Franz Reinisch kehrt also posthum dorthin zurück, wo er in seinem kurzen Leben glückliche Stunden verbrachte: nach Bamberg. In die St. Martins-Kirche, in der Reinisch als Priester die Messe feierte. Vor dem Volksaltar wird nun eine 80 Quadratmeter große Bühne aufgebaut, auf der 40 Akteure - Schauspieler, Tänzer, Chorsänger mit Solisten - die Lebensgeschichte dieses Mannes erzählen. "Gefährlich" titelt das Musical über den Aufrechten, der konsequent seinem Gewissen folgte: Pallottinerpater Franz Reinisch weigerte sich, den obligatorischen Fahneneid auf Hitler abzulegen -als einziger Priester im sogenannten Dritten Reich. Auf "Wehrkraftzersetzung" stand das Todesurteil. Franz Reinisch starb am 21. August 1942 in Brandenburg durch das Fallbeil.

Wie lässt sich so ein Schicksal ausgerechnet in ein Musical packen? In eingängige Melodien und Spielszenen? "Das war eine große Herausforderung, aber es geht", weiß Reinisch-Experte Martin Emge, ehemaliger Regens des Bamberger Priesterseminars und jetzt Pfarrer in Forchheim sowie Diözesanpräses der Schönstatt-Bewegung, der auch Franz Reinisch sehr nahe stand. Gemeinsam mit dem Jugendamt der Erzdiözese Bamberg als offiziellem Veranstalter hat Pfarrer Emge das Musical nach Bamberg geholt. Das Stück, das der Texter, Komponist und Theologe Wilfried Röhrig verfasst hat, wurde bereits in Bad Kissingen uraufgeführt. Dort sollte Franz Reinisch am 14. April 1942 seinen Wehrdienst antreten.

Martin Emge schildert Reinisch als einen lebensfrohen, temperamentvollen, mitreißenden Menschen, der sich in jungen Jahren leidenschaftlich in die Studentin Ludowika Linhard verliebt hatte. Der auch als Priester Kettenraucher war und beinahe sein Noviziat bei den Pallottinern in Untermerzbach nahe Bamberg hingeworfen hätte, weil er all seine Zigarettenvorräte abliefern musste. Pfarrer Emge berichtet über die Suche von Franz Reinisch nach seiner wahren Berufung und über seine Kraftquellen, über seinen Protest gegen die Naziherrschaft und das Mitläufertum, den sich
zuspitzenden Konflikt mit der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit bis hin zu seiner im Glauben begründeten Lebenshingabe.

Für Pfarrer Emge ist Reinisch ein "katholischer Anarchist", dessen Eid-Verweigerung auch die staatsloyalen Bischöfe und Ordensoberen im Dritten Reich anklagt. "Wer sich auf Reinisch einlässt, wird anecken und bekommt Probleme", sagt der Pfarrer unumwunden. "Kritische Stimmen haben es schwer, wenn es um eine Gewissensentscheidung geht, die über der Meinung der Kirche steht", fügt Emge hinzu. Insofern könne Franz Reinisch für die heutige Generation ein "Freund und Vorbild" sein: "Er macht Mut zum Aufstehen gegen Gleichgültigkeit und Duckmäusertum, gegen die bloßen Zuschauer und Gaffer!" Es brauche mehr denn je "Leute, die Profil zeigen wie Reinisch und aus dem
Herzen und aus klarem Gewissen heraus Antworten geben, Farbe bekennen, Haltung zeigen", so Pfarrer Emge.

Dies alles komme in dem Musical deutlich zum Ausdruck. Es sei nicht nur ein frommes Bühnenwerk, unterhaltsam, anspruchsvoll und bis in die Tiefen durchdacht, sondern zugleich eine "gefährliche Erinnerung und Provokation". Emge zitiert einen Satz aus dem Musical, der ein Kern der Reinisch-Geschichte ist: "Liebe, Freiheit, aufrechten Gang gibt es nicht zum Nulltarif."

Stück für Stück enthüllt sich die Dramatik seines Lebens während einer abenteuerlichen Reise im Zug und auf nächtlicher Straße. Die spannende Rahmenhandlung setzt Ostern 1946 mit der besonderen Mission eines Pallottinerpaters ein, der die Asche seines Mitbruders Reinisch von Berlin über die Interzonengrenze in den Westen bringen will.

