"Wir wollen weitermachen." Die Botschaft war wohl zu vernehmen. Allein es fehlte an Zuhörern, die man hätte überzeugen können, der FDP bei den anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen über die Fünf-Prozent-Hürde zu helfen.

So fiel es denn nicht weiter auf, dass sich der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Martin Zeil zum Wahlkampfauftakt der FDP Bamberg-Land auf der sechsten Station seiner Bratwurst-Tour (so heißt sie wirklich!) durch Oberfranken erst mal die Metzgerei des Brauereigasthofs Kraus in Hirschaid zeigen ließ.

Und den Schützensaal, der ursprünglich als Veranstaltungsort für eine Podiumsdiskussion mit dem Minister, dem Landtagsfraktionschef der Liberalen Thomas Hacker aus Bayreuth, dem Bamberg-Forchheimer Bundestagsabgeordneten Sebastian Körber sowie den Kandidaten Robert Fritsch (Landtag) und Werner Schauer (Bezirkstag) angekündigt war.

Schließlich reichte das Nebenzimmer der Gastwirtschaft für die rund zwei Dutzend Parteiaktivisten und Funktionsträger sowie eine Handvoll Zuhörer, denen das Parteibuch nicht auf den ersten Blick anzusehen war.
Das "Impulsreferat", das Zeil hielt, bevor erl zum dritten Mal an diesem Tag - nach Hof und Kulmbach - in eine oberfränkische Bratwurst und ins Sauerkraut biss, diente also mehr zur Motivation des eigen Parteivolks denn zur Gewinnung neuen Wahlvolks.

Zeil pries die den Liberalen zu verdankenden Errungenschaften der schwarz-gelben Landesregierung ("Die Menschen wollen nicht zurück in die Zeiten absoluter Mehrheiten") und den bayerischen Mittelstand - den er in Hirschaid in Gestalt der gastgebenden Brauereibetreiberfamilie verortete.

Oberfränkische Themen

Als stellvertretender Vorsitzender der bayerischen Landes-FDP warb er dafür, dass man so ganz alleine in der Wahlkabine ("Sie glauben nicht, welches Glücksgefühl einen überfällt, wenn man zum ersten Mal FDP wählt") frei wählen könne, wo man sein Kreuz mache, selbst wenn man ein anderes Parteibuch besitze. Rasch fügte er hinzu, das gelte natürlich nicht für die anwesenden FDP-Mitglieder. Also für fast alle im Raum.

Die Sachthemen in der anschließenden "Podiumsdiskussion" - die als Moderator der Landtagskandidat und Ortsvorsitzende der FDP Bamberg-Stadt in Frageform vorträgt - bewegen sich dann zunächst vor allem im gesamtoberfränkischen Raum: Wirtschaftsförderung. Die sollte, so der Minister "nicht mit der Gießkanne, sondern gezielt" erfolgen.

Thomas Hacker führt an, Oberfranken habe bei der Arbeitslosigkeit den Abstand zu Oberbayern verringert. Auch die Schaffung der Technologieallianz Oberfranken (TAO) - einer Kooperation der Universitäten Bamberg und Bayreuth sowie der Hochschulen Hof und Coburg, die mit Millionen aus München gefördert wird - darf sich der Fraktionschef vom Moderator als persönlichen Erfolg zuschreiben lassen. Weitere Themen: Loewe (Zeil: "Meine Aufgabe ist es nicht, mit dem großen Scheck der Steuerzahler zu winken") und schnelles Internet.

Regional wird es erst zum Ende der Runde. Hier darf Hirschaids CSU-Bürgermeister Andreas Schlund zu Wort kommen, der der Veranstaltung wohl weniger als schwarz-gelber Koalitionär denn als Gastgeber für den stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten beigewohnt hat.

Schlund spricht die geplante ICE-Trasse an und beklagt, dass die Bahn das Nahverkehrsgleis im Hirschaider Bahnhof mit seinen täglich 1800 Fahrgästen nur über einen 3,50 Meter breiten Tunnel zugänglich machen will. Zeil verweist auf "gewisse Standardisierungen, weil's um Geld geht".

LEP "Stich ins Wespennest"

Hirschaid Bürgermeister will aber vor allem wissen, warum im neuen Landesentwicklungsprogramm (LEP) im ganzen Landkreis Bamberg kein einziges Mittelzentrum ausgewiesen ist, vor allem, warum auch der gemeinsame Antrag von Hirschaid und Strullendorf mit ihren zusammen rund 20000 Einwohnern, ihrer Wirtschaftskraft und zahlreichen zentralörtlichen Funktionen als Mittelzentrum eingestuft zu werden abgewiesen worden ist.

Zeil gibt zu erkennen. Zeil gibt zu erkennen, das LEP sei für ihn "eine interessante Erfahrung" gewesen, weil er nicht gewusst habe, "in welches Wespennest wir da stechen". Der Vortrag des Bürgermeisters sei plausibel. Aber es hätten 70 Anträge vorgelegen. Das man nicht jedem auf die Schnelle habe gerecht werden können, sei es ein Gebot der Fairness und des Gleichbehandlungsgrundsatzes gewesen, keinen dieser Anträge anzunehmen. Dies könne aber in in einem nächsten Schritt in einem offenen, fairen Verfahren erfolgen, vertröstet Zeil die Hirschaider.

Zum Schluss liefert ein Zuhörer Zeil noch unfreiwillig zwei Steilvorlagen. Der Mann gibt sich als Verfechter eines Mindestlohns und als Gegner von Massentierhaltung zu erkennen und will wissen, wie der dem FDP-Minister dazu steht.

"Anschlag auf den Mittelstand"

Einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn bezeichnet der FDP-Minister als "nichts anderes als die Vernichtung von Arbeitsplätzen". Ebenso, wie höhere Steuern für Reiche "ein Anschlag auf den Mittelstand" seien.
Und zum Thema Massentierhaltung meint Zeil, es solle jedem selbst überlassen bleiben, wann und wie oft er Bratwürste esse. Die Bratwurst-Tour des Ministers ging noch am selben Abend weiter.