Angesichts des Mangels an Eis und Schnee könnte man in weiten Teilen Frankens vergessen, dass Winter ist. Aber viele Autofahrer werden heftigst daran erinnert, wenn ein Laster vor ihnen einen "blinden Passagier" verliert: Die Eisplatten auf den Planen der Lkw-Auflieger sind ein unerwünschter Exportartikel aus dem eisigen Osten, der schnell zu einer gefährlichen Bombe werden kann.

In den Polizeiberichten quer durch den Freistaat häufen sich in den letzten Wochen die Meldungen über gefährliche Begegnungen der eisigen Art. Besonders kritisch wird es auf den bayerischen Autobahnen im morgendlichen Berufsverkehr.

Eisige Gefahr aus dem Osten

Das ist auch die Hoch-Zeit für Speditionen, die Waren von Ost nach West transportieren. Die Eisluft in weiten Teilen Osteuropas, die in den letzten Wochen bis nach Sachsen-Anhalt voran kam, hat auf vielen nachts im Freien geparkten Lastzügen das in den Vertiefungen der Planen angesammelte Wasser zu Eisschollen gefrieren lassen.
Unerfreuliche Bekanntschaft mit einem solchen Eis-Import machte am Mittwoch im Landkreis Würzburg ein Rentner auf der B19 im Landkreis Würzburg. Zwischen Giebelstadt und Bad Mergentheim verlor ein Lkw eine Eisplatte. Sie krachte wie ein Geschoss die Windschutzscheibe des Audi. "Der Fahrer hatte überhaupt keine Chance, diesem Geschoss auszuweichen", sagt ein Polizeisprecher. Das Eis durchschlug die Frontscheibe des Pkw und verletzte den Mann an der Wange.

Schulbus getroffen

Es grenzt an ein Wunder, dass nicht mehr passierte. Erst vor zwei Wochen war dem Fahrer eines Schulbusses bei Röthlein bei Schweinfurt das gleiche Malheur passiert. Der Fahrer wurde durch Eis- und Glassplitter verletzt, während die Passagiere, acht Schulkinder, mit dem Schrecken davon kamen.

In beiden Fällen ist der Verursacher des Unfalls unbekannt. "Man muss davon ausgehen, dass die Lkw-Fahrer von dem Missgeschick nichts bemerkt haben", räumt die Polizei ein. Das ändert nichts daran, dass die Ordnungshüter wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht ermitteln. "Zur Sorgfaltspflicht gehört es, das Fahrzeug vor dem Start zu überprüfen und von Eis und Schnee zu befreien", sagt ein Beamter.

Auch Gucklöcher sind gefährlich

Damit meint er nicht nur die Brummi-Lenker, sondern auch die Autofahrer, die durch Gucklöcher in den vereisten Scheiben navigieren oder mit Schneebergen auf Dach und Motorhaube unterwegs sind - auch wenn das im aktuellen fränkischen Winter (noch) kein Thema ist.

Beim Brummi tut es der Eiskratzer nicht. Technische Systeme oder Handarbeit müssen die Eiszeit beenden. Uns das ist nicht immer ungefährlich. In Brandenburg stürzte vor einigen Tagen ein Lkw-Fahrer beim Versuch, die Eisschicht zu beseitigen, vom Anhänger. Er brach sich mehrere Knochen.

Airbag gegen die Eiszeit

Technik Die Industrie hat pfiffige technische Lösungen gegen die "Trittbrettfahrer" auf den Lkw-Planen entwickelt. Am weitesten verbreitet ist der Roof Safety Airbag (RSAB).

System RSAB hat sich in der Praxis bewährt. Es besteht aus Luftschläuchen, die zwischen den Trägern und der Plane der Aufbauten verlaufen. Mit Druckluft aufgepumpt, machen die Schläuche aus dem Flach- ein Satteldach. Das Wasser läuft ab, ohne Wasser kein Eis.

Kosten Der Anschaffungpreis liegt bei 1200 Euro pro Fahrzeug. Unfälle sind teurer.