Sie solle doch gefälligst besser auf ihre Pferde aufpassen. Fast 20 Anrufe dieser Art hat Familie Lang am frühen Montagabend bekommen. Dabei war die Sache vom Samstag, als fünf ihrer Jungpferde ausgebrochen waren, doch ausgestanden, die Ausbrecher hinter Schloss und Riegel. Ihr sei ein Pferd fast ins Auto gelaufen, teilte eine Anruferin am Dienstag völlig aufgelöst mit. Lucie Lang wusste nicht wie ihr geschah. "Fast hätte mich der Schlag getroffen", sagt sie. Und schickte umgehend Mitarbeiter in den Stall, um zu sehen, ob ihr einziger Schecke dort war. Denn die Anrufer, die immer mehr wurden, hatten von einem Pferd berichtet, das wie eine Kuh aussieht. Der Schecke war da. Trotzdem machten sich Langs wieder auf zum Pferdeeinfangen.

Zwischen Frenshof und Steinsdorf (Gemeinde Schönbrunn) hatten die Anrufer das Pferd gesichtet. Also fuhr der Fangtrupp dorthin. Und wurde fündig. Tatsächlich: Das Tier hatte in Steinsdorf spontan einen Vorgarten zweckentfremdet und zum Pferdegatter gemacht. Bei der Polizei ging um 18.58 die Meldung ein: "Pferd in unserer Einfahrt gefunden."


Wohin mit einem herrenlosen Pferd?


Der Schecke hatte noch nicht einmal ein Halfter um, so dass man ihn hätte festhalten können. Kein Wunder, dass keiner ihn zuvor hat festhalten können. Pferdeleute kennen sich untereinander, so rief Lucie Lang den ihr bekannten Scheckenbesitzer in der Gemeinde Schönbrunn an: Dessen Schecke stand allerdings brav im Stall.

Im Vorgarten konnte das entlaufene Tier wohl schlecht bleiben. Also verpassten ihm Langs ein Halfter und beschlossen, es zunächst einmal in den eigenen Stall nach Lisberg zu bringen, also hin zu führen. "Bei einem Hund hätten wir das Tierheim angerufen, aber auf Pferde sind die glaube ich nicht so eingestellt", sagt die 44-Jährige.

Liebhard Löffler, Erster Vorsitzender des Tierschutzvereins Bamberg und Umgebung, bestätigt das. "So ein Fundtier, so einen Fall hatten wir in der Tat noch nicht." Aber generell ist der Tierschutzverein für alles zuständig, "was kreucht und fleucht". Er bekam über den Anruf des Fränkischen Tags Kenntnis und setzte sich seinerseits mit Familie Lang in Verbindung.

Natürlich hatten die Autofahrer, denen das Tier zum Glück nur mords Schrecken einjagte und nicht zum Verhängnis geworden ist, die Polizei informiert. Und auch dort, so Lucie Lang, war man wohl erleichtert, dass das Fundtier erst einmal von der Straße und untergebracht war. Georg Lang hatte seinerseits die Polizei verständigt und gefragt, ob denn niemand ein Pferd vermisse. Wenn der Besitzer nicht unmittelbar greifbar ist, werden Tiere dieser Größenordnung "beim nächsten Bauern untergebracht", lässt die Polizei auf Nachfrage wissen.

Es hatte und hat sich bei der Polizei noch niemand gemeldet, der sein Pferd vermisst. "Höchst merkwürdig", findet Lucie Lang das. Die Polizei empfahl ihr, an die Presse zu gehen. Ihrerseits hat sie über Facebook einen Aufruf gestartet.


Beweise und Dokumente nötig


Freilich birgt so ein Fall auch die Gefahr, dass sich irgendjemand melden könnte, der sich verspricht, auf dieses Weise günstig zum Reittier zu kommen. "Da müssen dann schon eindeutige Beweise und Dokumente vorgelegt werden", hat die Lisbergerin mit der Polizei besprochen. Üblicherweise haben Pferde Begleitpapiere (Equidenpass), anhand derer sie identifiziert werden.

Auch der Amtsveterinär des Landkreises kam, um den Schecken in Augenschein zu nehmen, es könnte ja sein, dass das Tier irgendwelche Krankheiten hat und vielleicht deswegen ausgesetzt wurde. Sicherheitshalber halten Langs den Schecken getrennt von den anderen Pferden der Familie gehalten werden.

Und was, wenn sich niemand findet, der das Tier vermisst oder wieder haben will? "So weit haben wir noch gar nicht gedacht...!"

Informationen zu dem herrenlosen Tier nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0951/9129 310 entgegen.