In der Osternacht wird das Glück der Familie Morgenroth in der Oberen Pfarre perfekt: Vater Karlheinz und Söhnchen Kilian sind bereits getauft. Und nun empfängt auch Mutter Katja das Sakrament der Taufe: "Ich möchte ankommen und heimkommen", begründet die 36-jährige gebürtige Thüringerin ihre Entscheidung für Gott und die katholische Kirche. Katja Morgenroths bewusstes Ja nach Kindheits- und Jugendjahren in der früheren DDR ohne Bezug zum Glauben ist in monatelanger Vorbereitung durch Pfarrer Matthias Bambynek und Pastoralreferent Gregor Froschmayr gereift.

Die beiden erfahrenen Seelsorger haben sie auf dem Weg in die Kirche begleitet. "Katechumenat" lautet der Fachbegriff für diese Phase hin zu den Sakramenten des Christwerdens: Taufe, Firmung und Eucharistie. Diese wird Pfarrer Bambynek am heutigen Samstag in der festlichen Osternacht ab 21 Uhr Katja Morgenroth spenden.
Helen Becker ist die zweite im Bunde, die das Katechumenat in der Oberen Pfarre durchlaufen hat. Die 44-Jährige stammt aus Kasachstan, ihr Ehemann und ihre beiden Kinder sind schon getauft. "Ich brauche Gott so wie noch nie", strahlt Helen Becker in Vorfreude auf ihren großen Tag. Dankbar ist sie besonders darüber, dass gleich zwei Patinnen sie auf ihrem Glaubensweg begleitet haben: Elfriede Müller und Christiana Schmidt waren sogar beim Unterricht dabei. Die Frauen kennen Helen Becker schon länger, haben mit ihr immer wieder über Gott und Kirche gesprochen, Bedenken der Neu-Bambergerin ausgeräumt, dass sie schon zu alt sei für eine Taufe.


Aus unterschiedlichen Gründen

Dass solche Sorgen völlig unbegründet sind, macht auch Georg Böllner-John, der Diözesanbeauftragte für den Katechumenat, klar. "Immerhin rund 80 Erwachsene im Erzbistum Bamberg lassen sich in der Osternacht taufen", erklärt der Referent für Gemeindekatechese im Erzbischöflichen Ordinariat. Unterschiedliche Gründe liegen dem Wunsch nach Taufe zugrunde.

Da gibt es etliche, die in den neuen Bundesländern groß geworden sind, hier Christen kennen gelernt haben und jetzt auch katholisch werden wollen. Andere stammen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und möchten jetzt ihren Glauben frei leben. Wieder andere wurden von ihren Eltern nicht getauft mit der Begründung: "Wenn mein Kind erwachsen ist, soll es selber entscheiden, ob es einer Kirche angehören will." Nun wollen diese jungen Leute dazu gehören. Es gibt jedoch auch bislang muslimische Taufbewerber aus Ländern wie dem Irak oder der Türkei.


Dem Lockruf Gottes gefolgt

Alle haben sich intensiv vorbereitet und die Inhalte von Gebeten wie dem Glaubensbekenntnis und dem Vater Unser kennen gelernt, sich mit der Bibel und den kirchlichen Strukturen sowie mit dem Ablauf des Gottesdienstes befasst. Verschiedene Feiern gehörten zum Katechumenat, so auch die Zulassungsfeier zur Taufe in der Fastenzeit mit Erzbischof Ludwig Schick im Dom.

Auch Katja Morgenroth und Helen Becker hörten in diesem Wortgottesdienst aufmerksam zu, wie der Erzbischof vom "Lockruf Gottes" sprach, dem die Katechumenen gefolgt seien, als sie sich für den Eintritt in die katholische Kirche entschieden haben. "Sie haben diesen Ruf vermutet und geglaubt", so der Erzbischof. Gott rufe, weil er möchte, "dass wir im Licht leben, in Helligkeit, Wärme, Wohlbefinden, im guten Miteinander, dass wir Hoffnung und Zuversicht und dadurch Mut haben, nach vorn zu gehen und Zukunft zu gestalten".

Erzbischof Schick nahm sich nach der Zulassungsfeier viel Zeit bei einer Kaffeerunde im Dompfarrheim, um mit den erwachsenen Täuflingen über Gott und die Welt zu plaudern. Sogar der sechs Monate junge Kilian Morgenroth hatte seine Freude an den liebevollen Neckereien des Erzbischofs, der gleich noch eine kleine Katechese in Sachen Frankenapostel Kilian loswerden konnte.