Zu diesem besonderen Geburtstag habe das Bad auch etwas Besonderes verdient, findet der neue Stadtchef. Was, das will er an diesem verregneten Mai-Morgen noch nicht verraten. Die Jubiläums-Saison hat ja erst vor kurzem begonnen und genau rechtzeitig dazu wurde die 180 000 Euro teuere Erneuerung der Heizung und die energetische Sanierung fertig. Kurz vor Söders eigenem Arbeitsbeginn als Bürgermeister übrigens. Und gleichfalls kurz bevor Detlef Friedrich, Meister für Bäderbetriebe, "Chef" der Hallstadter Schwimmstätte wurde. Die zählt mit ihren 35 Jahren übrigens zu den jüngsten in der Region Bamberg.

Dank etlicher "Kuren" kann sie optisch wie technisch mit der gleichfalls erneuerten Konkurrenz mithalten, finden Söder und Friedrich.

Dem 45-jährigen Michelauer, der auch Einrichtungen in Bad Staffelstein und Unterschleißheim gut kennt, gefällt Hallstadt ausnehmend gut: Das großzügige Areal, die Ausstattung. Auch wenn der auf Technik und Sicherheit spezialisierte neue Leiter noch diverse Details kennenlernen muss.

Das ist "ihr" Bad

Jede einzelne Leitung dagegen hat Judith Eberlein hier kennen gelernt. "Seit 14 Jahren bin ich hier daheim", sagt die Fachangestellte für Bäderbetriebe, die schon als Schülerin gerne nach Hallstadt gekommen ist und hier ihre Ausbildung absolvierte. "Das ist mein Bad." Vor lauter Begeisterung für ihr Bad hat sie auch sämtliche FT-Berichte gesammelt: Darunter den von der Eröffnung, als der damalige Bürgermeister Karl Popp mit Anzug und Zylinder ins Wasser sprang. 1999 war dann die erste große Sanierung und auch die große Rutsche kam da, erinnert sich Judith Eberlein.

Diese Fakten bestätigt Lothar Diller, stellvertretender Freibadleiter. Er ist seit 26 Jahren hier beschäftigt. "Ich wurde mit dem Bad groß", sagt der 46-Jährige. Für die damalige Jugend war das Bad immer Treffpunkt.

Das hat sich jetzt geändert, ebenso wie das Verhalten der Gäste. Im Schnitt sind das so um die 100 000 jährlich. Früher galt: Schönes Wetter und die Leute kamen. "Heute brauchen sie eine Anlaufzeit", erklärt Diller. Generell sei die Tendenz zum Badbesuch rückläufig. "Es gibt so viel Attraktionen, viel Konkurrenz für ein Bad," ergänzt seine Kollegin.

Um mithalten zu können, hat Hallstadt dem Bad schon etliche Kuren und Neuerungen verpasst. Jüngst eben besagte Heizung, die für eine konstante Wassertemperatur von um die 28 Grad sorgt. Angesichts der vielen doch eher kühlen Tage ein Anreiz für viele, nach Hallstadt zu kommen. Dort stehen den Besuchern übrigens ein 50-Meter Schwimer-Becken, ein 25 Meter langes Nichtschwimmer-, sowie ein gleich langes Gewöhnbecken und ein Plantschbecken zur Verfügung. Gesamtinhalt über 3200 Kubikmeter. Die Pumpen haben in der Stunde 1000 davon umzuzwälzen. So ist Friedrich auch Herr über gewaltige Technikräume, die den Badegästen freilich verborgen bleiben. "Da steckt viel Geld drin", weiß der Fachmann.

Pro Jahr kostet das Freibad (inklusive Abschreibung) die Stadt etwa 900 000 Euro, merkt der Bürgermeister an dieser Stelle an. Dank der Neuerungen hofft man zumindest auf eine Reduzierung der Stromkosten.

Büro-Arbeiten

Der kühle, verregnete Mittwochvormittag war Söders Freibad-Besuch ideal, da die Mitarbeiter nicht den absoluten Stress eines Spitzentages mit 3000 oder mehr Besuchern hatten. So fallen an diesem Tag eher Büro-Arbeiten und ähnliches an. Freilich muss auch die Aufsicht ihren Dienst tun. "Sobald auch nur einer im Wasser ist,", sagt der neue Chef. Vorfälle ereignen sich meist, wenn ganz wenige oder ganz viele im Wasser sind, lautet die Erfahrung der Mitarbeiter. Die sind im Zweischicht-Betrieb vor Ort. Denn eine Stunde vor Öffnung und eine danach braucht das Bad Pflege. Die Arbeit im Freibad sei eine sehr vielseitige, erklärt Friedrich, "vom Rasenmähen bis zum Reparieren."

Das kann Ingrid Helmreich zumindest vom Zusehen bestätigen. Seit vier Jahren betreibt sie den Kiosk. Ein schwieriges Geschäft. "Ich bin jeden Tag da, auch wenn es regnet." Bis 12.30 Uhr hat sie an diesem Tag gerade mal einen Kaffee verkauft. Weg zu bleiben, schade auf jedem Fall dem Geschäft. Bei schönem Wetter wiederum muss sie auf die Schnelle Personal organisieren, meist von der Familie. Allein vom Kiosk zu leben sei unmöglich. Die Hallstadterin kennt das Bad von Anfang an, als Besucherin. Mit dem Bad haben sich im Lauf der Jahre auch die Ansprüche der Gäste geändert. "Früher waren sie mit Wurstbrötchen zufrieden, heute muss man schon eine Auswahl bieten." Mit kostenloser Gymnastik Dienstagmorgen und Aqua-Fitness Freitagnachmittag will Friedrich die Attraktivität des Jubiläums-Bades steigern.