Die Stimmung ließ eher an einen Adventsplärrer denken denn an Innovation im Bamberger Stadtverkehr. Jung und Alt drehten am Samstag mit E-Scootern ihre Runden vor dem E.T.A.-Hoffmann-Theater. Allesamt wie kleine Kinder, die ein neues Karussell erproben. Strahlende Gesichter, leuchtende Augen: "Geht ganz schön ab das Ding!" jubelte etwa der 79-jährige Peter Gruber nach seiner flotten Testfahrt mit diesem Elektro-Kleinstfahrzeug, das im kommenden Frühjahr offiziell für den Bamberger Straßenverkehr zugelassen werden soll.

Mikro-Mobilität

"Das Konzept von Bird, dem Marktführer im E-Scooter-Sharing Service, hat uns überzeugt", erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Fiedeldey. Die Stadtwerke müssten als Kooperationspartner auch nicht in finanzielle Vorleistungen treten, um die geplanten 100 E-Scooter für die Pilotphase anzuschaffen. Sollte das Projekt von Erfolg gekrönt sein, könne es noch im Sommer 2019 in den Regelbetrieb übergehen. Damit wäre Bamberg die erste Stadt in Deutschland, in der E-Scooter als neue Form der Mobilität etabliert würden, so Fiedeldey.

Der Stadtwerke-Chef nannte die Zahl von derzeit 56 Millionen zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland. Diese Zahl bedeute, dass der "Raum in den Städten und Straßen immer enger wird", und es "Mikro-Mobilität in allen Formen" geben müsse. "Wir stellen die E-Scooter jedem zur Verfügung, der mindestens 18 Jahre alt ist", sagte Fiedeldey. Und zwar zunächst mit Sondergenehmigung, da erst gegen Sommer 2019 mit einer neuen Verordnung für die Nutzung von Elektro-Kleinstfahrzeugen durch das Bundesverkehrsministerium zu rechnen sei.

Testpilot Manuel Völkel war nach der ersten Kreis-Fahrt mit dem "Bird" völlig angetan: "Das ist eine neue Möglichkeit, von A nach B zu kommen", meinte der 25-Jährige. Er habe solche E-Scooter schon in Barcelona gesehen und sei gespannt gewesen, wie sich diese in Bamberg machen. Auch Professorin Astrid Schütz (57) rauschte mit dem Mini-Fahrzeug beglückt über den Theatervorplatz: "Das ist ja wie früher Tretroller fahren, nur mit Gas! Das hat Freude gemacht!" sagte sie und lachte fröhlich unter ihrer weinroten Pudelmütze. Sie könne sich eine generelle Nutzung durchaus vorstellen, zumal sie ansonsten auch Fahrradfahrerin sei oder in der Stadt den Bus wähle.

Auch Skeptiker unter den Testern

Senior Peter Gruber blieb trotz aller Freude über die rasante Testfahrt skeptisch, was die Alltagstauglichkeit des E-Scooters anbelangt: "Man kann damit nichts transportieren", bemängelte er. Und man brauche immer ein Smartphone, um mit einer App den Bird zu entsperren. "Kommt der den Kaulberg rauf?" stellte Gruber eine Frage, die zumindest an diesem Tag nicht probeweise beantwortet werden konnte. Er werde den E-Scooter eher nicht nutzen und lieber bei seinem Motorroller bleiben, sagte Gruber mit entschuldigendem Lächeln. Denn für sein gewohntes Gefährt habe er nun ausreichend Routine und Sicherheit, was für den E-Scooter wohl auch nötig sei.

Auch Radio- und Fernsehleute verfolgten den "Adventsplärrer" aufmerksam, interviewten Stadtwerke-Geschäftsführer Fiedeldey zu den künftigen Standorten der "Birds". Diese sollen am Bahnhof, an den Universitätsgebäuden, am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und an den innerstädtischen Tiefgaragen ihre "Nester" haben, so Fiedeldey. Die Bird-App würde anzeigen, wo der nächstgelegene E-Scooter zu finden ist. Nach Beendigung der Fahrt innerhalb der Stadt zu einem Grundpreis von einem Euro sowie 15 Cent pro genutzter Minute müsse das Fahrzeug wieder in einem "Nest" abgestellt werden.

Übrigens: Bird, der Vogel, fliegt 20 Stundenkilometer schnell - und verfügt zum Glück für querende Fußgänger über Klingel, Bremse sowie Vorder- und Rücklicht.