Schier endlos schien die Menschenschlange, die sich am Sonntagnachmittag für die persönliche Gratulation durch den Domkreuzgang schob. Alt-Erzbischof Karl Braun drückte unzählige Hände, hatte für jeden und jede ein freundliches Wort. Auch an seinem Festtag, an dem er offiziell sein 60. Priesterjubiläum feierte, bewies der 87-Jährige im Wortsinne Standfestigkeit. Die Gäste aus Kirche, Ökumene, Politik und Gesellschaft erlebten den betagten Herrn vital und frisch.

Im vorausgegangenen Festgottesdienst dankte Karl Braun Gott, "dass viele Momente der Freude und nicht Frustration, Pessimismus und Resignation die 60 Jahre meines priesterlichen Wirkens bestimmt haben". Daher ermutigte er auch junge Männer, den Priesterberuf zu wählen: "auch wenn die Kirche in diesen Tagen ordentlich durcheinandergeschüttelt, wachgerüttelt, auf ihre biblischen Wurzeln und zu einem größeren Vertrauen auf den Herrn berufen wird." Wichtig sei, dass Kirche sich auf die "Dimension der Tiefe" berufe, denn ohne diese Tiefe sei Breite nicht möglich. "Die Zukunft gehört den Glaubenden, Mutigen, Liebenden!" rief der Alt-Erzbischof der Festgemeinde im vollbesetzten Dom zu.

Brauns Bamberger Nachfolger, Erzbischof Ludwig Schick, sprach ihm für 60 Jahre im priesterlichen Dienst "große Anerkennung und ein herzliches Vergelt's Gott" aus. In seiner Predigt entfaltete Schick die Aufgaben eines Priesters und Bischofs: "Er muss Gott und seine Weisheit für die Menschen suchen, das Wort Gottes verkünden, mit reinem und ungeteilten Herzen Jesus Christus nachfolgen." Das heiße auch, der Priester dürfe nicht höheres Ansehen suchen, nicht an materiellen Gütern bewahren, was er schon hat oder es durch den Dienst in der Kirche noch vermehren. "Wir haben als Priester und Bischöfe ein gesichertes Leben, daran hängen dürfen wir aber nicht. Unsere Lebensversicherung ist Gott und niemand und nichts Anderes", machte Schick klar.

Viele Priester, Diakone und ehemalige Mitarbeiter Karl Brauns feierten den Dankgottesdienst mit. Und natürlich auch bischöfliche Mitbrüder aus seinen ehemaligen Wirkungsstätten, darunter Konrad Zdarsa aus Brauns Heimatbistum Augsburg und Gregor Maria Hanke aus Eichstätt. Als Vertreter der Weltkirche stand Bischof Lesanu-Christos Matheos aus Äthiopien mit am Altar. Die Domkantorei unter Leitung von Domkapellmeister Werner Pees gestaltete die Eucharistiefeier mit lateinischen Chorälen.

Ein Ausdruck für das bleibende Interesse des Alt-Erzbischofs an den Geschicken des Erzbistums Bamberg war die Zweckbestimmung der Kollekte: Diese kommt der Kinder- und Jugendarbeit des Jugendbildungshauses "Am Knock" im Frankenwald zugute, das Karl Braun schon in seiner aktiven Bischofszeit maßgeblich gefördert hatte.