, aber feierlicher Segen. Wer hier zum ersten Mal den Gottesdienst besucht, muss an dieser Stelle staunen, wie kraftvoll und schön der Pfarrer den Segen singt. Mit Orgelmusik werden die Gläubigen nach draußen geleitet.

Ein würdiger Abschluss eines festlichen Gottesdienstes

Ambiente

Die Pfarrkirche Sankt Jakobus der Ältere thront über Königsfeld und bietet den Besuchern schon beim Anstieg ein imposantes Bild. Drinnen kann man die mehr als 1000-jährige Kirchentradition erahnen, zugleich präsentiert sich das Gotteshaus in einem sehr guten Zustand. Die Sonne strahlt an diesem Sonntagmorgen durch die hohen Fenster, prächtiger Blumenschmuck verleiht dem Altarraum zusätzlichen Glanz. Wer Weihrauchgeruch mag, wird durch die Ministranten reichlich damit versorgt. Dazu volle Kirchenbänke und mächtige Orgelklänge. Der vom Pfarrer versprochene festliche Rahmen wird für nahezu alle Sinne erfüllt. Für festliche Stimmung ist reichlich gesorgt.

Bänke

Die Bänke sind dank einer dünnen Filzauflage nicht zu hart. Das aufliegende Brett verhindert, dass man sich mit voller Rückenlänge anlehnen kann. Die Kniebänke sind unterschiedlich: in den unteren Reihen gepolstert, vorne auf der Empore hölzern, auf deren hinteren Reihen gibt es überhaupt keine.

Schon in Ordnung

Beleuchtung

Die Sonne allein hätte an diesem Tag schon gereicht, um die Kirche erstrahlen zu lassen. Die Fenstergröße dürfte auch an regnerischen Tagen für eine gewisse Grundhelligkeit sorgen, die es einem leicht macht, mit der Kirche warm zu werden. Nichtsdestotrotz sorgen zahlreiche hohe Kerzen vor den Altären für zusätzliche Stimmung. Das dezente Deckenlicht, die indirekt angestrahlten Heiligenfiguren und das Seitenlicht auf der Empore fallen an diesem hellen Tag aber nur denen auf, die danach suchen.

Sonnendurchflutetes Gotteshaus hebt die Stimmung.

Jugend

Nicht nur die zehn Ministranten senken an diesem Tag den Altersdurchschnitt. Die Kommunionkinder füllen festlich gewandet die Reihen und manche Eltern nutzen die Gelegenheit für ein Foto - nachdem es zur eigentlichen Kommunion nicht so sonnig war. Auch hinter den Jubelkommunikanten sieht man Familien mit Kindern und Jugendlichen. Ob der Generationenmix auch an anderen Sonntagen so passt? Die Einbindung der Jugend beschränkt sich an diesem Tag im Großen und Ganzen auf den Ministrantendienst.

Viele junge Gottesdienstbesucher an diesem Tag

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter www.infranken.de/gottesdiensttest gesammelt.