Gerade Bamberger sollten sich die zweistündige Aufführung am Samstag, 16. Juni, 19 Uhr, nicht entgehen lassen. Als Verbeugung vor Franz Reinisch, der 30 Mal in seinem geliebten Bamberg war, Wallfahrermessen oder religiöse Gruppenstunden für Schönstattfrauen hielt, obwohl die Nazis solche
Versammlungen verboten. Seit einigen Jahren gibt es sogar einen "Reinisch-Weg" durch Bamberg, vorbei an all den Stationen, an denen sich der gebürtige Österreicher aufhielt. Pfarrer Martin Emge führt immer wieder Interessenten auf diesem Weg.

Er startet an der St. Gangolf-Kirche, in der eine Gedenktafel an Pater Franz Reinisch erinnert. Er durfte als Gefangener auf dem Transport von Bad Kissingen nach Berlin-Tegel in der Nacht des 7. Mai 1942 in der Amtsstube des Pfarrhauses von St. Gangolf noch einmal die heilige Messe feiern. Der begleitende Unteroffizier und Pfarrer Winter hatten dem Todgeweihten seinen letzten Wunsch erfüllt. Die hochbetagte Ehefrau des mutigen Unteroffiziers und dessen Tochter leben heute in Stegaurach.

Für Pater Reinisch wurde 2013 in Trier der Seligsprechungsprozess eröffnet. Auch Pfarrer Emge wirkte darin als Zeuge mit. Er geht davon aus, dass die erforderlichen Dokumente noch in diesem Jahr nach Rom geschickt werden können.

Info
Tickets für das Musical "Gefährlich" (Vorverkauf: 20 Euro, ermäßigt 16 Euro)
-Magnus Klee, Obstmarkt 2, 96047 Bamberg, Tel. 0951 - 26037
- Schönstattzentrum Marienberg, Dörrnwasserlos, 96110 Scheßlitz, Tel. 09542/7635
- an der Abendkasse (22 Euro, 17 Euro)
Mehr Infos unte www.reinisch-musical.rigma.de


Was Erzbischof Ludwig Schick zum Musical sagt

"Den Namen Franz Reinisch verbinde ich sofort mit einer Einweihungsfeier in unserer Erzdiözese. Am 24.9.2004 durfte ich auf dem Marienberg das neue Jugend- und Gemeinschaftshaus segnen und seiner Bestimmung übergeben. Die Schönstattbewegung hat diesem Haus bewusst den Namen "Reinisch-Haus" gegeben, weil dieser Pallottinerpater der Jugend etwas zu sagen hat. Er war einer, der kein Blatt vor den Mund genommen hat, wenn es um Recht und Wahrheit geht. Dass nun ein Musical über diesen aufrechten Priester und Bekenner entstanden ist und nach der gelungenen Premiere in Bad Kissingen nun auch in Bamberg aufgeführt werden soll, begrüße ich sehr.
Gerade heute sind solche Persönlichkeiten und Charakterköpfe nötiger denn je. P. Reinisch hatte damals das Naziregime schnell durchschaut. Den Fahneneid auf den Führer abzulegen, war ihm aus Gewissengründen nicht möglich. Er war kein Drückeberger oder Kriegsdienstverweigerer. Seine
christlichen Werte und Haltung waren ihm heilig. Sein konsequentes Zeugnis als Priester hat er mit dem Leben bezahlt. Aus eigener Erfahrung in den Ländern mit Christenverfolgungen, die ich als verantwortlicher Bischof für die Weltkirche besucht habe, kann ich bezeugen: als Christ Farbe zu
bekennen, kann lebensgefährlich sein! Deswegen passt der Titel "Gefährlich" auch sehr gut zu diesem Musical. Ich könnte mir denken, dass sich die junge Generation von diesem Franz Reinisch anstecken lässt.
Sein kritischer Geist tut gut. Wir brauchen keine Kopfnicker, sondern Christen mit eigener Meinung
und dem Mut, dazu zu stehen. Ich danke unserem Erzbischöflichen Jugendamt, dass es als Veranstalter dieses Musical nach Bamberg holt und wünsche diesem Musical regen Zuspruch und dem Musicalteam viel Erfolg."