Wird's was oder doch nicht? Schon Tage vor dem Zug werden Wettervorhersagen belauert und meteorologische Studien ausdiskutiert. Obwohl die Stories immer robust sind, haben Geisfelds Faschingswagenbauer Angst um die filigran vertüftelte Deko - und davor, dass mehr als Fetzen fliegen. Aber auch an diesem Faschingsdienstag kommt es so, wie es kommen soll: Als mobiler Geschichtenerzähler und wandelnde Dorfchronik schiebt sich der Gaudiwurm allen Wetterkapriolen zum Trotz vom Unteren Geisberg über die Litzendorfer Straße Richtung Kirchplatz.

Stundelnlang gebastelt

Flankiert vom vorher stundenlang eingebastelten Strohbären, der klimaunabhängigen Blaskapelle und den Hexen mit den handgeschnitzten Masken ist wieder kreative Alltagsbewältigung angesagt.

Dorftratsch, Lästereien und ein Quäntchen Stichelei: Vergangenes und Akutes wird auch im ersten Geisfelder Zwanzigerjahr detailverliebt zum Wagen verbaut, mit Fußtruppen transportiert oder auf den Handwagen gebracht.

"Willst du Millionäre sehn, musst du in die Kneipe gehn" - dass es in Geisfeld gelegentlich Geld regnet, ist sowieso das Lieblings-Thema. Das Jackpot-Gespann mit dem Stammtisch auf Rädern diskutiert den Zusammenhang von erheblichem Bierkonsum und erheblichem Lottogewinn und liefert das erste Faschingszug-Kapitel rund um den Aufstieg Geisfelds zur Finanzmetropole.

Die verbriefte Umbenennung des Dorfes macht den zweiten Akt zum Thema: Ein paar Kreative beschäftigen sich ausführlich mit dem Mysterium des monatelang verschwundenen Ortsschildes und dessen kurzfristiger Auferstehung als Millefeld-Wegweiser.

Die anderen Kröten, der wiederausgebuddelte Teich Richtung Litzendorf und der Bau von Amphibien-Leitsystemen ist das nächste mobile Projekt: Eine närrische Truppe setzt auf Froschverkleidung, um von der Gemeinde umgehungsmäßig ebenso geküsst zu werden wie die Wander-Kröten an der Staatsstraße.

Dass all die Aufregung in Geisfeld immer weniger angemessen begossen werden kann, ist Wagenthema Nummer fünf. Das Epos hinterm Bulldog beklagt mit fröhlicher Verzweiflung nicht enden wollendes Ungemach rund um Öffnungszeiten, verpatzte Eröffnungen, ewige Ruhetage und kürzere Bereitschaftsdienste der ortsansässigen Gastronomie.

Weil auch Überschuss Mangel verursachen kann, wünscht sich der Geisfelder Chor außerdem mehr Tiefgang - und ist offensiv auf Männer-Fang.

Zu Finanz-Glamour, Frosch-Gunst, Bier-Notstand und Sänger-Quote gibt's aber auch eitel Sonnenschein:

Der Kindergarten freut sich in Bauarbeiterkluft auf den Einzug in den Neubau und die Kulturelle Dorfgemeinschaft feiert ausnahmsweise indisch: Der Faschingszug-Veranstalter würdigt den Bollywood-Trip des vereinseigenen Malermeisters auf einem Glitzer-Fahrzeug mit Gold-Thron, Tanz-Truppe und unüberhörbarem Orient-Wumms.

Und um die Zukunft kümmert sich der Nachbar: Roßdorf For Future ist die Antwort auf den morgendlichen Besuch der Geisfelder Hexen im Dorf nebenan und auf alle Geisfelder Probleme - und auf die der Welt.

Damit von allen Freuden und Hoffnungen was bleibt, wird am Ende nur der Strohbär symbolisch verbrannt. Millefeld, die Hexen und die Kröten hoffen weiter auf dörfliche Harmonie - mit fröhlichen Kindergartenkindern, vielen Sänger-Männern und genügend Bier. Und gern auch mit einer Prise Bollywood.