Im prall gefüllten Festzelt hatte die Andreas Diller-Stiftung den Bamberger Historiker Joachim Andraschke zu einem ebenso spannenden wie ausführlichen Festvortrag über die Ursprünge der Pfarrei gewinnen können. Der Namensforscher beschränkte sich dabei nicht auf die 500 Jahre nachgewiesener Kirchenstatistik. Durch den Abend führte Kirchenpfleger Stefan Dittrich.

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes "Gych" datiert laut Joachim Andraschke aus dem Jahr 1237, allerdings dürften die beiden Orte Straß- und Wiesengiech deutlich älter sein. Bereits der Bischof von Würzburg hatte, so Joachim Andraschke, hier Anspruch auf den "Altzehnt", und das bedeute, dass der Ort bereits vor dem Jahr 1007 existiert haben müsse. Im Jahr der Gründung des Erzbistums Bamberg ließen sich die Würzburger Machthaber ihre Steuerpfründe vom Kaiser schriftlich bestätigen. Wiesengiech sei erstmals im Jahr 1299 als "Windischen Gyech" erwähnt worden, so der Referent, "Strazzgich" im Jahr 1357.

Mit "Starkolfswinden" und Windischletten entstanden in unmittelbarer Nachbarschaft zwei slawische Siedlungen. Dies könne der Grund sein für das Valentins-Patrozinium der Giecher Kirchweih, denn Slawen hätten damals noch keinen Kontakt mit dem Christentum gehabt. Das Patrozinium weise also darauf hin, dass eine Kirche hier schon um 800 bestanden haben könnte, die von Scheßlitz aus versehen wurde, bis anno 1791 die Gründung einer eigenen Pfarrei erfolgte.

Über die Stiftung der Pfarrei werde erzählt, so Joachim Andraschke weiter, dass sich Fürstbischof Franz Ludwig auf einer Firmreise in Hollfeld befand und beim Mittagstische während einer sehr stürmischen Witterung in "des ferngelegenen Hochstahl" eine Provisur ausführte. "Der hohe Gast beschloss in Hochstahl selbst die Gründung einer Pfarrei und hielt bei dem wohltätigen und reichen Pfarrer Kropfeld um eine milde Gabe zu diesem Zwecke an. Dieser erklärte sich dazu bereit, bat sich aber die Gnade aus, dass auch in seinem Geburtsort Giech eine Pfarrei errichtet werden möge", berichtet Pfarrer Nüßlein anno 1890.

Dass es in früheren Zeiten nicht immer schiedlich-friedlich zuging, ist unter dem 6. Juli 1598 überliefert. In einem Schreiben Nr. 3447 an die "Geistliche Regierung Herrn Pfarrverwesern zu Scheßlitz betreffend" wird mitgeteilt, dass jener, "als er gen Scheßlitz komen, hat er ein leichtfertige Diern mit sich gebracht, mti der sich niemand betragen können, auch er selbsten nit, sondern vast täglichen mit Ihr schlagen und pleuen mussen und sich wohlbegeben, das er von Ihr dermassen zerschlagen und zukretzet worden, das er etliche tag nit vort die Leuth gangen und sich im Pfarrhof enthalten.

Zum andern wie dan auch verschienen Herbstes, als er sie gehen Straßgiech uff die Kierben gefurt, und beede des Wein und Biers im Wirtshaus daselbsten zuvil in sich genommen ... dan sie Ime als sie beede hinder dem Wirtshaus heraus kommen, hat sie ein Kandel mit Wein, so sie mit sich anheimbs tragen wollen, Íme in das Gesicht geworfen, das ime der Hut vom Kopf gefallen und nit gesehen können, darauf sie zum andern mahl zimlich woll einander gerauft und geschlagen, in welchem Streiten er mit Muhe und Arbeidt kaum das Veldt erhalten.


Erhalten geblieben sind diese und andere Geschehnisse, weil die Giecher Kirche nachweislich niemals abgebrannt ist. Auch im 30-jährigen Krieg hätten die schwedischen Truppen nur "die Truhe mitgenommen". Zwischen 1633 und 1636 sei kein Gottesdienst und keine Kirchweih gefeiert worden. "Überlebt" hätten somit zwei spätgotische Statuen der heiligen Valentin und Anna aus der Zeit um 1500. Im Jahr 1686 wurde eine Sakristei angebaut, 1736 die Kirche aufgestockt, bevor es 1791 zur Pfarreigründung kam. Ein Jahr später stieß Starkenschwind zum neuen Pfarrverbund, das zuvor bei Memmelsdorf gewesen war.

"Andraschke zeigte mit seinem Vortrag, wie kurzweilig Geschichte sein kann", freute sich Michael Zeck. Zwischen den einzelnen Teilen des Vortrages und zum Ausklang des Festabends spielte das Bläserensemble "Brasserie" und der Gemischte Chor gab einige Lieder zum Besten. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Maria Hopf hatte die Gäste begrüßt. Der Scheßlitzer Bürgermeister Franz Zenk dankte der Andreas-Diller-Stiftung für die Erforschung der Heimatgeschichte.


Festgottesdienst

Am Sonntagmorgen hielt Generalvikar Georg Kestel gemeinsam mit Pfarrer Markus Brendel den Festgottesdienst in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche St. Valentin. Im Anschluss konnte sich das Giecher Kirchenvolk im Festzelt beim Mittagessen und anschließend bei Kaffee und Kuchen stärken. Für Auflockerung und Unterhaltung sorgten der Scheßlitzer Spatzenchor, ein Drehorgelspieler und viele Angebote für die Kinder. Die reichlich ausgestattete Ausstellung war, wie am Samstag, erneut sehr gut besucht.