Da musste auch Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller schmunzeln. Anlässlich des 16. Oberfränkischen Mundart-Theater-Tages, der in diesem Jahr in der Staatlichen Gesamtschule Hollfeld über die Bühne ging, war dem Kommunalpolitiker aus Hof ein "fränkischer Dolmetscher" zur Seite gestellt worden.

Kurz, knapp, fränkisch

Mit der Übersetzungsvorlage von Rüdiger Baumann, Schauspieler und Autor des Kulmbacher "Schauhaufens", an der Hand übertrug ein Schüler der Gesamtschule Hollfeld das in hochdeutscher Sprache formulierte Grußwort des Bezirkstagsvizepräsidenten in fränkische Mundart. Nicht Wort für Wort, sondern sinngemäß und kurz und knapp: fränkisch eben.

Auch Bürgermeisterin Karin Barwisch freute sich, dass Hollfeld in diesem Jahr als Spielort für den Oberfränkischen Mundart-Theater-Tag ausgewählt worden war. Einmal im Jahr kommen oberfränkische Theatergruppen und Autoren und Autorinnen zusammen, präsentieren ihre neuen Produktionen, lesen aus ihren Texten vor. Einzige Voraussetzung: Fränkisch ist Pflicht.

Als Gastgeberin eröffnete die Theater AG der Gesamtschule Hollfeld den Reigen der Theaterstücke. Pfiffig, witzig und mit großem Engagement zeigten die Schülerinnen und Schüler in drei Einaktern, dass sie die Erwachsenen sehr gut beobachten können, beispielsweise bei dem Kauf eines Brautanzugs für einen Bräutigam. Ähnlich vergnügt zeigte sich der Auftritt der Jugendgruppe der "Undähaadä Theatergruppe" aus Unterhaid. Sie präsentierten mit "Achtung Aufgepasst!" eine Schulstunde mit Lehrer Knüppelmann, der in rasantem Tempo durch alle Themen marschiert, die in der Schule unterrichtet werden: Deutsch, Mathematik, Farbenlehre oder der "Blutkreislauf".

An Jean Paul und Richard Wagner erinnert

"Luftschiffer und Luftschlösser" stand als Motto über dem diesjährigen Oberfränkischen Mundart-Theater-Tag, mit dem an die beiden Jubilare Jean Paul und Richard Wagner erinnert wurde. Sonja Keil aus Helmbrechts eröffnete den ersten Leseblock und nahm in ihren kurzen Texten Bezug auf dieses Motto und stellte über den oberfränkischen Dichter fest: "Wir hätten uns in unserer Mundart unterhalten können." Ganz im Sinne Jean Pauls beendete sie ihre Lesung mit einem oberfränkischen Zungenbrecher, der "Fischers Fritze" blass aussehen lässt.

Obwohl Rettl Motschenbacher Richard Wagner zwei Geschichten widmete, fiel das Urteil der Mundart-Autorin aus Bamberg über den Komponisten nicht sonderlich positiv aus: "Ich hab‘ den Richard Wagner nie so richtig g‘mocht." Europäisch zeigte sich ihre Geschichte "Echt verwickelt - italienisch, lateinisch, fränkisch", in welcher sich eine Konversation zwischen Autorin und einer italienischen Friseurin entwickelt. Nicht auf Italienisch, nicht auf Fränkisch, sondern in lateinischer Sprache verständigen sich die beiden Damen.

Es geht auch zeitkritisch

Dass Mundart-Theater durchaus zeitkritisch sein kann, belegt die Stettfelder Freilichtbühne mit dem von Birgit Amling geschriebenen Stück "Querbeet durch den Märchenwald". In selbigem begegnen sich Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, der Wolf, Schneewittchen oder "Prince Charling" mit Pferd Camilla, der einen köstlichen Sprachmix aus Oxford-Englisch mit deutscher Einfärbung pflegt. Sprachliche Spitzen gegen andere Märchenfiguren mit aktuellen Bezügen dürfen dabei nicht fehlen.

Weniger klassisch, mehr fränkisch zeigte der "Schauhaufen" aus Kulmbach Auszüge aus "Der eingebildete Kranke" von Molière. Rüdiger Baumann, Schauspieler, Regisseur und als Autor auch beim Oberfränkischen Mundart-Theater-Tag aktiv, hatte diesen französischen Klassiker ins Fränkische übersetzt, und die ausgewählten Szenen wurden in der Gesamtschule Hollfeld begeistert vom Publikum aufgenommen. In weiteren "Leseblocks" stellten die Autoren Walter Tausendpfund aus Pegnitz, Brigitte Kilic aus Kulmbach, Reinhold "Heiner" Hartmann aus Bayreuth und Helmar Höllein aus Hof ihre Texte vor.
Die oberfränkische Mundart ist vielfältig und vielschichtig, dies wurde bei ihren Lesungen deutlich. Während Brigitte Kilic die vergleichsweise neue Form des "Blogs" für ihre Texte wählt, berichtet Helmar Höllein von seinen Erfahrungen auf der Landesgartenschau im vergangenen Jahr in Bamberg und Reiner Hartmann rezitiert ein "Gedicht, das man schreibt, wenn man nicht weiß, was man schreiben soll."

Walter Tausendpfund wählte Jean Paul und seine Wortschöpfungen zum Vorbild und kreierte seinerseits neue Worte, wie "Straßenpuzzle", "Garteneinerlei", "Platzangstzeichen", "Fernsehbrei" oder "Handyterror". Mundart, das wurde bei diesem 16. Oberfränkischen Mundart-Theater-Tag in der Gesamtschule Hollfeld deutlich, ist am Puls der Zeit. Dies belegte auch die junge "Schrenker-Band" unter der musikalischen Leitung von Eva Schrenker, Lehrerin an der Musikschule Hollfeld. Die Musikerinnen und Musiker haben Songs in ihrem Repertoire, die in den aktuellen Musikcharts vertreten sind wie auch Lieder in fränkischer Mundart, präsentiert in neuem, jungen musikalischen Gewand.

Fränkisch und mit eigenen Kompositionen begleitete das Mundart-Trio "Die Regnbogn-Engala" aus Bayreuth den Oberfränkischen Mundart-Theater-Tag in Hollfeld. Dieser endete pünktlich und so erfüllte sich die Hoffnung des fränkischen Dolmetschers, dass alle Akteure rechtzeitig zum "Tatort daham san."